Videos 10600

Tagged: Spielkultur

Astral Chain im Test – Actionreiche Grafikpracht

Astral Chain Nintendo Switch Test

Vor Bayonetta 3 haut Platinum Games mit Astral Chain einen brachiales Action-Feuerwerk im Cel-Shading-Look heraus – ob sich der Trip in die japanische Großstadt mit viel Neon lohnt, sagen wir im Test.

Brachiale Action mit Stil

Platinum Games haben eine besondere Gabe. Sie können noch so hirnrissig oder gar völlig Over-the-Top sein – trotzdem besitzen diese Titel einen hohen Spielspaß. Grund hierfür ist das teils übertriebene Action-Feuerwerk mit Unmengen von Gegnern und Zeitlupen-Effekte á la Hollywood. Weiterlesen…

„NBA 2K19“ im Nintendo Switch-Test

NBA 2K19

Körbe werfen ab sofort auch unterwegs! NBA 2K19 ändert nur wenig am gelungenen Rezept des Vorgängers – überzeugt mit besseren KI und einer gut inszenierten Story. Nur der komplett enttäuschende Online-Multiplayer ist hier ärgerlich. Unser Test zur Basketball-Simulation.

Mit Skills in die NBA

Über 10 Millionen Einheiten setzte man mit „NBA 2k18“ ab – ein riesiger Erfolg für Take 2 Interactive. Kritiker sahen die omnipräsenten Mikrotransaktionen als große Schwäche – während das reine Gameplay Puristen wieder besänftigte. Nur so viel: Auch im neuesten Update der Reihe werden sich wieder die Geister scheiden, denn der Online-Modus scheint aktuell die größte Baustelle. Dazu später mehr. Mit hübschen Zwischensequenzen wartet der Story-Mode namens „The Way back“ auf. Denn bevor wir die NBA bespielen sind wir gezwungen einen Umweg über China zu gehen, nachdem er beim Draft von keinem Team ausgewählt wurde. Klassisch beginnen wir mit der Charaktererstellung, die einmal mehr umfangreich ausgefallen ist. Neben dem Aussehen entscheiden wir über zwei Skills für unseren Alter Ego. Seien es „Passen oder Ballhandling“ oder den 2-Punkte-Wurf. Die Story ist für ein Sportspiel passabel, auch wenn es einige unlogische Situationen gibt und uns unsere Figur mit seiner weinerlichen Art stellenweise nervt. Dennoch dürfen sich Solisten über die rund 9 stündige Kampagne freuen.

Die Entwickler setzen aber mit dem Managermodus noch einmal eine Schippe drauf. Das könnte für den Rest der Gamerwelt in seiner Perfektion schon fast dröge wirken, aber NBA 2K19 bringt auch immer wieder humorvolle Szenen, wenn zum Beispiel die Maskottchen über das Spielfeld rennen. Aufpassen muss man als Basketball-Fan nur, wenn man eher NBA Jam und Playgrounds mag. Wild auf die Knöpfe drücken bringt den Spieler bei NBA 2K18 nicht wirklich weit. Wenn wir im Karriere-Modus unser Apartment verlassen, landen wir in unserem Viertel, das in NBA2K19 erstmals eingeführt wurde. Dort finden wir Geschäfte, Fitnesszentren oder auch den Zugang zu abgedrehten Minispielen wie Trampolinball. Nervig bleibt, dass wir bestimmte Punkte nicht simpel per Menü auswählen können. Die eigentliche Präsentation ist hingegen großartig – so reagiert die Verteidigung deutlich klüger auf unsere Angriffe, weswegen wir häufiger mit Blöcken arbeiten müssen, um letztendlich den Punkt noch zu machen. Das Publikum wirkt selbst auf Switch recht lebendig und die Klangkulisse glaubwürdig. Zudem merkt man Fortschritte hier deutlicher. Problematisch sind die Online-Modi. Hier litten wir selbst bei Nintendo zu sehr unter Cheatern, dem Einfluss der Mikrotransaktionen sowie technischen Problemen wie Verbindungsabbrüchen oder brüchigen Framerates.

Unser Fazit zu „NBA 2K19“

Die Basketball-Simulation von Take 2 ist zurecht populär, kaum ein anderes Sportspiel bietet dem Spieler mehr Umfang oder gar die exzellente Atmosphäre von Matches. Die Anzahl an spaßigen Modi plus lizenzierten Mannschaften, die von den Chicago Bulls bis zu Golden State Warriors reichen lassen Basketball-Fieber aufkommen. Grafisch sind die Figuren detailliert und die 30fps werden im Solo-Part meistens gehalten. Nur der Online-Modus scheint mit technischen Schwächen und keiner guten Balance in Sachen Mikrotranaktionen das Sorgenkind zu sein.

Entwickler: Visual Concepts | Preis: 39,99 Euro | Für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC | USK: ab 0

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.

Kolumne: Zu welchem Preis? – NetherRealm, Epic & Rockstar Games

Gaming Kolumne
Gaming Kolumne

NetherRealm, Epic oder auch Rockstar Games – Arbeitswochen während Entwicklungsphasen werden oftmals immer zeitintensiver. Mehrere Hundert Mitarbeiter müssen wegen stetiger Konkurrenz länger als 70 Stunden wöchentlich arbeiten. Aber zu welchem Preis?

Zu welchem Preis Entwickler sein?

Bereits im vergangenen Oktober schrieben mehrere Gazetten über den Ausspruch von Rockstar Games-Mitgründer Dan Houser, dass mehrfach bis zu hundert Stunden in der Woche einige Entwickler am Western-Hit „Red Dead Redemption 2“ werkelten. „Fortnite“-Entwickler Epic erntete im letzten Monat heftige Kritik seitens aller Seiten, da bekannt wurde dass die Teams mehr als 70 Stunden pro Woche an neuen Inhalten für den Battle Royale-Shooter arbeiten. Durch den massiven Erfolg will das Unternehmen mit Live-Service-Updates eben diesen aufrechterhalten. So gab es beispielsweise zum finalen „Avengers: Endgame“ ein umfangreiches Update mit Marvel-Figuren sowie verändertem Spielkonzept. Natürlich ist es hinlänglich bekannt, dass Studios in der Crunchtime – also kurz bevor ein Titel auf den Markt kommt – viele Überstunden leisten aber solche neue Standards übersteigt das bei weitem. Zuletzt gerieten die „Mortal Kombat“-Macher Netherrealm in die Schlagzeilen. Auch waren 100 Stunden-Wochen fast schon normal. Doch gerade hier scheint die Ausbeutung von freien Mitarbeitern gänzlich neue Grenzen erreicht zu haben. Morgens hat er zwischen 9 und 10 Uhr angefangen und war erst gegen 2 oder 3 Uhr nachts nach Hause, berichtete QA-Tester Isaac Tirres, der von 2012 bis 2013 beim Titel „Injustice“ mitarbeitete. Beck Hallstedt, die für „Injustice 2“ als Concept Artist angestellt wurde – legt nach. Kurzfristige Verträge wären normal gewesen. Einige Kollegen gingen nach wenigen Monaten, andere kamen jedoch zurück. Manchmal.

10GB Day One-Update

Einer der Gründe weshalb riesige Studios wie Rockstar Games oder auch kleinere Entwicklerschmieden mittlerweile so gnadenlos agieren, sind wir Spieler. Wir, die es nicht abwarten können noch Monate oder ein Jahr auf den heiß ersehnten Titel zu warten. Technische Makel werden halbherzig per 10GB Day One-Update so ausgebessert, dass die gröbste Bugs nicht mehr zu erkennen sind. Wir, die nach 2 Stunden keine Lust mehr auf ein in 5 Jahren befindliches Spiel mehr haben und unser Geld lieber in sinnlose Mikrotransaktionen stecken anstatt solche Mechaniken zu verabscheuen. Jedoch liegt die Schuld auch an Studios, die wie beschrieben auch über Leichen gehen um gesetzte Releasetermine vom Publisher einzuhalten. Zudem ist es wirklich traurig, im Hinblick auf die Frequenz derartiger Meldungen, dass solche arbeitsrechtlichen Katastrophen nicht die Ausnahmen sondern die Regel in vielen Unternehmen sind.

„Holt einfach mehr Körper.“

Es darf doch nicht normal sein, dass große Triple-AAA-Spiele immer auf dem Rücken von Menschen entwickelt wurden, die nicht selten an ihre absolute Belastungsgrenze gingen. Natürlich ist es verständlich, dass Spiele die kurz vor der Veröffentlichung stehen nochmal besondere Aufmerksamkeit bedürfen. Aber am Beispiel „Fortnite“ ist es tatsächlich mehr als erschreckend – solange der Erfolg anhält – die Mitarbeiter quasi verdammt sind in schlechten Konditionen zu arbeiten. Der Zynismus gipfelt bei der Aussage des Managements: „Holt einfach mehr Körper.“ Die Quelle weiter: „Wer sich weigerte, die vermeintlich optionalen Überstunden zu absolvieren, „erhielt wahrscheinlich keine Vertragsverlängerung.“ Der gesamte lesenswerte Artikel der Kollegen von Polygon findet ihr hier.

Als Gamer und Spielejournalist schmerzt es zu sehen wie Entwickler mit eigenen Ideen und Visionen von nahezu skrupellosen Studios mit teils absolut unmenschlichen Arbeitsbedingungen ausgebeutet werden, um die finalen Releasedaten einhalten zu können. Es muss sich etwas ändern. Doch zu welchem Preis?

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.

Devil May Cry 5 im großen Test

Devil May Cry 5 Review
Devil May Cry 5 Review

Runde 5 im Kampf gegen Dämonen! Capcom setzt bei „Devil May Cry 5“ gleich auf ganze drei Hauptfiguren, die sich in gewohnt starker Grafik in die opulent inszenierte Schlacht stürzen. Reicht dieser Action-Bombast für den großen Spielspaß – unser Test.

Frischzellenkur

Capcom versteht es seit einiger Zeit alteingessene Reihe mit frischem Leben zu füllen. War „Resident Evil 7“ aus der Ego-Perspektive fast ein völlig anderes Spiel in Sachen Survival-Horror so überzeugte das kürzlich veröffentlichte Remake von „Resident Evil 2“ auf ganzer Linie. Statt drögen festen Kamerapunkten wechselte man auf die klassische Third-Person Ansicht aus Teil 4. Spieler wie Fachpresse konnten sich mit Lob kaum zurückhalten. Nach dem leider unerfolgreichen Reboot-Versuch von „DMC“ aus dem Hause Ninja Theory nahm man bei Capcom das Zepter wieder selbst in die Hand und setzte zur Fortsetzung bzw. light Reboot von „Devil May Cry“ an. Actionreich und mit Stil metztelte sich Held Dante durch Dämonen und andere Höllengestalten. Der aktuelle Ableger wartet jedoch mit gleich ganzen drei Spielcharakteren auf – zum einen Dante, Nero und der mysteriöse V. Zusammen gilt es einmal mehr unserer Welt vor garstigen Dämonen zu retten.

Nervige Tutorial-Hilfe

Mitten in Red Grave City bricht ein sogenannter „Dämonenbaum“ aus dem Asphalt. Die daraus resultierende Invasion aus allerlei furchterregenden Kreaturen ruft die natürlich die drei Jäger Dante, Nero und V auf den Plan. Jedoch wird ihnen ein Hinterhalt zum Verhängnis und so müssen alle drei voneinander getrennt nach Antworten suchen. Jeder, der die Story von „Devil May Cry 5“ als platt oder oberflächlich bezeichnet hat keinen der Vorgänger gespielt. Die Handlung soll den Rahmen für großangelegte Actionorgien bilden. Trotz vergleichsweise langsameren Kämpfen entfaltet sich sofort eine Melange aus Combos und Zeitlupen-Angriffen. Wären da nicht ständige Tutorial-Hilfe, die selbst ins Finale der knapp 16 stündigen Kampagne reichen. Richt gelesen. Vor dem finalen Bosskampf darf Nero nochmals neue Tricks lernen. So bleibt stets das Gefühl niemals in vollends die Kontrolle zu haben. Die Kampfstile von Nero & Dante unterscheiden sich nur marginal, während Capcom beim unscheinbaren V deutlich neue Wege geht. Als Mensch kann V nur mit seinen Geistwesen wie Rabe und Jaguar Kämpfe bestreiten. Somit greifen wir Gegner nicht persönlich sondern durch Dritte an. Ist anfangs ungewohnt und hätte mehr Finessen im Einzelnen gebraucht. Mit gesammelten Blut-Orbs können wir bei Waffenschmiedin Nico neue Skills freischalten.

Echtgeld-Shop zum Start

Zudem sind Nero´s Handprothesen „Devil Breaker“ einzigartige Waffen – es gibt drei Arten und jede bietet andere Fähigkeiten. „Overtune“ lässt uns Blitze abfeuern, „Ragtime“ sogar die Zeit verlangsamen und auf „Gerbera“ kann Nero sogar kurze Zeit fliegen. Also fantastische Möglichkeiten den Style Rank von „D“ auf „SSS“ zu bringen. Was trotz flottem Gameplay euch immer wieder herausfordert. Die Level sind linear aufgebaut und lassen nur selten andere Wege aufkommen. Zu Anfang durch kleinere Straßenzüge in London rennend wird es zum Ende eher einseitig, wenn wir gefühlt stundenlang durch das Innere des Dämonenbaums sehen. Die Feinde sind kreativ designt und abwechselungsreich. Gleiches gilt für die toll zelebrierten Bossfights. Zum Release von Devil May Cry 5 gibt es auch gleich einen Echtgeld-Shop. Darin könnt ihr Lebensenergie und Erfahrungspunkte kaufen. Wir raten davon ab – echtes Geld einzusetzen. Zwar erhaltet ihr schneller Fähigkeiten macht euch aber die an sich gute Spielerfahrung kaputt. Jegliche Kugeln, Orbs etc. sind im Spiel in Vielzahl zu finden.

Die hauseigene Grafik-Engine „RE Engine“ ist mit scharfen Texturen und der Möglichkeit realitätsnahe Gesichter zu erzeugen ein echter Glückfall für Capcom. Schon die letzten zwei „Resident Evil“-Spiele proftierten von der hohen Grafikqualität. Genauso wie „Devil May Cry 5“ das mit grandiosen Effekten aufwartet. Zumal auch detaillierte Charaktermodelle und das fehlende Kantenflimmern für ein gutes Bild sorgen. Die angepeilten 60fps werden auch in hektischen Situationen kaum verhindert. Nur nachladende Texturen sowie aufploppende Objekte sind hier leicht nervig. Der Score bedient sich typischerweise Punk-Rock Stücken sowie rockigen Melodien was zweifellos passt. Die Lokalisierung ist nur auf Englisch verfügbar.

Unser Fazit zu „Devil May Cry 5“

Erwartungen erfüllt. Action satt. Capcom möchte auch in Teil 5 der Serie keine epochale Story rund um Dante & Co. erzählen sondern mit kleinen Storykniffen die Weichen für stylische Kämpfe stellen. Die Spielwelt ist recht angesetzt, verliert jedoch mit der Zeit an Abwechslung. Die Verteilung auf gleich drei Figuren ist mutig – erleichtet jedoch auch Neulingen den Einstieg. Nur die negativ zu sehenden Echtgeldtransaktionen für weitere Orbs im Shop ziehen die Wertung letztendlich nach unten. Trotzdem ist Teil 5 der Metzelreihe spaßig geworden.

Entwickler: Capcom | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4, Xbox One und PC | USK: ab 16

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.

Anthem im großen Test

Anthem Review
© EA

Innovatives Action-Feuerwerk oder monotones Geballer? Anthem ließ uns im Test mit gemischten Gefühlen zurück und konnte trotz guter Grafik sowie neuartigem Gameplay nicht so recht überzeugen. Doch welche Aspekte haben uns genau enttäuscht – der Test verrät sie euch.

Zwickmühle ohne Entkommen?

Bioware ist in der Zwickmühle. Trotz dem fabelhaften Standing als facettenreicher Entwickler wurde insbesondere „Mass Effect: Andromeda“ vor zwei Jahren negativ von Fachpresse sowie Spielerschaft aufgenommen. Durch eine stellenweise unmotivierte Storyline schlug Publisher EA den geplanten Neustart der Serie sogleich in den Wind. Also hieß es bei Bioware frisch ans Werk – zuerst hörte man vom Neu-Projekt „Anthem“ auf der E3 2017. Kurz danach hatten einige Beobachter schon damals den Eindruck, dass man nur zu gerne ein eigenes „Destiny“ aufstellen will. Monat um Monat zogen ins Land und je mehr Infos oder bewegtes Gameplay EA veröffentlichte desto lauter wurden die Stimmen. Erschwerend kommt der Fakt hinzu „Anthem“ ebenso wie bei „Destiny“ für ganze 10 Jahre unterstützen zu wollen. Klingt utopisch – denkt man jedoch an ein „World of Warcraft“, dass aktuell noch immer mehrere 100.000 Spieler pro Monat spielen – ist dieser fromme Wunsch von Publishern durchaus vertretbar.

Anthem möchte als Actionspiel mit Onlineelementen wahrgenommen werden. Kommen wir zur Bioware´s eigentlich größter Stärke – die Handlung: Freelancer in übergroßen Anzügen, genannt Javelins, leben in von Flora und Fauna bewucherten Welt. Die Welt wurde von den Göttern, genannt Shaper, erschaffen. Sie haben dafür die „Hymne der Schöpfung“ verwendet, eine Kraft, die in der Lage ist, zwei Dinge zu tun: Erschaffen und Zerstören. Aus unerklärlichen Gründen sind die Shaper plötzlich verschwunden. Als feindliche Hauptfraktion sind die Dominion im Spiel vertreten. Trotz der unkontrollierbaren Macht wollen sie mit einem eigens gebauten Werkzeug diese nutzen. Als Spieler übernehmen wir die Rolle des vermeintlich letzten Freelancer. Mich beruhigte anfangs, dass meine Figur selbstständig spricht. Nicht wie beispielsweise in „Far Cry: New Dawn“ oder „Metro: Exodus“ wo es recht eigenartig war, dass ausgerechnet meine Hauptfigur kein Wort zu sagen hat. Ein obligatorischer Editor für Hautfarbe sowie Geschlecht darf ebenso wenig fehlen. Problematisch ist die Erzählweise. Werden wir im Intro noch bombardiert mit Infos, die wir ohne Vorwissen weder verstehen noch richtig interpretieren können – passiert danach nichts mehr. Die Hauptstory wird fallengelassen und sich mit dem normalen Alltag in Anthem beschäftigt. Auch wirken vorgestellte Figuren wie Arkanist Owen platt und austauschbar. Von einer spürbaren Entwicklung wollen wir gar nicht erst anfangen. Äußerst schade, dass der Plot nur selten fesselt und sich weit unter dem erwartbaren Bioware-Niveau befindet.

Gleißendes Licht am Horizont

Jedoch gibt es Licht am Horizont. Wörtlich gemeint. Es ist ungemein beeindruckend per Javelin sich Iron Man-haft den monströsen Wasserfall runterzustürzen um sofort zum sichtbaren Missionspunkt zu fliegen. Die Spielwelt von Anthem steht uns sofort offen, erkunden lohnt da sammelbare Materialen und vergessene Lager häufig zu seltenen Gegenständen führen. Sonst wirkt diese Welt unheimlich organisch und voller kreativen Einschüben. Hier ein Klecks „Avatar“ dort reale Vorbilder á la Regenwald. Während anfangs unser Anzug nach wenigen Sekunden überhitzt verbessern wir nach und nach gewisse Bauteile. Laufen wir aber in Fort Basis, unserem Rückzugsort, herum ist es doch stark verwunderlich fast keine ansprechbaren Personen anzutreffen. Optisch mutet die Basis unnatürlich steril leblos an. Mit gefundenen Materialen wie Ember (in verschiedenen Stufen) sowie chimärischen Komponenten basteln wir neue Rüstungsstücke. So könnt ihr völlig frei entscheiden euren Fokus auf Lenkraketen oder Schutzschilde zu legen. Auch findet ihr innerhalb von freien Expeditionen einige Waffen. Zu denen zählen u.a. LMG, Pistolen, Maschinen- oder Scharfschützengewehre. Jede bietet eigene Werte und lassen sich in der Schmiede bearbeiten. Hier darf man zudem kosmetische Upgrades kaufen. Mikrotransaktionen erläutern wir weiter unten. Das Gameplay von Anthem ist mit das Beste am Spiel. Tut man sich in den ersten 30 Minuten noch schwer flutscht es irgendwann. Dann lassen sich auch perfekte Kombi-Optionen in Kämpfen ausführen. Per Knopfdruck aufsteigen, per Faustschlag Dominions & Scars zerstören. Was jedoch nicht über die sagenhaft eiserne Monotonie in Sachen Missionsdesign hinwegtäuscht.

Klassische Mission in „Anthem“ (plus Ladezeiten):

„Finde XY und hole mir Relikt A“
1. Ladezeit
*Spieler läuft zur Schmiede um Setup zu verbessern*
2. Ladezeit
*Spieler ändert Setup*
3. Ladezeit
*Spieler klettert in Jevelin*
4. Ladezeit
*Spieler läuft in Höhle*
5. Ladezeit
*Spieler beendet Mission*
6. Ladezeit
*Spieler reist nach Fort Tarsis*
7. Ladezeit

Ihr merkt schon – viel Zeit zum Nachdenken. Nahezu kindlich möchte Bioware auch Solisten unbedingt in Vierer-Teams zwingen. Entweder mit Freunden oder im Random-Verfahren hetzt man uns von Checkpoint zu Checkpoint – in unserem Test klappte die Zusammenarbeit recht ordentlich was vielleicht daran lag, dass die einzigen Aufgaben aus „Scars abschießen“ und „Türen öffnen“ waren. Falls sich die Gruppe zu schnell bewegt und ihr es nicht schafft aufzuschließen – agiert Bioware gnadenlos und wirft euch kurzerhand aus der Session. Nett. Gerade die oben beschriebene ewig gleiche Monotonie in den Missionen dämpfen den kompletten Spielspaß. Was für den „Destiny-Abklatsch“ spricht sind die auftretenden Bulletsponge-Gegner. Magazin für Magazin fressen nicht nur Elite-Varianten der Widersacher. Okay, in „The Division“ beschwert sich ja auch niemand – aber trotzdem hätte „Anthem“ das Ruder umreißen und andere Akzente setzen können.

Grafisch macht „Anthem“ einerseits in den schon gelobten Außenarealen eine gute Figur während in Fort Tarsis die eigenartig sterile Atmosphäre wartet. Gesichter werden einzig in Zwischensequenzen mit realistischen Ausdrücken sowie Emotionen ausgestattet. Ansonsten lässt die Qualität zu wünschen übrig, Köpfe haben teilweise Knetgummi-Look. Texturen laden häufig gerne nach und Objekte ploppen besonders außerhalb öfter auf. Wie nahezu jedes Blockbuster-Spiel, dass was auf sich hält dürfen wir mit Ingame-Währung Mikrotranaktionen erstehen. Auf Lootboxen verzichtet man, dank „Star Wars: Battlefront 2“, und beschränkt sich nur auf kosmetische Items. Die Ladezeiten bildet aber das größte Manko in „Anthem“. Nach jeder Aktion kommt eine mindestens 15 Sekunden dauernde Zwangspause – absolut nervig. Da die Immersion durch offensichtliche Probleme schon brüchig genug ist, wird sie dadurch vollends zerstört. Dazu gesellen sich Lags, starkes Tearing und nahezu ständige Ruckler. Besonders an Missionsanfängen. Technisch positiv zu erachten sind die wenigen Verbindungsabbrüche. Immerhin. Update 1.04 konnte hierbei nichts ändern.

Unser Fazit zu „Anthem“

Nach 15 Stunden sehen wir den Abspann vom gewollten EA-Heilsbringer in Sachen Online-Shooter. Gelinde gesagt ist es erstaunlich wie wenig Content anhand von kreativem Spieldesign und eigentlicher Handlung benötigt wird, um irgendwie auf die recht lange Spielzeit zu kommen. Antwort: Ewig gleichen Missionstypus abspielen. Bioware ließ mich stellenweise so enttäuscht zurück, dass ich die Konsole abschalten musste. Uninspirierte Figuren, deren Dialoge durchaus Potential zeigen, dass aus Anthem ein wirklich amüsantes Spiel hätte werden können. Vielmehr kratzt man nur an der Oberfläche anstatt tiefer gehend gesellschaftliche Kritik in den Kontext der Geschichte zu stellen. Zahlreiche Kodex-Texte veranschaulichen ein frisches Setting mit interessanter Story – bleibt jedoch weit unter den angestrebten Ambitionen des erfahrenen Entwicklerstudios. Die Spielwelt, so visuell beeindruckend sie auch ist, täuscht nicht über teils katastrophale Probleme hinweg. Einzig das unverkennbare Movement des Javalin ist hier den Kauf vielleicht wert.

Entwickler: Bioware | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4, Xbox One und PC | USK: ab 16

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.