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Quantum Break im Test

https://www.youtube.com/watch?v=eU17_kd-e4w&list=PL0il2l-B_WwZxQYQ-Pn427sqt5vSCOK-G

Zugegeben unser Test zum Xbox One exklusiven Zeitreise-Thriller von Remedy kommt ein paar Wochen zu spät, jedoch ist Quantum Break erfrischend anders und in Teilen so innovativ, dass wir euch einfach unsere Eindrücke rund um Jack Joyce und den stylischen Zeitanomalien näher bringen mussten.

Zeitreisen sind gefährlich, aber sehr nützlich. @Microsoft

Zeitreisen sind gefährlich, aber sehr nützlich. @Microsoft

Als Quantum Break auf der E3 2013 vorgestellt worden ist, konnte schon damals in Erfahrung gebracht werden, dass die Entwickler von Remedy einen stylischen Hybrid aus Max Payne und Alan Wake im Sinn hatten. Die Verschmelzung einer tiefgründig guten Story gepaart mit netten Gameplay-Features und gelungenen Shoot-Out´s sind das Markenzeichen der Finnen. Über 3 Jahre hinweg wuchs das Projekt, Schauspieler wurden gecastet, ein Kinofilm zur Handlung war im Gespräch und doch lief es auf eine Live-Action Serie im Hollywood-Stil hinaus. Mit einem namhaften Cast bestehend aus Shawn Ashmore („Herr der Ringe“-Trilogie), Aidan Gillen (Game of Thrones) und Lance Reddick (John Wick) wird Quantum Break zu einem überraschenden Experiment, in dem Storytelling in Videospielen auf eine völlig neue Ebene gehoben wird. Durch die ausgearbeitete Erzählart, dass es im Spiel vier gesetzte Junction-Points gibt, an denen ihr völlig selbstständig eine von zwei Entscheidungen treffen dürft, spornen euch zu einem zweiten gar dritten Durchlauf förmlich an.

Der Tag, an dem die Zeit riss

Hauptprotagonist Jack Joyce (Shawn Ashmore) wird von seinem alten Freund Paul Serene (Aidan Gillen) per Mail und Telefon fast angefleht ihn am Arbeitsplatz in der städtischen Universität zu besuchen. Kaum aus dem Flieger und im Taxi findet sich Joyce auf dem Campus wieder und wird sogleich von Paul empfangen. Er wird in die unterirdischen Labore geführt, die ein sehr geheimes Projekt inne halten. Eine Zeitmaschine. Kaum hilft Jack seinem Kumpel Paul bei einem streng geheimen Zeitreise-Experiment, werden die beiden von Jack´s Bruder William überrascht. Mit geladener Waffe, fordert er den Abbruch des Vorgangs. Doch zu spät. Die Türe der Zeitkammer ist geschlossen, Paul ist in der Kammer gefangen und der Kern überhitzt. Eine Explosion erfasst die Brüder und die Zeit bleibt stehen. Auf dem Weg nach draußen, werden sie von einer Einheit namens „Monarch Solutions“ angegriffen. Paul Serene ist um Jahre gealtert und Oberhaupt von „Monarch Solutions“. Für Jack Joyce steht eines fest: Er braucht Antworten. Für Remedy typisch, als Spieler werden wir mitten in die Handlung geworfen und erschließen erst mit kleinen Schritten die wendungsreiche Story. Das Setting von Zeitreisen wirkt frisch und unverbraucht, somit ist es keine Überraschung, dass wir die letztlich eher kurze aber filmreife Kampagne in großen Teilen genossen haben.

Die angekündigte Live Action-Serie wirkt sich im finalen Spiel folgendermaßen aus. Nach rund 1½ Stunden reinem Gameplay endet ein Akt, danach habt ihr in der Rolle von Serene eine Entscheidung zu treffen, die das Spiel „grundlegend“ verändern soll. So grundlegend sind die Entscheidungen nun doch nicht, es gibt zu viele Überschneidungen und kleinere Logik-Lücken innerhalb der Serie. Ich würde es eher einen anderen Story-Zweig nennen. Als reine Serie betrachtet ist sie zwar spannend und atmosphärisch, doch fällt sie im Vergleich mit Highlights von AMC oder Netflix durch. Quantum Break bzw. Remedy möchte allerdings keinen zukünftigen Emmy-Preisträger auf den Spieler loslassen. Die 20 minütigen Episoden beleuchten die Nebenfiguren und macht somit die Geschichte greifbarer. Alle Schauspieler zeigen durch die Bank weg sehr gute schauspielerische Leistungen. Lance Reddick ist hier lobend zu erwähnen, der mit seinem Charakter „Martin Hatch“ eine undurchsichtige gar diabolische Figur mimt. Motion-Capture sei Dank.

"Kleine Pause!" Die Fernsehserie wirkt nicht deplatziert. @microsoft

„Kleine Pause!“ Die Fernsehserie wirkt nicht deplatziert.
@microsoft

Wooshen, flashen, ballern = Quantum Break

Remedy kann Shoot-Out´s das steht nach „Alan Wake“ und dem Erfinder der Bullet Time „Max Payne“ außer Frage. Nun haben wir mit Quantum Break einen Titel, der mit starker Story aufwartet und einer Hauptfigur der genauso so gut euer Nachbar sein könnte. Bei den ersten Auseinandersetzungen sieht man deutlich, dass sich Remedy voll auf eure bald ausgerüsteten Zeitkräfte besinnt. Zu ungelenk bewegt sich Joyce durch die Areale und zu schlecht nimmt er die zahlreichen Deckungen in eurem Umfeld als Schutz. Während der erste Akt wie eine polierte Max Payne Fortsetzung mit Laboren und Eingangshallen anmutet, ändert sich dies ab Episode 2. Hier öffnet sich das Spiel. In vielerlei Hinsicht. Euer Waffenarsenal wird wuchtiger, die Spielwelt offener und eure Zeitkräfte zahlreicher. Von Schutzschilden über aufgeladene Zeitlupen bis zum letztendlichen „Wooshen“ und „Flashen“ (kein Scherz) wird jeder Kampf wie ein Actionpuzzle. Doch alle Kräfte haben eines gemeinsam. Die Licht- und Partikeleffekte sehen verdammt gut aus. Das überlappen von Grafikelementen und bewegende Objekte in der Luft sind großes Kino und zeitweise ist das Gefühl der Unbesiegbarkeit zu spüren. Doch so treibend die Kräfte sind, langweilen nach kurzer Zeit die Gegnertypen. Eine Entwickler-Eigenheit sozusagen. Soldaten, gepanzerte Soldaten, Soldaten mit ähnlichen Zeitkräften wie wir und sehr stark gepanzerte Soldaten bedeuten quasi die Bossgegner im Spiel. Das war es auch. In kleinen Momenten von Quantum Break seid ihr völlig ohne eure Kräfte unterwegs und müsst auf eure Waffen vertrauen. Wir hätten uns davon mehr gewünscht. Teilweise wirkt die Balance der Schwierigkeitsgrade so fließend, dass zwischen fünf Kämpfen 30 Anläufe liegen können.

Remedy und die ewigen Problemchen

Abseits der stilvollen Kämpfe gibt den üblichen Sammelkram, die hier jedoch als „Handlungsgegenstände“ gekennzeichnet sind. Diese sind zu 50% als unwichtig deklariert und ziehen den Spielablauf unnötig in die Länge. Ebenso wie die zahlreichen E-Mails der Nebenfiguren an die Hauptfiguren und umgekehrt, diese sind teilweise sehr interressant und geben euch Aufschluss über die Hintergründe sind aber viel zu lang und repetitiv geraten. Mitunter führt euch das Spiel an kleine bis sehr groß inszenierte Jump´n´Run Einsätze. Leider bewegt sich Spielfigur Jack Joyce so sperrig, dass kleinste Sprünge zum Glückspiel werden. Sonst ist die Steuerung sehr flüssig und bleibt gänzlich ohne Störungen. Die Zeiträtsel wirken an vielen Stellen perfekt platziert, leiden jedoch an ihrer Einfachheit und sind letztlich der gewollte Stein im Weg zum nächsten Shoot-Out. Die witzigen Easter-Eggs können überzeugen, so spielt eine Mitarbeiterin Alan Wake und eine Max Payne Figur steht in einem Schrank. In den erforschbaren Gebieten gilt es mit eurem „Radar“ hier Zeitblick genannt auch sogenannte „Chrono Quellen“ zu finden, mit diesen könnt ihr eure Zeitkräfte im eher kleingehaltenen Upgradesystem verbessern und ausbauen.

Moment of Silence: Kann Jack hier eine Katastrophe verhindern?

Moment of Silence: Kann Jack hier eine Katastrophe verhindern?

„Alles läuft auf diesen Punkt hinaus!“

Quantum Break ist in jeder Hinsicht einzigartig und besitzt einen bemerkenswerten Charme. Man merkt mit jeder gespielten Sekunde, dass dieses Projekt lange in der Entwicklung war. Jedes Detail, jedes Partikel ist genau dort, wo die Entwickler hin sehen wollten. Die Präsentation mit seiner durchaus gelungenen Mischung aus Action-Shooter und Fernsehserie bietet es für die Zukunft viele frische Ansätze. Zusätzlich lassen die Einstellungsmöglichkeiten keine Wünsche offen, selbst die Serienepisoden können bei langsamer Internet-Geschwindigkeit kostenlos heruntergeladen werden. Diese werden sonst über das Xbox-Netzwerk gestreamt. In unserem Test in der Version für die Xbox One sind uns mehrere Male starkes Kantenflimmern und teils aufploppende Clippingfehler aufgefallen. Quantum Break läuft „nur“ in 720p mit 30fps dafür aber sehr flüssig ohne Ruckler oder Abstürze. Die störenden Ladezeiten und wenigen aber auffallenden Fruststellen hätten genauso wie der leicht uninspirierte Soundtrack nicht sein müssen. Die deutsche Lokalisierung macht einen sehr guten Job und wir hören keine signifikanten Unterschiede der Synchronsprecher zwischen Spiel und Serie. Trotz dieser Kritikpunkte ist Quantum Break, eines dieser besonderen Spiele, das jeder ernsthafte Gamer einmal erlebt haben sollte.

Entwickler: Remedy – Preis 44,99 Euro – Für Xbox One und PC. USK: ab 16