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Filmkritik zu ES: Kapitel 2 – Schauriges Finale

© Warner Bros.

Nach 27 Jahren kehrt Horrorclown Pennywise zurück – in der Fortsetzung zum erfolgreichen „ES“ inszeniert Regisseur Andrés Muschietti einen gnadenlosen Kampf, der die humorige 80er-Jahren-Perspektive hinter sich lässt und die Gegenwart zum Alptraum wandelt. Unsere Filmkritik.

ES ist zurück

ES war schon immer da. ES tyrannisiert das kleine Städtchen Derry, in der das höchste der Gefühle ein abendlicher Gang ins Kino ist. ES ist die Reinkarnation von Angst. ES ist wieder da. Verfilmungen von Stephen King erleben derzeit eine wahre Hochsaison. Bereits seit einiger Zeit arbeitet vorrangig Warner Bros. an Neuauflagen oder filmischen Neuerzählungen wie der im November startende „Shining“-Nachfolger „Doctor Sleep“. Weiterlesen…

A Toy Story, Hobbs & Shaw & Midsommar im Kino-Flash

Kino-Flash

Am Ende des Monats kommt der – Kino-Flash! Hier besprechen wir Filme, für die es keine große Kritik bei uns gab. Heute wild gemischt u.a. mit Hobbs & Shaw, Late Night, A Toy Story und Midsommar.

Fast & Furious: Hobbs & Shaw

Längst ist aus dem feuchten Traum aller Teenager bestehend aus Underground-Autorennen und leicht gekleideten Frauen ein geistiger Nachfolger der Marvel Verfilmungen geworden. Nur mit mehr Testosteron statt zusammenhängender Storyline. Mit schlimmsten Erwartungen bin ich „Hobbs & Shaw“ und kam bestens gelaunt wieder raus. Warum? Anders als die „Fast & Furious“-Hauptreihe ist das Werk von „Deadpool 2“-Regisseur David Leitch ein gekonnt humorvoller Film in Tradition der 80er Jahre Buddy-Cop-Ära. Diverse minutenlange Beleidigungen, die sich Hauptakteure The Rock und Statham an die Omme hauen, sind das Herzstück des Ganzen. Zumal hier in Sachen Action der Blick auf Qualität statt Quantität liegt. Zweifelsohne sagt man sich damit einerseits von den öffentlichen Streitereien zwischen Von Diesel und The Rock los und erzählt eine smarte Handlung ohne den teils nur noch peinlich anzusehenden „La Familia“-Pathos. Deadpool-Fans dürfen sich übrigens auf viele Gastauftritte freuen, die im Nachhinein „Hobbs und Shaw“ um ein ganzes Stück verbessert haben. Nur im letzten Viertel pfeift man dann vollends auf jegliche physikalische Gesetze, in dem man Hubschrauber mit Jeeps abheben lässt oder The Rock einen Kampfjet mit bloßer Hand am Boden hält. Bösewicht Idris Alba macht seinen Job gut, obwohl er eher wirkt, als hätte er bei den Dreharbeiten nicht gewusst, dass es hier um keinen Superheldenfilm handelt. Alles in allem perfektes Popcorn-Kino für Jung & Alt.

Release: 1. August. 2019 | FSK: ab 12 | 3D: Nein. | Post-Credit Scene: Ja.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Fast & Furious: Hobbs & Shaw” gibt es hier.

Hobbs & Shaw

© Universal

Late Night

Eine Late-Night Talkerin, deren Image wie auch die Quoten nach über 30 Jahren sinken, findet sich am Ende ihrer Karriere. Wäre da nicht eine gewitzte junge Frau mit Talent für politisch unkorrekte Gags. „Late Night“ ist kein Film für die Masse. Eher als bestätigende Antwort für alle Comedy-Autoren die sich in unglaublich vielen Situationen selbst wieder erkennen. Katherine Newbury gespielt von einer starken Emma Thompson ist der typische Host einer US-Late Night. Doch Fallon und Co. laufen ihr den Rang ab. Als erste Frau wird deshalb Molly Patel (Mindy Kaling) ins Autorenteam geholt, die mit Witz und frecher Neugier frischen Wind ins Format bringt. Beginnt äußerst stark und wird ohne Probleme viele weibliche Zuschauer ansprechen. Alleine die köstlich dargebotene Arroganz von Thompson, die irgendwo doch ihr Herz am rechten Fleck hat – ist einfach nur großartig. Natürlich verkommt gegen Ende „Late Night“ zum konventionellen US-Film inklusive Happy End. Aber die teils kritischen Untertöne gegen das Fernsehen sowie dem klassischen Humor-Verständnis hinsichtlich Political Correctness vermag das Drehbuch von Mindy Kaling – schöpft hier aus ihrer Zeit als Autorin bei verschiedenen Shows – nahezu sanft dem Publikum zu veranschaulichen. Nach Abspann ist „Late Night“ herrlich bissig mit einem wunderbar harmonierenden Cast, der hinter die Kulissen der ansonsten perfekten Late-Night-Maschinerie blickt.

PS: Als deutsches Remake gäbe es nur einen Mann für die Hauptrolle: Harald Schmidt.

Release: 29. August. 2019 | FSK: ab 0 | 3D: Nein. | Post-Credit Scene: Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Late Night” gibt es hier.

Late Night

© Fox

A Toy Story

Vierter Streich der Pixar-Schmiede erstmals ohne John Lasseter als Produzent oder Drehbuchautor. An seine Stelle traten nun Rashida Jones und Andrew Stanton. Leider merkt man diesen Wegfall als Zuschauer, denn es fehlt am wohligen Charme der Vorgänger. Quasi dem klassischen Pixar-Gefühl. Hier sind zwar alle bekannte Figuren am Start, wirken jedoch wie in einem anderen Film. Kurz zur Handlung: Andy’s Spielsachen sind nun beim Vorschulkind Bonnie, die bastelt aus Müll „Forky“. Durch ein Missgeschick ist Forky verschwunden und nun liegt es an Woody (als Sprecher Michael Bully Herbig) das Spielzeug wiederzufinden. Heraus kommt ein technisch beeindruckender Film, der es schafft solch ein hohes Niveau anzulegen, dem Dreamworks und Co. erstmal Herr werden müssen. Alleine der Fakt, dass anscheinend Photogrammetrie-Technik verwendet wurde, um Objekte bzw. Texturen realistisch darstellen zu können. Dennoch war Teil 3 der Reihe ein guter Schlusspunkt – deshalb wirkt dieser Film wie ein ungefragter Nachklapp. Witzig ist er allemal, natürlich auch unterhaltsam. Selbst Randy Newman ist einmal mehr der Komponist und darf seine jazzigen Melodien gekonnt einstreuen. Etwas enttäuscht lässt uns die Storyline zurück, hier hätte man mehr draus machen können. Beispielsweise sind ehemalige Hauptfiguren – hier Butz Lightyear – zur Randerscheinung degradiert worden. Was bei Sequenzen mit ihm tatsächlich schade ist. Wir hoffen, dass es nun der echte Abschluss war.

Release: 15. August. 2019 | FSK: ab 6 | 3D: Ja. | Post-Credit Scene: Ja.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „A Toy Story” gibt es hier.

Midsommar

Ari Aster ist der ungekrönte König des unangenehmen Kinos. Sein erster Spielfilm „Hereditary – Das Vermächtnis“ erzählte mit ruhiger Hand ein dämonisches Märchen rund um eine Familie, die langsam aber sicher dem Wahnsinn verfällt. „Midsommar“ ist ähnlich gelagert. Hier unternimmt Dani (Florence Pugh) trotz nicht überwundener Trauer mit Studienfreunden eine Reise nach Schweden zur Sommersonnenwende. Doch die abgeschiedene Sippe feiert auf brutale Art und Weise dieses Fest. Aster bleibt mit seiner Kamera lange an den Darstellern hängen. Fast schon dokumentarisch lässt er bestimmte Szenen minutenlang stehen, um so die Atmosphäre von vornherein klar zu machen. Da „Midsommar“ in vielen Aspekten Gewalt regelrecht auslebt sowie gnadenlos draufhält ist die mythische Note seines Vorgänger nur teilweise vorhanden. Man will eine Art geistigen Nachfolger zu „The Wicker Man“ etablieren, scheitert aber daran. Viel zu viel wird interpretativ stehen gelassen, um den Zuschauer auf eine Auflösung warten zu lassen, die jedoch niemals kommt. 140 Minuten sind dafür viel zu lange und wenn man bedenkt, dass noch eine 180 minütige Version folgen soll, sind wir da überaus skeptisch. Freunde des makaberen Horrors mit Tiefgang sind vielleicht hier bestens unterhalten.

Release: 26. September. 2019 | FSK: noch keine Freigabe | 3D: Nein. | Post-Credit Scene: Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Midsommar” gibt es hier.

Midsommar

© Weltkino

Filmkritik zu „Playmobil: Der Film“ und Interview mit Lino DiSalvo

Playmobil: Der Film

Nach Lego kommt nun ein weiteres Animationsabenteuer mit Spielzeugfiguren in die Kinos – Playmobil – Der Film ist hier aber deutlich kinngerechter gehalten. Wir sahen ihn schon und trafen den Regisseur Lino DiSalvo zum Gespräch.

Nach Lego kommt Playmobil

Es musste ja so kommen. Da die Lego-Kinofilme anhand ihres flotten Storytelling und recht origineller Figuren-Konstellation jüngere Zuschauer im Sturm erobern konnte, musste auch der deutsche Konkurrent Playmobil mal angreifen. Zusammen mit dem aus Brooklyn stammenden Animator und nun auch Filmregisseur Lino DiSalvo haben wir uns über seinen ersten Kinofilm unterhalten. Seit rund drei Jahren kümmert er sich nun um sein eigenes Projekt, das das französisch-kanadische Studios On Animation technisch verantwortet. Zudem ist dies der erste abendfüllende Animationsfilm mit Playmobil-Figuren. Unser Interview fand im Cinema in Stuttgart statt – ein freundlicher Mann mit Hornbrille und leicht grauem Bart erwarte uns bereits freudig im Saal.

Playmobil - Der Film

© StudioCanal

Benny Illgner: Wie lange dauerte es, den Film von der Idee bis zur Fertigstellung umzusetzen?

Lino DiSalvo: (überlegt kurz) Drei Jahre und vier Monate. Ich denke das Storyboard in Animationsfilmen ist die Seele des Films, anders als in Live-Action-Projekten. Walt Disney versuchte auch freier zu arbeiten als es das Drehbuch vorgab. Grundsätzlich wollte ich alles was ich bei Disney lernte, in diesen Film stecken. Mehr als 17 Jahre arbeitete ich bei Disney, im Alter von 22 Jahren wurde ich eingestellt, uns wurde da schon früh erklärt die Wahrheit hinter den Figuren zu erfragen.

„Playmobil – Der Film“ mischt Live-Action mit Animation. Im Kern handelt es sich um die Geschichte von Marla (Anya Taylor-Joy) und ihren jüngeren Bruder Charlie (Gabriel Bateman). Nach dem Verlust der Eltern – erhält sie das Sorgerecht. Nach einem Streit rennt ihr Bruder in eine Messehalle und wird ins Playmobil-Universum gezogen. Ein waghalsiges Abenteuer, in dem tanzende Einhörner völlig normal sind, rund um die Suche nach Charlie beginnt. Beginnend mit Realfilm-Sequenzen und Gesang wirkt der Film im Vergleich zu Lego deutlich ruhiger. Keine überhasteten Gags oder immer schneller werdenden Szenenabfolgen. Auch, wenn sich Marla in der Playmobil-Welt wieder findet verändert sich dies nur wenig. Zwar beginnt hier der typische Toon-Humor zu funktionieren, aber die Handlung kommt nicht so recht in Fahrt. Das liegt zum einen an fehlenden Plotpoints. Vieles wirkt relativ lapidar hingeworfen, sodass am Ende nur die Pointe stimmen muss. Beispielsweise als Charlie mit kindlicher Stimme aber als Wikinger-Figur auf andere Figuren trifft, ist oftmals nur Gag, dass die Stimme nicht zum Outfit passt. Ein bißchen mehr Anarchie á la „Shrek“ hätten wir uns da gewünscht.

Benny Illgner: Hat Ihre Zusammenarbeit als Animator bei Disney geholfen?

Lino DiSalvo: Sicherlich. Die erste Ansage, die ich an die Produzenten stellte war: „Ich muss unbedingt mit Playmobil-Fans sprechen.“ So reiste ich um die Welt und konnte mit 300 Fans sprechen. Es gab zwei Dinge, die jeder Fan daran liebte – zum einen Familie & Storytelling sowie Rollenspiel. Viele wurden emotional als sie mir erzählten, dass sie ihre ersten Geschichten mit Playmobil-Figuren nachspielten. Da wurde mir schnell klar – ich muss diese Wahrheit in solchen Figuren honorieren. Deswegen wollte ich auch keinen zynischen Film machen.

Weniger Tempo aber gute Effekte

Der Humor in „Playmobil – Der Film“ ist ehrlicher. Hier wird nicht hinter jeder ironischen Aussage eine Meta-Ebene verfolgt, die letztendlich einer großen popkulturellen Sachen hinterher läuft. Zumal die deutschen Sprecher wie Matthias Schweighöfer oder auch Christian Ulmen schon allein mit ihrer teils herrlich sarkastischen Art einige Schmunzler bei älteren Zuschauern erzeugen. Dennoch lässt der Film das Tempo aus Dreamworks oder eben Pixar-Werken vermissen. Das ist insofern schade, da es in vielen Momenten genügend Potenzial dafür gäbe. Technisch bewegen sich die Animationen knapp über dem Durchschnitt. Eine wahre Farbenpracht wie im parallel laufenden „A Toy Story“ darf man keineswegs erwarten, dennoch ploppen manchmal ganz nette Effekte auf. Interessant: Es ist ein reiner 2D-Film. Der Score von Heitor Pereira (u.a. Ich – Einfach unverbesserlich) erklingt in vielen Momenten schnell und untermalt die ab der Filmmitte einsetzende Verfolgungsjagd gewohnt gut. Gefühlvolle Sequenzen werden durch Klavierstücke wunderbar begleitet. Leider behält man im Nachgang nichts davon im Kopf.

Benny Illgner: Ohne Spoiler – Was ist deine Lieblingsszene im Film?

Lino DiSalvo: Oh, das ist hart. Als wir dem Film in Los Angeles und London dem Testpublikum zeigten, gab es zwei Figuren, die überaus positiv aufgenommen wurden. Der Foodtruck-Guy und der Spion Rex Dasher. Aber eine bestimmte Szene kann ich nicht direkt aussuchen.

Playmobil - Der Film

© StudioCanal

Unser Fazit zu „Playmobil – Der Film“

Man spürte schon an den Trailern, dass es ein europäischer Film wird. Das typisch amerikanische ist nur in Nuancen vorhanden und sonst geht es generell ruhiger zu. Ich betone das deshalb, weil wahrscheinlich viele Zuschauer mit der Intension eines „Lego“-Films reingehen und vielleicht enttäuscht werden. Der Film macht oftmals Spaß, lässt aber an Tempo und Potenzial vermissen. Animationsfans und auch Kinder werden sicher gut unterhalten – aber Erwachsene könnten auf den Kinogang verzichten.

Playmobil – Der Film. USA 2019. Regie: Lino DiSalvo. Mit Anya Taylor-Joy, Daniel Radcliffe, Meghan Trainor. 100 Minuten. Ab 0 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Ja.

Kinotickets für „Playmobil – Der Film“ gibt es hier.

Filmkritik zu „Der König der Löwen“

Koenig der Loewen 2019 Remake

Hakuna Matata! Der erfolgreichste Disney-Film erhält eine digitale Frischzellenkur – unverändert bleibt jedoch in „Der König der Löwen“ die zeitlose Storyline rund um Simba, der durch viele Wirrungen erst seinen Platz im Leben finden muss. Unsere Kritik zum Jon Favreau-Vehikel.

Disney meets National Geographic

Es ist ein gewaltiges Unterfangen einen der kommerziell erfolgreichsten Werke aus dem Hause Disney nochmals in zeitgemäßer CGI-Optik auf die Leinwand zu bringen. Nachdem Regisseur Jon Favreau seine Vision bereits im durchaus sehenswerten „The Jungle Book“ von 2015 gewinnträchtig an den Kinokassen verwirklichen konnte – war für den Micky Maus-Konzern der Fall klar: Nach dem Musical kommt die Neufassung. Trotz einiger kritischer Stimmen im Netz nun statt knuffigem Zeichentrick auf real wirkende Tiere zu setzen muss man zweifellos sagen, der letztendliche Film ist unterhaltsam und greift so manche Nostalgie-Momente auf. Favreau spielte quasi nebenher noch eine nicht unwichtige Rolle im fast parallel startenden „Spider-Man: Far From Home“. Im Vorfeld galt die Befürchtung, dass „Der König der Löwen“ vielleicht darunter gelitten hätte. Nach dem Kinogang ist diese Sorge unbegründet. Verändert wurde an der altbekannten Storyline zwischen Zusammenhalt und Verrat nur partiell.

Ein vorbestimmtes Schicksal

Der kleine Löwe Simba (Donald Glover) lebt in der grünen Savanne Afrikas. Dank seiner Familie ist sein Schicksal vorbestimmt – er soll der nächste König nach seinem Vater Mufasa (James Earl Jones) werden. Hintergangen fühlt sich nur sein Onkel Scar (Chiwetel Ejiofor), der sich kurzerhand mit den gefrässigen Hyänen verbündet um Mufasa zu töten und Simba zu verscheuchen. Dies gelingt. Doch Simba trifft außerhalb der bekannten Landschaft auf neue Freunde. Kann er sein Königreich zurückfordern? Das Original erschien 1994 und konnte nicht zuletzt durch seinen herausragenden Soundtrack aus der Feder von Elton John nicht nur die Jüngsten begeistern. Interessant: Obwohl eine sehr menschliche Geschichte erzählt wird, ist er neben „Disney’s Dinosaurier“ das einzige Werk, in dem keine Spuren menschlicher Existenz vorkommen. Bereits die legendäre Anfangssequenz in der keine Silbe zur Sprache kommt – ist hochemotional. Leider lässt dies im Verlauf der Geschichte nach. Zweifellos ist die angewandte Animationstechnik mit photorealistischen Elementen atemberaubend anzusehen, lassen jedoch eindeutige Emotionen wie Trauer, Freude oder Wut vollständig vermissen. Die, auch im Deutschen, wirklich saubere Synchro muss hier den….Löwenanteil übernehmen. Favreau baut nach fordernden Sequenzen ruhige gar dokumentarische Bilder ein, so dass man meinen könnte wir sehen hier eine National Geographic-Doku mit sprechenden Tieren.

Der König der Löwen mit Timon & Pumbaa

Obwohl der Film für FSK 6-Verhältnisse auch düstere Sequenzen beinhaltet, wie das recht deftige Finale, überwiegt jedoch die Gute Laune-Atmosphäre innerhalb der Dialoge. Zum Beispiel werden die Jüngsten nach dem harten Ende des 1. Akts mit Timon & Pumbaa positiv abgeholt. Zudem alle Songs in deutscher Sprache zu hören sind. Den Score durfte, wie im Original, Hans Zimmer übernehmen. Positiv zu sehen, dass er hier auf seinen typischen „VROOOM“-Sound verzichtet und auf klassische afrikanische Trommeln und andere Blas-Instrumente setzt.

Unser Fazit zu „Der König der Löwen“

Disney ging nicht ohne Risiko an dieses Unterfangen. Als Zeichentrickfilm längst ein erfolgreich und vielen Kindheiten nicht mehr wegzudenken. Doch die Neuverfilmung des Stoffes ist unterhaltsam geworden, längst nicht perfekt da dem Drehbuch an gewissen Stellen die Puste ausgeht und dem technisch beeindruckenden Look der Tiere es sichtbaren Gefühlen fehlt. Doch für Familien sowie Nostalgiker könnte sich der Kinobesuch lohnen.

Der König der Löwen. USA 2019. Regie: Jon Favreau. Mit Donald Glover, Beyoncé, James Earl Jones. 119 Minuten. Ab 6 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Der König der Löwen“ gibt es hier.

Jazzopen Stuttgart 2019: Bob Dylan in Concert

Bob Dylan
JazzOpen Bob Dylan

Seit über zwei Jahrzehnten zählen die „Jazzopen“ in Stuttgart zu den attraktivsten Festivals weltweit. Für ganze 10 Tage verwandelt sich die Stadt in einen pulsierenden Kessel voller Musik. Gestern verzauberte Bob Dylan das Publikum mit zeitlosen Songs.

Gefühlvolle Poesie

Ich bin schon seit den 70er Fan von ihm. Bei „Blood on the Tracks“ bin ich ihm verfallen.“ erzählt mir Petra freudestrahlend am Schloßplatzspringbrunnen an gestrigen späten Nachmittag. „Hatte die Karte geschenkt bekommen – durfte ihn schon dreimal sehen.“ jeweils in drei verschiedenen Dekaden, fügte die ältere Dame hinzu. Das weltweit bekannte „Jazzopen“-Festival dauert bereits sechs Tage an und verwandelt das sonnendurchflutete Stuttgart in einen Schmelztiegel aus Jazz, Pop und Rock. Gestern erreichte das Musikfest einen der vielen Höhepunkte. Der ewige musikalische Poet Bob Dylan fand sein großes Publikum im Vordergrund des neuen Schlosses. Bereits die vom Großmeister selbst ausgewählte Support-Musikerin Julia Biel spielte melancholisch-einfühlbaren Soul um jeden Zuschauer mit sanften Tönen willkommen zu heißen. Langsam füllt sich das ausverkaufte Konzert, die letzten Besucher flitzen noch schnell zum begehrten Getränkeausschank um ausreichend kühles Nass für kommende 100 Minuten zu haben. Dass dieses Konzert anders als die übrigen im Rahmen des Festivals und wahrscheinlich in ganz Deutschland ist – veranschaulicht eines – Fotos oder gar Videos sind nicht erlaubt. Dylan gilt als rigoros in diesem Punkt, zumal er deshalb schon Zuschauer wütend ermahnte. Zur Sicherheit wurden die Hinweise alle 2 Minuten nochmal groß auf der LED-Wand gezeigt.

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Pünktlich wie man ihn kennt betritt Bob Dylan um 20:15 Uhr nach seinen Musikern die Bühne. Kein Intro. Keine spezielle Bühnenshow. Nur das Klavier an dem er sitzen und die meisten seiner Stücke präsentieren wird. Kommentarlos beginnt der Friedensnobelpreisträger im Bereich Literatur mit „Things Have Changed“. Statt dem lakonischen „Ghhhhh“-Ton stimmt er pulsierenden Blues-Rock an. Mitwippen war hier eindeutig erwünscht. Man merkt bereits nach wenigen Minuten, der Künstler des Abends ist gut aufgelegt. Ob es an der Stadt liegt? Gefällt ihm der güldene Schein der untergehenden Sonne vielleicht? Auf all jene Fragen erhält das Publikum auch heute Abend keine Antwort. Dylan schweigt. Lächelt aber mehrmals milde, tauscht schelmische Blicke mit dem Innenraum aus. An das erwähnte Mitfilm-Verbot hält sich der Großteil aus Respekt. Vereinzelt erkennt man ab und zu erleuchtete Bildschirme. Währenddessen übergibt Dylan mehrmals seinem herausragenden Gitarristen das Scheinwerferlicht. Seit 1988 läuft seine beispiellose „Never Ending“-Tour mit knapp 100 Shows und begeistert von Honolulu bis Kilkenny die Zuhörer.

Ende ohne Hut

Obwohl die Musik für Bob Dylan Fans immer an erster Stelle stand, wurde seine Kleidungswahl fast so oft zitiert wie seine Texte. Hier geht er keine Risiken ein – Cowboy-Hut, geschmackvolles Jackett mit pechschwarzer Hose. Konzentriert bespielt er den Flügel für „Scarlet Town“ oder zieht die Kopfbedeckung im letzten Drittel des Gastspiels aus. Die lockige Frisur lässt ihn im Licht gar mystisch erscheinen. Es frischt ohne die wärmende Sonne merklich auf – umso besser ist nun die Bühne auszumachen. Mit dem rockigen-Gospel Song „Gotta Serve Somebody“ beendet er die eigentliche Show nur um kurz darauf samt Geigen-Begleitung eine abgewandelte Version des Welthits „Blowin‘ in the Wind“ den Abend zu beenden. Um 21:51 Uhr – ganze 9 Minuten vor dem eigentlichen Schluss.

Wie sagte schon Jazztrompeter Quincy Jones: „Shut up & listen“.

Mehr Informationen zu den Jazzopen in Stuttgart findet ihr hier.