Videos

Tagged: comic

Gamescom 2019: Marvel’s The Avengers

Marvel’s Avengers

Marvel’s Avengers: Square Enix lud uns zur exklusiven Gamescom-Demo ein – hier erwartete uns brachiale Blockbuster-Action mit den bekannten Marvel-Superhelden. Wie spielt sich das Action-Adventure oder verkommt es zum seelenlosen Lizenzbrei? Unsere Einschätzung.

Marvel greift wieder an

Es musste ja so kommen. Nach dem wirklich hervorragenden „Marvel’s Spider-Man“ von Insomniac Games möchte man umso gerne mit der geballten Power der Avengers daran anknüpfen. Statt PlayStation-exklusiv wird „Marvel’s Avengers“ ein Multiplattform-Titel. Das Studio hinter dem „Tomb Raider“-Reboot von 2013 entwickeln schon einige Jahre am Spiel und werden nicht müde zu betonen, dass es ein eigenes Avengers-Spiel ohne direkte Vorlage zum MCU (Marvel Cinematic Universe) oder bestehenden Comics gibt. Zumal die Storyline eng mit dem Lizenzgeber erarbeitet wurde – beginnt zumindest die spielbare Demo erfreulich krachend. Am A-Day, der Tag als die neue Helden-Basis in San Francisco eröffnet wird, kommt es zum Angriff von Bösewicht Taskmaster. Zusammen mit unzähligen Soldaten greifen sie Menschen an. Die Retter eilen zu Hilfe und wir übernehmen anfangs die Rolle von Thor. Dieser steuert sich problemlos direkt, unser Donnerhammer kann geworfen und im Flug wieder aufgefangen werden. Erinnert an die Axt von Kratos im „God of War“-Reboot. Mehrere Minuten lang werfen wir Blitze auf herzueilende Gegner. Danach darf Iron Man übernehmen – im Original spricht ihn mehr als gewitzt Nolan North – mit ihm fliegen wir haarscharf an Autowracks vorbei oder starten einen Angriff aus 100 Meter Höhe. Dabei macht das Spiel trotz weniger Gameplay-Mechaniken großen Spaß.

Marvel's Avengers

Marvel’s Avengers

Mit Hulk ins Getümmel

Schließlich schlüpfen wir rund 3 Minuten später in den grünen Koloss Hulk. Grandios: Jede Held wird in kurzen Zwischensequenzen näher vorgestellt, um neue Spieler nicht zu überfordern. Das Gameplay von Hulk ist deutlich schwergängiger. Zwar schlagen wir gekonnt zu, aber hier ist das Movement noch zu stark limitiert, da sich Angriffe spürbar wiederholen. Als Auflockerung werden hier und da kleine Jump’n’Run-Sequenzen eingestreut, die nicht fordernd sind aber verdammt gut aussehen. Insgesamt lebt die Demo eher von groß zelebrierter Action als den leisen Momenten, die es laut Studio Crystal Dynamics definitiv geben wird. Grafisch bewegt sich „Marvel’s Avengers“ auf gutem – wenn auch nicht beeindruckendem Niveau. Die Gesichter sehen wunderbar aus, während manche Effekte leider undetailliert über den Bildschirm flimmern.

Marvel's Avengers

Marvel’s Avengers

Upgrades und Koop

Im weiteren Spielverlauf wird es zudem möglich sein, seine Helden mit Upgrades auszubauen. Je nach gewonnenen XP. Verdient werden sie in zwei Arten von Missionen: „Warzen“ und „Hero“-Aufträge. Letzte sorgen für die Komplettierung der Handlung während die weltweit verorteten „Battle“-Missionen kleine Ausreißer für einzelne Helden darstellen. Diese sollen auch im Koop spielbar sein. Im letzten Drittel der Demo konnten wir zudem Captain America steuern. Bewaffnet mit Schild und Faust steht hier der Nahkampf im Vordergrund. Das Trefferfeedback ist ordentlich somit kommt unweigerlich das Gefühl selbst ein Superheld zu sein. Intuitiv ist die Steuerung. Niemals hatten wir Probleme nicht zu wissen, wo sich welcher Knopf für welchen Move befindet. Zu guter Letzt erschien noch Agentin Romanoff alias „Black Widow“, die sich auffallend wie Lara Croft spielte. Schmunzeln mussten wir als sie zwei Waffen zückte und im Bosskampf mit Taskmaster mal eben zwei Magazine wegschoss. Was alle Helden verbindet ist der Mix aus Nah- und Fernkämpfen. Hier haben sich die Entwickler spürbar Mühe gegeben, sie zwar ähnlich aber unterschiedlich zu designen. Die Demo machte jedenfalls große Lust auf mehr.

Marvel’s Avengers ist ab 15. Mai 2020 für PlayStation 4, Xbox One, Stadia und PC erhältlich.

Zu unserem Gamescom-Special 2019

Filmkritik zu „X-Men: Dark Phoenix“

© Fox

Das neueste Abenteuer der X-Men offenbart die größte Gefahr für das Kino. Uninspirierte Langeweile. Trotz starkem Cast bleibt der Film belanglos und missversteht gar seine Rolle als Superhelden-Film. Unsere Filmkritik.

Zwischenfall mit Folgen

Es ist wirklich ein Jammer. In den Vereinigten Staaten erfreuen sich die X-Men ungeheurer Beliebtheit. Hier in Europa waren sie stets das Schlusslicht der großangelegten Marvel-Verfilmungen – kein immenser Box-Office á la „Captain Marvel“ oder gar „Venom“ von Sony. Nein, die Mutanten der Hauptreihe sind straight auf ihrer eigenen Seite geblieben. Nur „Deadpool“ erreichte durch irren Humor sowie abgedrehte Action mehr Kinogänger. Nach dem eher enttäuschenden Vorgänger „Apocalypse“ ist Ruhe in den Alltag von Mystique, Jean Grey und allen anderen Mutanten eingekehrt. Nur Professor X (James McAvoy) wird nicht müde seine Gruppierung auf immer gefährliche Missionen zu schicken. Nach einem Zwischenfall im Weltall, in der Jean Grey (Sophie Turner) von einer Sonneneruption erfasst wurde, ist sie stark verändert. Ihre Kraft steigt kontinuierlich und verursacht eine massive Wesensveränderung. Währenddessen sucht die undurchsichtige Vuk (Jessica Chastain) nach ihr. Der Plot ist nicht der Rede wert. Immerhin versucht Drehbuchautor und Regisseur Simon Kinberg mit fragwürdigen Kniffen vollends jeden zu verwirren, der die X-Men-Filmreihe seit Anbeginn kennt. Okay, zwar wurde die Staffelübergabe von Stewart/McKellen durch McAvoy/Fassbender nun durchgezogen – dennoch bleibt man oftmals fragend zurück.

Neben die reichlich dünne Story sowie die gelangweilte Art und Weise des ansich starken Casts ist fast schon traurig. Während McAvoy, Fassbender und Hoult gewohnt glaubwürdig agieren scheinen Lawrence sowie Turner nur zufällig am Set zu stehen. Die Action wirkt im Vergleich zum Vorgänger deutlich reduzierter. Logiklöcher werden billigend in Kauf genommen. Der mittlerweile elementare Sarkasmus der vollwertigen Marvel-Streifen ist gar nicht vorhanden und der gesamte Film ist viel zu nüchtern inszeniert. Da bringt es auch nur reichlich wenig, dass Effekte zwar ansehnlich sind aber der 3D-Touch hier kaum zum Tragen kommt. Für einen Superhelden-Film, der X-Men trotz hohem Anspruch auch sein will, ist erschreckend wenig Schauwert vorhanden. Zu allem Überfluss verheizt man eine hervorragende Schauspielerin wie Jessica Chastain für rund 15 Minuten Screentime. Der Score von Hans Zimmer ist gewohnt mächtig orchestral bleibt aber keineswegs nach Ende des Abspanns im Kopf hängen. Zumal das Abenteuer im Jahr 1995 spielt also kurz vor den Ereignissen des ersten X-Men im Jahr 2000 – ergibt die Handlung keinen Sinn. Es bleibt spannend wie Disney bzw. Marvel diese Figuren in ihr Universum einführt. Leicht wird es nicht.

Unser Fazit zu „X-Men: Dark Phoenix“

Lustlos wir der nächste X-Men-Film auf die Leinwand gebracht. Logiklöcher – geschenkt. Halbgare Story – geschenkt. Aber, wenn selbst den Darstellern dieser Film nur das Mindestmaß an Leistung abverlangt ist man als Zuschauer tatsächlich etwas genervt. Am Schluss bleibt der letzte richtige Fox-Film kein guter (vorzeitiger) Abschluss der X-Men-Reihe.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „X-Men: Dark Phoenix“ gibt es hier.

Spoilerfreie Filmkritik zu „Avengers: Endgame“

Avengers Endgame
Avengers Endgame

Der Anfang vom Ende? Nach über 10 Jahren und 22 Filmen steuert Marvel mit „Avengers: Endgame“ unweigerlich auf sein großes Finale zu – zwischen Witz und Action dominiert ganz viel Dramatik. Ein würdiges Ende ohne Kitsch. Unsere Filmkritik zum Comic-Spektakel.

Thanos Werk ist vollendet

Thanos hat gewütet. Sehr sogar. Er hat dem gesamten Universum und den eigentlich beschützenden Superhelden eine gehörige Niederlage verpasst. Die Hälfte aller Bewohner auf jedem Planeten wurden per Fingerschnips ausgelöscht. Zu Staub zerfallen. Als bloßer Kinogänger ist es wahrlich beeindruckend, wie Marvel unter der Leitung von Produzent Kevin Feige vor 11 Jahren mit „Iron Man“ den Grundstein legte, Robert Downey Jr. zu einem noch größeren Star machte und bis heute insgeheim diesen Abschluss plante. Als Cineast sind reine CGI-Schlachten nicht gerade als oscarwürdiges Autorenkino zu bezeichnen, dennoch unterschieden sich frühere Marvel-Filme zu neueren in erheblichen Punkten. Die „Guardians of the Galaxy“ brachten gute Songs und den Humor ins Franchise, während die Abenteuer von „Captain America“ eigentlich gut versteckte Politthriller mit nebensächlichen Superhelden waren. Hauptkonkurrent DC scheint mittlerweile erfolgreich zu agieren, wenngleich sie mit ihren Comic-Interpretationen den schwerwiegenden Fehler machten – sich keine Zeit für die Hauptfiguren zu lassen. Vor dem ersten „Avengers“-Zusammentreffen erhielt jede nennenswerte Figur ein Solo-Abenteuer um sich quasi dem Publikum erst einmal vorzustellen. Von sehr gut (Iron Man, Thor, Captain America – The First Avenger) bis akzeptabel (Der unglaubliche Hulk) waren die Auftakte für den Haupthandlungsfaden gesetzt.

Bisher saß ich selten im Kino und erlebte einen Film mit 181 Minuten Laufzeit in solch kurzweiliger Form. „Avengers: Endgame“ setzt bewusst dramatische Töne an, ohne aber unerträglichen Kitsch beizufügen. Einmal überraschen die Brüder Russo als Regisseure mit entschleunigtem aber unterhaltsam erzähltem Storytelling. Die Figuren von Iron Man, Captain America & Black Widow wirken hier mehr denn je menschlich. Mit Ängsten und Sorgen. Brie Larson als Fels in der Brandung ist nicht so oft wie gedacht zu sehen. Also kommt die Rückkehr von Scott Lang alias Ant-Man gerade recht. Denn mit seiner Theorie könnten die verbleibenden Helden gewisse Fehler rückgängig machen. Trotzdem kommt der Humor nicht zu kurz. In gewisser Hinsicht spielt man ihn auch zu grob bzw. Zielgruppen-gerecht aus. So ist es nur schwer vorstellbar, dass der Battle Royale-Hit „Fortnite“ erwähnt wird. Witzig ja, aber im ernsten Kontext schwierig zu erachten. Die Handlung ist temporeich gestaltet, bleibt nicht zu oft an einer Location und leidet dennoch unter ihrer enormen Größe. Deshalb empfehlen wir allen Marvel-Neulingen wenigstens den direkten Vorgänger „Infinity War“ anzusehen, da euch sonst viele Figuren sowie Plotpoints fragend zurücklassen.

Technisch ist das Grande Finale überaus hübsch anzusehen. Gewohnt hochwertige CGI-Effekte runden die Konfrontationen ab der Hälfte des Films ab. Zumal der 3D-Zuschlag für Filme aus dem Hause Walt Disney niemals enttäuscht. Bereits in „Infinity War“ waren die Animationen von rein digitalen Charakteren wie Thanos wirklich beeindruckend. Der restliche Cast ist bis auf die letzten Nebenrollen prominent besetzt, so darf man sich auf längst vergessene Figuren freuen. Der Score von Alan Silvestri bedient sich aus bekannten Stücken des Vorgängers und untermalt einige Sequenzen sogar recht verspielt. Insgesamt nah an der Perfektion.

Unser Fazit zu „Avengers: Endgame“

Ein letztes Abenteuer, ein letzter Kampf. Thanos zu besiegen erstreckte sich weit über zwei Filme. Bereits in „Marvel’s The Avengers“ gab es leichte Hinweise auf das furiose Finale. Der Cast war mit Leidenschaft dabei und so muss das Publikum, egal wie die Sache nun ausgehen mag, keine Träne vergießen. Denn die Gewissheit, dass jedes einzelne Mitglied unter Nick Fury seinen Frieden hat ist mehr als beruhigend. Ein würdiges Ende.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein. (Richtig gelesen.)

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Avengers: Endgame“ gibt es hier.

“Aquaman” & “Mortal Engines” im Kino-Flash – Dezember 18

Kino-Flash

Am Ende des Monats kommt der – Kino-Flash! Hier besprechen wir Filme, für die es keine große Kritik bei uns gab. Zum Jahresende geht es nochmal richtig rund mit u.a. mit “Aquaman”, “Mortal Engines” und “Der Junge muss an die frische Luft”.

Aquaman

Kurz vor Weihnachten setzte DC nochmal zum Konter gegen Konkurrent Marvel an – aus sicherer zeitlicher Entfernung zum „Avengers“-Finale natürlich. „Aquaman“ will als Origin sowie eigener Geschichte verstanden werden, den Hauptdarsteller Jason Momoa mit viel Witz und ordentlich Wumms verkörpert. Bereits im eher mäßigen „Justice League“ konnte er überzeugen – im Kern geht es darum Aquaman´s Heimat Atlantis vor seinem machthungrigen Bruder Orm zu schützen. Als Halbblut-Sohn von Königin Atlanta (Nicole Kidman) pfeift er auf Verantwortung muss sich jedoch wegen überzeugender Argumente von Mera (Amber Heard) auf eine Schnitzeljagd nach dem Dreizack von Neptun einlassen. Deutlich mehr Humor, passable Schauwerte und ein gut aufgelegter Cast. Trotz mancher Logiklücken, die noch wirrer erscheinen als die beherrschende Unter-Wasser-Optik ist das Endergebnis eine sehenswerte Comicverfilmung, die gerade wegen Momoa nicht zu kippen droht. Regisseur James Wan mixt Comic-Action mit abenteuerlicher Schatzsuche, die sogar an die Videospiel-Reihe „Uncharted“ erinnert. Der Score von Rupert Gregson-Williams ist gewohnt orchestral, überrascht aber auch mit technisch klingendem Sound á la „Blade Runner“.

Release: 21. Dezember. 2018 | FSK: ab 12 | 3D: Ja. | Post-Credit Scene: Ja.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Aquaman” gibt es hier.

Kino-Flash

© Warner Bros.

Mortal Engines – Krieg der Städte

Was kommt dabei heraus, wenn Kino-Visionär Peter Jackson sich als Produzent an einer Jugendbuch-Verfilmung versucht? Ein bombastisch angelegtes Abenteuer, dass trotz Mega-Budget von geschätzt 150 Millionen Dollar bisher nur knapp 63 Millionen Dollar eingespielt hat. Warum ist das so? Die amerikanische Buchreihe war zwar ein großer Welterfolg jedoch nicht so weltbekannt wie „Twilight“ oder gar „Harry Potter“. Die Prämisse, und das wird gegen Ende ziemlich deutlich, ist stark an „Star Wars“ angelegt. Dazu noch ein Fünkchen Matrix und fertig ist Story rund um eine ressourcenarme Erde, auf der überdimensional motorisierte Städte sich gegenseitig bekriegen. London quasi als Platzhirsch kommt in den Besitz einer gigantischen Waffe, die andere Städte mühelos zerstören kann. (Todesstern, right?) Mischt man die oft gesehene Fish-out-of-Water-Prämisse plus einer Liebesgeschichte hinzu hat man sozusagen „Mortal Engines“ als Film. Optisch wirklich beeindruckend will die Storyline nicht recht zünden und hätte insgesamt gerne 20 Minuten kürzer gedauert. Schade. Denn der Cast bestehend aus Hugo Weaving und Robert Sheehan bot Potenzial.

Release: 13. Dezember. 2018 | FSK: ab 12 | 3D: Ja. | Post-Credit Scene: Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Mortal Engines” gibt es hier.

Kino-Flash

© Universal

Der Junge muss an die frische Luft

Hape Kerkeling ist ein großer Komiker. Mit seinem zeitlosen Humor bin ich aufgewachsen und werde auch noch in 50 Jahren über seine gelungene Beatrix-Parodie lachen können. Doch wie war seine Kindheit im Ruhrpott mit Eltern, unzähligen Tanten und Onkeln? Die deutsche Oscar-Preisträgerin Charlotte Link (Nirgendwo in Afrika) veranschaulicht uns das im Rahmen von Kerkelings selbst verfasster Biografie „Der Junge muss an die frische Luft“. Im Film gespielt vom großartigen Julius Weckauf, der Timing und die Spitzbübischkeit von Hape mühelos spielen kann. Mit Joachim Król, Sönke Möhring und vielen weiteren Schauspielern werden drei Jahre aus Kerkelings Leben gezeigt. Zwischen Kriegstraumata, feierwütigen Ereignissen wie zu Karneval und dem Tante Emma-Laden gegenüber wird ein authentisches Bild der 70er im Pott gezeigt. Harte Schicksalsschläge wie den Suizid seiner Mutter und der generell schwierigen Kindheit als dicklicher Wonneproppen entgegnet er mit Humor bestehend aus kernigen Parodien. Für mich der erste deutsche Film, der mich Tränen vergießen ließ um mich sofort wieder zum Lachen zu bringen. Auch zeigt er, dass Humor in den düstersten Phasen des Lebens goldwert ist. Lobend zu erwähnen ist die verspielt verträumte Musik von Niki Reiser – immer auf den Punkt komponiert ohne kitschig zu werden oder gar unter zu gehen. Mit „Der Junge muss an die frische Luft“ wird ein hervorragender Schlusspunkt im per se tollen deutschen Kinojahr gesetzt. Warmherzig, humorvoll und mit Kanten – Fabelhaft!

Release: 25. Dezember. 2018 | FSK: ab 6 | 3D: Nein. | Post-Credit Scene: Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Der Junge muss an die frische Luft” gibt es hier.

Der Junge muss an die frische Luft

© Warner Bros.

Das gesamte Team von RobVegas.de wünscht euch einen Rutsch ins Jahr 2019.

Marvel’s Spider-Man im großen Test

Marvel's Spider-Man
© PlayStation

Das PlayStation-exklusive Action-Adventure „Marvel’s Spider-Man“ überzeugt in nahezu allen Belangen. Wir schwangen uns durch ein beeindruckendes New York und verraten euch, warum sich der Trip lohnt.

Lizenzspiele – immer schlecht?

Jeder Gamer weiß: Lizenzspiele haben es niemals leicht. Der Start des gleichnamigen Kinofilm oder gar der Hype um eine Figur muss natürlich ausgenutzt werden, um per Versoftung noch zusätzlich Geld in die Kasse zu spülen. Wohltuend zu sehen, dass sich die Jungs und Mädels von Insomniac Games davon entziehen und mit „Marvel’s Spider-Man“ einen komplett eigenen Weg gegangen sind. Ähnlich der „Batman Arkham“-Reihe von Rocksteady überrrascht der Titel nicht nur mit seiner ausgereiften Spielwelt sondern auch mit einer gar meisterhaft inszenierten Storyline. Man denke nur an die vorherigen Lizenzinhaber Activision, die zwar über Jahrzehnte Spiele zur freundlichen Spinne herausbrachten aber niemals den Kern der Comic-Vorlage von Stan Lee verinnerlicht haben. Laues Spielprinzip trafen auf misslungenes Gameplay mit einem großen Schuss Repetition. Diese Punkte treffen allesamt nicht auf das neueste Abenteuer zu – zum Glück!

Auch fällt es positiv auf, dass sich Insomniac nicht zum 100. Mal mit der Origins-Story von Spider-Man aufhält. Peter Parker ist mit 23 Jahren gereift und bringt sein Leben als Superheld und Wissenschaft unter einen Hut. Irgendwie. Ein regelmäßiges Zuspätkommen im Labor von Otto Oktavius ist normal, das Aushelfen bei Tante May im „F.E.A.S.T.“-Zentrum für Obdachlose ebenso. Nachdem Spider-Man den Schurken Kingpin hinter Gittern brachte, bricht eine Bande namens „Dämonen“ in New York ein. Ihr Ziel: Chaos und Zerstörung. Doch hinter all dem steckt noch eine größere Sache. Die knapp 20-25 stündige Kampagne, unterteilt in drei Akten, ist großartig inszeniert. Humorvolle Sequenzen wechseln sich mit Blockbuster-haften und emotionalen Szenen ab. Die Entwickler haben es verstanden die Essenz eines Marvel-Comics und des filmischen Reboot ins Spiel zu binden. Es machte sich also bezahlt, hier eng mit Marvel zusammen gearbeitet zu haben. Zumal neben den schön anzusehenden Zwischensequenzen auch innerhalb des Gameplay mit Gesprächen die Handlung zusätzliche Facetten verleihen.

Unglaubliche Vorzeichen

Bereits auf der kurzen Gamescom-Demo war eines glasklar – das Schwingen durch Manhattan macht verdammt nochmal großen Spaß! Getreu dem Motto: „Easy to learn – Hard to master“ ist es zwar ein leichtes stur die R2-Taste gedrückt zu halten und quasi vollautomatisiert zu sprinten und Netz zu verschießen. Wahre Könner kombinieren jedoch gezielte Sprünge mit Wandläufen, Parkourelementen und Geschwindigkeit. Es fühlt sich einfach richtig an. Damit lassen sich zudem auch kraftvolle Attacken auslösen – in Zufallskämpfen wie Drogenhandel gilt es gegen eine Überzahl von Feinden die Fäuste sprechen zu lassen. Mit nur wenigen Knöpfen ist das geistige Vorbild á la „Batman Arkham“ nicht von der Hand zu weisen. Doch statt eines ewig haltenden Blockangriffs beim dunklen Ritter gilt bei der Spinne Schnelligkeit sowie hohen Verbrauch von Gadgets. Zu Anfang noch recht simpel nur mit wenigen Netzfähigkeiten ausgestattet, wächst unser Inventar zum Ende hin mit bis zu 10 Waffen an. Von Spider-Dronen, die unentwegt Laserstrahlen verschießen oder das hilfreiche Elektronetz. Clever in jeder Hinsicht. Der Titel besitzt ein Levelsystem – höchste endet bei 50. Mit gesammelten XP nach Storyaufträgen, Nebenmissionen oder Kämpfen schalten wir nach und nach mehrere Anzüge samt neuer Anzugkraft frei. Ob als „Punk-Spidey“ mit Gitarre oder im Avengers-Dress – so muss Fan-Service sein.

Nebulös wirkt nur der Blick auf Fußgänger, wenn Spider-Man den Times Square am Boden besichtigt. Passanten größtenteils aus der Klonfabrik, aber mit verschieden farbigen Klamotten an, damit es nicht zu groß auffällt. Negativ fällt auch, dass die sonst excellente deutsche Lokalisierung nicht bis zum letzten Ruf übersetzt wurde, was unweigerlich zu einem miesen Deutsch-Englisch-Mix kommt. Leider ist die Schwarmintelligenz auch nicht gerade clever – vermöbelt die Spinne wieder ein paar Feinde rennen Passanten als Gruppe offensiv gegen Wände und bleiben hängen. Im Kampf wird dies fast nie bemerkt, aber solche Momente holen einen öfters aus der sonst tollen Immersion raus. Sonst wirkt die Spielwelt äußerst lebendig und verändert sich im weiteren Verlauf. Zwischendurch ist Zeit für allerlei Sammelaufgaben und Nebenmissionen. Insomniac hat sich wohl Open-World Spezialist Ubisoft zum Vorbild genommen. Anders ist es nicht zu erklären, dass wir erst Türme freischalten müssen um gewisse Teile der Karte aufzudecken. Klingt nervig, ist es zum Glück nicht. Der schwingende Weg zum Ziel macht in „Marvel’s Spider-Man“ einfach zu viel Spaß. Genauso verhält es sich mit 55 Rucksäcken, die jeweils ein Stück aus Peter´s Vergangenheit in sich tragen. Schade ist es, dass sich nahezu alle Zufalls-Verbrechen gleich spielen. Gegner verprügeln – fertig. Verfolgungsjagden sind ebenso wiederholend geraten. Hier patzt das Studio. Sonst gibt es Herausforderungen jeglicher Art von Tauben einfangen bis hin zu Arena-Kämpfen ist einiges vertreten. Negativ: Ein echtes Schleichsystem gibt es nicht, Spidey bewegt sich nur „leiser“ an Gegner ran. Für die Abwechslung innerhalb der Storyline spricht auch, dass wir mehrere Charaktere außer Peter Parker/Spider-Man steuern dürfen. Um nicht zu spoilern erwähnen wir nur Mary Jane Watson. Sie ist als Reporterin beim Daily Bugle unterwegs und mit ihr müssen weitesgehend Stealth-Aufträge absolviert werden. Recht unspektakulär – hier hätte man mehr rausholen können.

Abzüge in der B-Note

Technisch ist „Marvel’s Spider-Man“ relativ sauber geraten. Und doch gibt es einige unschöne Phänomene. Im Test war die Lippensynchronität in Zwischensequenzen wiederholt fehlerhaft, zwei Abstürze jeweils beim Start des Spiels und Kameraprobleme innerhalb von Kämpfen, die wir selbst nachjustieren mussten. Trotzdem ist das alles Meckern auf hohem Niveau, denn die Präsentation per se ist meisterhaft. Wir Spieler bekommen endlich, nach Jahrzehnten, ein Superhelden-Spiel, was den Namen Marvel wirklich verdient. Alleine der cineastische Score ist gekonnt auf den Punkt. Orchestrale Klänge mit Anleihen des „Avengers“-Theme unterstreichen unsere Abenteuer durch die Großstadt perfekt. Grafisch könnte man glatt meinen, dass die Entwickler alles aus der Konsole rausholen wollten. Im Test blies die PS4 Pro zwar wie verrückt – aber die tolle Weitsicht und schöne Lichteffekte machten dies wieder wett. Absolut jede Textur ist scharf und im richtigen Winkel fast schon fotorealistisch. Fast vergessen, der obligatorische Fotomodus ist wieder dabei und ein launiges Spielelement.

Unser Fazit zu „Marvel’s Spider-Man“

Endlich. Nach über 10 Jahren seit dem ebenfalls guten „Spider-Man 2“ entfesselt Insomniac einen Tornado aus Spielspaß, spannender Story und niemals stupiden Gameplay. Es ist das Superhelden-Spiel nach dem sich jeder Marvel-Fan sehnte. Herrliche Freude im Sonnenuntergang durch die Häuserschluchten von New York zu schwingen. Herausfordernd größere Gegnergruppen mit Ausweichmanövern auf´s Korn zu nehmen. Unterhaltsam eine plausible sowie gut erzählte Story serviert zu bekommen. „Marvel’s Spider-Man“ ist der finale Kaufgrund für Sony´s Konsole. Nah an der Perfektion!

Entwickler: Insomniac Games | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4 | USK: ab 12

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Ja.