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Marvel’s Avengers im Test – Kinoreife Kampagne mit Problemen

Marvel's Avengers
© Square Enix

Crystal Dynamics möchte Comic-Fans mit „Marvel’s Avengers“ die ulitmative Symbiose aus lockerer Superhelden-Klopperei, Blockbuster-Story und einem langwährenden Multiplayer-Part á la Destiny bieten. Ob diese Mischung ihr Potenzial voll ausschlöpft oder Sand im Getriebe herrscht, verraten wir euch.

Wahre Helden

Die Erde bebt, riesige Gesteinsbrocken schälen sich aus dem Asphalt und darüber kämpfen in vielerlei Couleur Superhelden gegen die Bösewichte. Die reine Prämisse: Alt bekannt. Steht sogar in der Bibel. Gut gegen Böse. Der besondere Twist wiederrum besteht beim Verbildererkonzern Marvel, dass es Menschen mit ausgeprägten Fähigkeiten sind, die solche Kämpfe austragen. Da sie für die gute Seite kämpfen sind es sogleich – Superhelden. Heutzutage nicht mehr aus Popkultur und Kino wegzudenken dominieren großangelegte CGI-Schlachten mit dem gewissen Etwas an Power die Kinokassen, Kinderzimmer und das Unterhaltungsgefüge. Das bietet natürlich einige Vorteile: Waren früher Videospiele über Spider-Man etc. teilweise jenseits von Gut und Böse ist man sich heute dessen Wert bewusst und nimmt solche Marken deutlich ernster. Nach dem rundum gelungenen Ausflug mit Spider-Man durch Manhattan – bekam statt Insomniac Games jetzt Crystal Dynamics das Ruder für ein eigenes Abenteuer mit den kompletten Avengers. Wobei die „Tomb Raiber“-Entwickler genügend Expertise dafür haben sollten, oder?

Statt der Kinovorlage orientiert man sich zwar an den Helden, erzählt dafür aber eine eigene Geschichte. Im Fokus steht die jugendliche Kampala Khan, die absoluter Avengers-Fan ist und auf dem sogenannten „A-Day“ endlich ihre Vorbilder treffen darf. Doch ein Angriff des Taskmasters und der damit verbundene Angriff zerstört halb San Francisco. In Folge trennen sich die Avengers, anstelle kommt das undurchsichtige Unternehmen A.I.M., die mit Androiden für Sicherheit sorgen. Kamala, deutlich erwachsener, erhielt am A-Day durch eine Explosion jedoch Superkräfte und macht sich auf – die zerstrittenen Mitglieder wieder zu vereinen. Problem hierbei: Kamala ist ein Inhuman und AIM sperrt diese Menschen ein, um sie zu „heilen“. Die rund 15 stündige Kampagne wird zweifellos unterhaltsam präsentiert mit ihren vielen Querverweisen. Zumal für den Spieler die Perspektive insofern clever ist, da Kamala oftmals genauso wie wir reagiert. Landet plötzlich Thor neben uns ist natürlich überraschte Europhorie angesagt. Typische Comic-Reliefs in Form von Wortgefechten zwischen Tony Stark und Bruce Banner sind ebenso vorhanden. Bloß ist es echt schade, dass Square Nix wenigstens nicht die bekannten Synchronstimmen in der deutschen Lokalisierung ins Boot holte. So braucht es hier Eingewöhnungszeit. Positiv sind die Wendungen mit daraus resultierender Spannungskurve. Crystal Dynamics beweißt echte Leidenschaft, das zeigen wirklich amüsante Dialoge zwischen Avengers.

Gleiche Gänge, gleiches Gameplay

Obwohl man innerhalb „Marvel’s Avengers“ auch ruhigere Momente schafft, konzentriert sich der Großteil auf effektvolles Buttonsmashing, dass vor lauter Funken sowie Explosionen fast der Fernseher implodiert. Durch variantenreiche Nah- und Fernangriffe kommen durch speziell geschützte Feinde sogar ein bißchen Taktikgefühl auf. Ob mit riesigen Händen von Kamala, als raubeiniger grüner Gigant im dehnbaren Jeans oder in der schwebend in hohen Lüften mit Iron Man. Konfrontationen machen durch ihren absurd brachiale Präsentation wirklich Spaß. Man spürt die unterschiedlich angelegten Backgrounds. Sind wir zu mehreren im weiteren Spielverlauf unterwegs kommt zumindest in hektischen Situationen die gewisse Atmosphäre aus den Filmen auf. Unser Weg führt uns mal in staubige Canyons, kleinere Städte oder in geheime Laboratorien. Statt weitläufige Level bewegen wir uns jedoch nur in 2-5 Meter breite Gänge. Problematisch werden hier Innenräume, die nahezu alle gleich aussehen und durch ihre Monotonie arges Stirnrunzeln erzeugten. Das größte Problem an „Marvels Avengers“ ist seine veraltete Gameplay-Mechanik. Zeigen uns andere Spiele durch kaum wahrnehmbare geskriptete Sequenzen – drückt man auf STOP und setzt eine Pop-Up Nachricht vor die Nase. Selbst nach vier (!) Spielstunden bekamen wir noch Nachrichten, wie genau etwas funktioniert. Erinnerte uns Gamedesigns von vor 10 Jahren. Mit gefundenden Ausrüstungsteilen bessern wir unsere Kampfwerte auf. Sieht dank des überfrachteten Menüs kompliziert aus, ist es aber nicht. Gilt ebenfalls für verdiente Heldenpunkte. Der obligatorische Upgrade-Baum mit neuen Angriffen wie Schwungtritten oder Raketen für Iron Man’s Anzug dürfen ebenso freigeschaltet werden – besonders hier nervten uns ständige kurze Ladepausen. Warum das Aufsammeln von Gegenständen nur sporatisch geht, ist auch fraglich.

Obwohl es eine Kampagnenmission ist, dürfen wir regelmäßig mit bis zu drei weiteren Freunden diese Aufträge absolvieren. Wir verzichteten und trafen auf mal oder weniger aufmerksam KI-Begleiter. Je nach Belieben kämpft Hulk und Co. an unserer Seite oder wuseln an Gegnern vorbei – zugegeben dies passierte nur manchmal. Ansonsten waren sie aktiv am Kampf beteiligt. Dankenswerterweise passen sich die Parameter vor jedem Start an. Nach dem Ende der Kampagne warten relativ viele Missionen auf euch. Einerseits gibt es Heldenstränge, die speziell jeweils einen Superheld im Fokus hat und eine persönlichere Geschichte erzählt. Ganz launig aber nicht auf dem Niveau wie die Hauptstory. Anders verhält es sich mit dem zweiten Teil des Spiels – der Avengers-Initiative. Ähnlich wie in „Destiny“ seid ihr mit auswählbaren Helden wie Black Widow, Thor oder Captain America in weitläufigen Gebieten unterwegs und müsst bestimmte Aufträge erledigen. Mal Inhumans aus Boxen befreien oder besonders starke AIM-Roboter zerstören. Durch vereinte Kräfte sind die sogenannten „Warzones“ recht einfach simpel zu meistern, je nach Schwierigkeitsgrad, kranken jedoch an zu ähnlichen Missionen, die einzig mit Kloppereien zu bewältigen sind. Eine überwiegend langweilige Geschichte mit vorhersehbarem Plot und schnöden Erklärdialogen hemmen den Spielspaß an vielen Stellen. Im Test wurden wir das Gefühl nicht los, dass Square Enix hier allen möglichen Trends nachläuft, obwohl ein reines Singleplayer-Spiel vielleicht die bessere Wahl für „Marvel’s Avengers“ gewesen wäre.

Technisch mau

Optisch macht „Marvels Avengers“ durchaus was her. Man versteht Sonnenuntergänge in bestimmten Momenten gut einzufangen, Texturen sind scharf aufgelöst und die Effekte erstrahlen in wunderbaren Feuertönen. Grafisch ist man auf einem guten, wenngleich nicht herausragenden Niveau. Dafür fehlt es klar an Polishing. Neben oben genannten Unstimmigkeiten fanden wir haufenweise an Bugs. Auszug gefällig? Zweimal stürzte das Spiel mittendrin ab, häufiges Tearing, bestimmte Missionen liefen nicht weiter, Türen lassen sich nur im bestimmten Winkeln öffnen, Anschluss- und Clippingfehler. Nicht zu vergessen: Wir warnen ausdrücklich vor dem „Performance“-Mode auf PlayStation, der für desastöse Bildraten sorgt. Für solch einen immens großen Titel überraschte das uns in vielerlei Hinsicht unangenehm. Obwohl die Kinofilme rund um die Beschützer einen hervorragenden Score von Alan Silvestri bieten, komponierte man neue Stücke – die aber keineswegs im Kopf bleiben.

Unser Fazit zu „Marvels Avengers“

Was hätte daraus werden können? Endlich als cooler Iron Man durch die Lüfte fliegen und Feinde mit viel Waffenpower wegballern! Naja. Waren wir beim Anspieltermin von Marvel’s Avengers auf der letzten Gamescom noch euphorisch, legte sich unsere Freude im finalen Test deutlich. Unterhaltsam ist die Story-Kampagne rund um Ms. Marvel und die Zusammenführung der Superhelden zweifellos, leidet aber an ihrer instrigenten Erzählweise sowie der Implementierung von Multiplayer-Inhalten. Der zurecht gescholtene „Games-as-a-Service“-Part wirkt zu aufgesetzt und überzeugt nur in wenigen Aspekten, seien es verschiedenen Missionstypen oder interessanten Nebenhandlungen. Man hechelt Spiel-Konzepten hinterher, die jahrelang etabliert und mittlerweile wieder konträr langweilig sind.

Entwickler: Crystal Dynamics | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4, Xbox One und PC | USK: ab 16

Crystal Dynamics möchte Comic-Fans mit "Marvel's Avengers" die ulitmative Symbiose aus lockerer Superhelden-Klopperei, Blockbuster-Story und einem langwährenden Multiplayer-Part á la Destiny bieten. Ob diese Mischung ihr Potenzial voll ausschlöpft oder Sand im Getriebe herrscht, verraten wir euch. Wahre Helden Die Erde bebt, riesige Gesteinsbrocken schälen sich aus dem Asphalt und darüber kämpfen in vielerlei Couleur Superhelden gegen die Bösewichte. Die reine Prämisse: Alt bekannt. Steht sogar in der Bibel. Gut gegen Böse. Der besondere Twist wiederrum besteht beim Verbildererkonzern Marvel, dass es Menschen mit ausgeprägten Fähigkeiten sind, die solche Kämpfe austragen. Da sie für die gute Seite kämpfen sind es…
Trotz heldenhaftem Potenzial ist "Marvel's Avengers" nur mäßig unterhaltsam, da veraltete Mechaniken und technische Fehler viel verderben.

Marvel’s Avengers (PlayStation 4)

Spielspaß - 76%
Gameplay - 71%
Grafik - 76%
Technik - 53%

69%

Durchschnittlich

Trotz heldenhaftem Potenzial ist "Marvel's Avengers" nur mäßig unterhaltsam, da veraltete Mechaniken und technische Fehler viel verderben.

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7%
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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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