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Filmkritik zu ES: Kapitel 2 – Schauriges Finale

© Warner Bros.

Nach 27 Jahren kehrt Horrorclown Pennywise zurück – in der Fortsetzung zum erfolgreichen „ES“ inszeniert Regisseur Andrés Muschietti einen gnadenlosen Kampf, der die humorige 80er-Jahren-Perspektive hinter sich lässt und die Gegenwart zum Alptraum wandelt. Unsere Filmkritik.

ES ist zurück

ES war schon immer da. ES tyrannisiert das kleine Städtchen Derry, in der das höchste der Gefühle ein abendlicher Gang ins Kino ist. ES ist die Reinkarnation von Angst. ES ist wieder da. Verfilmungen von Stephen King erleben derzeit eine wahre Hochsaison. Bereits seit einiger Zeit arbeitet vorrangig Warner Bros. an Neuauflagen oder filmischen Neuerzählungen wie der im November startende „Shining“-Nachfolger „Doctor Sleep“.

Nicht wenige Zweifler sahen dieses Vorhaben kritisch. Es gab doch schon eine Verfilmung, wenn auch als Fernsehfilm. Doch Regisseur Andrés Muschietti lieferte mit „ES: KAPITEL 1“ einen wunderbar herzerwärmenden Coming-of-Age-Film gespickt mit Horror-Elementen ab, der nicht unabsichtlich an klassische Spielberg-Werke der 1980er Jahre oder „Stranger Things“ erinnerte. Hierbei sammelten sich die Außenseiter im Sommer 1989 um zusammen gegen die Stadtrowdys zu rebellieren und schließlich Horrorclown Pennywise in der Kanalisation zu bekämpfen. Vorerst. Jedoch besaß der Film, trotz markanter Gruselnote, so viel Herz und Charme, um die Figuren menschlich wirken zu lassen. Über den grandiosen Cast, der ausschließlich aus Kindern bestand müssen wir nicht weiter sprechen. Nach 27 Jahren kehrt das Monster zurück.

Der Horrorclown ist zurück

Im Städtchen Derry im Bundesstaat Maine häufen sich die Mordfälle. Meist Kinder werden verstümmelt nahe der Kanalisation gefunden. Mike Hanlon (Isaiah Mustafa) ahnt fürchterliches – ES (Bill Skarsgård) ist wieder da. Der Horrorclown, den er und seine Freunde im Jahr 1989 eigentlich erledigt hatten ist zurückgekehrt. Nachdem er alle Mitglieder des „Klubs der Verlierer“ in Derry versammeln konnte, steht der letzte Kampf bevor. Nüchtern betrachtet ist die Storyline der zweiten Hälfte des Mammutprojekts „ES“ recht dünn. Doch die Drehbuchautoren Gary Dauberman und Jeffrey Jurgensen spielen viele Sequenzen wie die erwachsenen Leben der Figuren erzählerisch aus, um interessant zu sein. Beispielsweise wird Bill’s (James McAvoy) Arbeit als Buchautor immer wieder Gegenstand der einmal wieder herrlichen Dialoge. Diese wechseln von Bad-Taste Humor á la Seth Rogen zu wirklich gefühlvollen Zeilen. Jede Figur erhält zudem ausreichend Zeit seine Standpunkte klarzustellen. Anders als im Vorgänger gibt es keinen wohlmeinenden 80er-Charme mehr sondern eine kühlberechnende Gegenwartsanalyse, die von Homophobie bis ermordeten Kindern reicht. Hier macht „ES: KAPITEL 2“ keine Gefangenen, egal wie intrigantisch Pennywise vorgeht – am Ende überrascht selbst hartgesottene Zuschauer der Schockeffekt. Es geht generell gruseliger zu. Als Auflockerung scheint der vielfach gestreute Humor zu fungieren. Ähnlich wie bei Jordan Peele’s „WIR“ ist er einen Tick zu übermäßig. Gerade im letzten Drittel hätten viele Gags aufgrund Störung der Atmosphäre nicht sein müssen.

Bedrohliche Melodie

Bedrohlich schiefe Musik und nicht wirklich vorhersehbare Jump Scares treiben den Adrenalinspiegel oftmals stark nach oben. Vor allem Bill Skarsgard liefert wieder eine furchtbar-gute Symbiose aus Wahnsinn und Cleverness ab. Noch perverser geht Pennywise mit Illusionen vor, um andere Kinder oder den Klub einzufangen. Ebenso wie in Teil 1 war Komponist Benjamin Wallfisch für die Musik zuständig und fängt gut die Stimmung für die jeweilige Situation ein. Ohne jedoch das befürchtete Foreshadowing zu betreiben. Technisch legt „ES: KAPITEL 2“ eine Schippe drauf. Die Streiche von Pennywise wirken noch größer und tricktechnisch gewitzter. Im Finale übertreibt man das Trickfeuerwerk etwas.

Unser Fazit zu „ES: Kapitel 2“

Pennywise ist nach 27 Jahre zurück und nun liegt es am neu versammelten Klub der Verlierer ihn endgültig zu besiegen. In 170 (!) kurzweiligen Minuten legt man das Tempo oftmals sehr hoch, obwohl manche Sequenzen an Spirit verlieren. Hier beweist sich Pennywise und die pointierten Dialoge zwischen den Mitgliedern als hervorragend eingearbeitet. Der Mix aus Splatter und Horror funktioniert gut und macht den Abschluss trotz leichter Überlänge zu einem sehenswerten Film.

ES: Kapitel 2. USA 2019. Regie: Andrés Muschietti. Mit James McAvoy, Bill Skarsgård &
Jessica Chastain. 170 Minuten. Ab 16 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „ES: Kapitel 2″ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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