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„Sea of Solitude“ im Test

Sea of Solitude
© EA

„Sea of Solitude“ aus unseren Breitengraden ist durch und durch besonders. Im Spiel begleiten wir die Reise einer einsamen Frau, die sich grotesken Monstern erwehren muss. Doch zwischen den Zeilen spricht uns das Spiel direkt an. Unsere Review zum EA Original.

Bewegend und leidenschaftlich

Videospiele, die sich ernsthaft mit psychologischen Erkrankungen beschäftigen gibt es nicht allzu häufig. Man denke an das starke „Hellblade: Senua’s Sacrifice“, dass sich nur durch den eigenen Vertrieb von Entwickler Ninja Theory sich unverblümt und mit voller Härte dem Thema Schizophrenie widmen konnte. Unweigerlich klangen Stimmen auf – mal mehr oder weniger negativ. Aber die Art und Weise erschütterte den Spieler bis ins Mark. Etwas leichtfüßiger stellt sich die deutsche Entwickler Cornelia Geppert dem Thema. Jedoch etwas anders. In „Sea of Solitude“ geht es vielmehr um die Auswirkungen von ausgesprochenen Worten in der Gefühlswelt der Protagonistin. Ohne große Einleitung entwickelt sich ein emotionales Abenteuer sowie eine Geschichte über Einsamkeit und Depression. Wir schlüpfen in die Haut einer mit pechschwarzem Fell und feuerroten Augen ausgestatteten Frau. Gänzlich allein im Boot treibend erreicht unsere Figur namens Kay eine untergegangene Stadt. Venedig war hier wohl die stilprägende Vorlage. Geppert will mit ihrem Spiel zeigen, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Dies gelingt ihr in kurzen fast schon furchterregenden Augenblicken. Unvermittelt färbt sich der Himmel dunkel, es regnet und ein gefrässiges Monster im Wasser wartet nur auf unseren Fehltritt. Zuvor ruft uns das Monster Vorwürfe entgegen wie „Du tust nie etwas!“ oder auch „Jede deiner Entscheidungen ist kompletter Mist!“ – mit Kay versuchen wir auf Dächern und Terrassen Auswege bzw. Tore zu öffnen um letztlich dank jederzeit verschießbaren Lichtkugeln die Kreaturen zu besiegen. Vorerst. In insgesamt 12 Kapiteln und fünf Stunden Spielzeit macht auch das Spiel etwas mit uns. Es deprimiert, baut uns wieder auf um uns gleich wieder gefühlstechnisch niederzustrecken. Eigentlich wie das Leben selbst. Geppert verarbeitet hier mutmaßlich eigene Sequenzen ihres Lebens auf höchst schonungslose Weise. Dafür gilt ihr Respekt. Das Gameplay ist dafür mehr als klassisch. Wir rennen und hüpfen mit Kay über Vorsprünge und aktivieren Schalter. Das ist zwar anfänglich ganz spaßig ermüdet jedoch zunehmend. Grafisch bedient sich an der Grafik-Engine Unity verpasst sich aber einen schick verträumten Comic-Look. Die Umgebung ändert sich jedoch regelmäßig und bringt so frischen Wind ins Trauma-Abenteuer. Anfangs noch mit unter Wasser stehenden Bauten, später mit kleinen Innenräumen und im letzten Drittel mit urbanen Settings.

Keine Wertung zu „Sea of Solitude“

Es hat seinen Grund weshalb vor dem Beginn gewarnt wird, dass dieses Spiel psychologisch dem Spieler zu schaffen machen könnte. „Sea of Solitude“ ist kein abwechslungsreiches oder gar revolutionäres Unterfangen. Nein, dieses Spiel überraschend aus dem Hause EA ist ein hochemotionaler Trip in die menschlichen Abgründe voller Angst, Zweifel und Einsamkeit. Das Abenteuer von Kay gilt vielmehr als Metapher für das Menschsein generell. Es ist tatsächlich gelungen ein besonderes Erlebnis ohne heischerische Effekte zu bieten.

Aus diesem Grund behalten wir uns die sonst verpflichtende Wertung vor.

Entwickler: Jo-Mei Games | Preis: 19,99 Euro | Für PlayStation 4, Xbox One und PC | USK: ab 12

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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