Filmkritik zu „Vice – Der zweite Mann“

Vice – Der zweite Mann
Vice – Der zweite Mann

Adam McKay, bekannt für seine Anarcho-Comedys wie „Stiefbrüder“, setzt mit seinem neuesten Film „Vice – Der zweite Mann“ einen bitterbösen Kommentar für die letzten 50 Jahre der US-Politik in Form der Biografie von Dick Cheney. Warum der Film in fast allen Belangen großartig ist, sagt euch unsere Filmkritik.

Im Hintergrund

Unscheinbar aber stets präsent. So könnte man die politische Karriere von Dick Cheney kurz zusammenfassen. Aber was die wenigsten ahnen ist, dass er als einer „der verschwiegensten Politiker“ des Landes erheblichen Anteil daran hatte, wie mit 9/11 umgegangen wurde und für den derzeitigen Zustand in Syrien sowie dem Irak verantwortlich zu zeichnen ist. Adam McKay hat es geschafft trotz den durchaus sehenswerten Klamauk-Comedys mit Buddy Will Ferrell sich auch ernsthafteren Stoffen anzunehmen. „The Big Short“ portraitierte die Gewissenlosigkeit und Geldgier zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008. Mit Star-Besetzung wie Brad Pitt & Steve Carell holte er aus dem vielleicht anfangs recht kyptischen Thema humorvolle Spitzen. Genauso verfährt der Regisseur bei „Vice“. Während andere Drehbuchatoren hier die Angst vor Konsequenzen mit Respekt verwechseln könnten, haut McKay nochmals drauf. Mit verdammtem Recht.

Gesagt getan – Cheney wird persönlicher Assistent

Dick Cheney war wie erwähnt äußerst verschwiegen. McKay hat sich also Insider, Bücher etc. zu rate gezogen um seinen Lebenslauf akkurat zu präsentieren. 1962 im Alter von 19 war Cheney (stark: Christian Bale) ein klassischer Taugenichts. Zu oft alkoholisiert, Hilfsarbeiter-Jobs und dann stellt ihm seinem Langzeitfreundin Lynne (Amy Adams) ein Ultimatum. Kriegt er sein Leben nicht schnellstens auf die Reihe – ist sie weg. Gesagt getan – Cheney wird persönlicher Assistent von Donald Rumsfeld (Steve Carell) unter Präsident Nixon. Doch will er mehr. Im Verlauf der nächsten Jahre wird er u.a. jüngster Stabschef unter Präsident Geralt Ford sowie auch Ende der 90er-Jahre Vizepräsident unter George Bush (gewohnt cool: Sam Rockwell). McKay veranschaulicht immer wieder kurze Episoden und untermalt sie mit schnell geschnittenen Collagen.

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Überraschende Perspektiven

Auch ist der respektlose Grundtenor stark vertreten, so beginnen nach rund 65 Minuten Laufzeit schon die Credits da Cheney hier im Grunde schon ausgesorgt hat. Interessant ist die Inszenierung. Anfangs noch völlig unbekannt führt uns der Erzähler (Jesse Plemons) durch Cheneys bewegtes Leben plus bitterböser Kommentare. Während die ersten 2/3 des Films in einem Guss wirken, werden die letzten 40 Minuten recht faktenorientiert. Einerseits da der 11. September sowie Guantanamo durchexerziert werden. Immer wieder findet er Kamerastandpunkte, die das Geschehen buchstäblich aus überraschender Perspektive beleuchten. Dialoge werden im Satz für visuelle Andeutungen unterbrochen und selbst leichte Gore-Effekte, die man bestenfalls aus Horrorfilmen kennt, ordnen sich politischer Natur ein. Der Score von Nicholas Britell ist so zackig wie der Film selbst und bedient sich unterschiedlichsten Genres.

Unser Fazit zu „Vice – Der zweite Mann“

Mit bitterbösen Kommentaren zieht McKay sein ganz persönliches Fazit von Dick Cheney. Recht unscheinbar stets in der Öffentlichkeit gesehen, hatte er besonders zur Bush-Ära seine Finger in allen Behörden wie dem FBI, CIA und Pentagon. Andere Regisseure würden wohl mit nüchternem Blick seine Lebensgeschichte auf Zelloid bannen, während Adam McKay hier erst anzufangen scheint. Oscar-würdig in jeder Hinsicht.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Ja.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „VICE – Der zweite Mann“ gibt es hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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