Filmkritik zu “The Equalizer 2”

The Equalizer 2
© Sony Pictures

The Equalizer 2: Denzel Washington kehrt als mysteriöser Mann mit speziellen Fähigkeiten zurück. Im ersten Sequel seiner Karriere vermisst man jedoch die Coolness sowie den Stil des Erstlings – Unsere Filmkritik.

“Haupthandlung”

Ich saß letztens im Kino und habe mich gelangweilt. Uhrzeit und das Verhalten anderer Kinobesucher schienen interessanter als das was dort gerade auf der Leinwand passiert. Wie kam es dazu? Das örtliche Multiplex-Kino lud zum allmonatlichen “Männerkino” – harte Kerle sehen harte Filme. Manchmal. Die Fortsetzung des überaus guten “The Equalizer” mit Denzel Washington würde als Vorpremiere zu sehen sein. Als bekennender Fan des Erstlings selbstverständlich ein Pflichttermin. Zudem es für Hauptdarsteller Washington immerhin das allererste Sequel seiner Karriere ist. Regie mit “Training Day”-Regisseur Antoine Faqua ist die gleiche geblieben – was soll hier denn schiefgehen? Leider vieles. Wenn nicht, der komplette Streifen.

The Equalizer 2

© Sony Pictures

Dabei fängt alles recht vielversprechend an. Der pensionierte CIA-Agent McCall (Denzel Washington) schlägt in einem türkischen gewohnt stilvoll zwei Männer um einer Mutter zu helfen, ihr Kino bekommen. Zuhause in Boston angekommen verdingt er sich als Uber..ähm “Lyft”-Fahrer. Hört Menschen bei ihren alltäglichen Problemen zu und bietet Hilfe für seine Stammkunden. Während Teil 1 sinnvoll eine simple Nebenhandlung zur Haupthandlung erschloss, wartet man hier vergebens darauf. Denn erst nach ca. 50 (!) Minuten passiert etwas wesentliches. Ein brutaler Mord an einem französischem CIA-Mitarbeiter ruft McCalls gute Freundin Susan Plummer (Melissa Leo) auf den Plan. Wenig später wird sie von Unbekannten in ihrem Hotelzimmer ermordet. Daraufhin will McCall natürlich Rache nehmen. Bis diese Prämisse jedoch beginnt müssen wir uns mit langweiligen viel zu vielen Nebenhandlungen herumschlagen, die rein gar nichts mit der eigentlichen Storyline zu tun. So versucht McCall einem Holocaust-Überlebenden zu helfen, seine Schwester wieder zu finden. Oder dem Nachbarsjungen von der Straße fernzuhalten. Teilweise vermutete ich, dass wir uns alle ein Drama anschauen – wo war die pointierte Action von Teil 1?

The Equalizer 2

© Sony Pictures

Es fehlt an allem

Wo wir gerade dabei sind. Wo blieb der nüchterne kühle Look? Warum gab es nahezu keine Actionszene mit McCall´s ikonischer Uhr? Wo ist die teils kompromisslose Härte? In “The Equalizer 2” ist außer den Charakteren nichts wieder aufzufinden. Zugegeben, mehr über die Figur McCall bzw. seine Motivation zu erfahren ist wissenswert. Aber gerade, weil es hinter den Kulissen keine Veränderungen gab, ärgert mich dieser schwache Zustand. Auch lebte der Vorgänger von einem gut beschriebenen Bösewicht, der McCall immer gefährlicher wurde. Zum Ende hin kommen leider auch unfreiwillig lustige Momente hinzu, die etwas von der gebotenen Stimmung zerstören. Harry Gregson-Williams präsentiert einen gewohnt starken Score, der nicht störend oder wiederholend wirkt. Die Kamera weicht vom nüchternen farbärmeren Look zum normalen fast schon 0815-Reißbrett. Die zu mager gezeigte Action ist gewohnt schnittig und wird der Reihe selbst angemessen inszeniert. Leider blieb die kreative Gewalt á la Baumarkt auch auf der Strecke.

The Equalizer [Blu-ray]
  • Sony Pictures Home Entertainment (01.10.2015)
  • Blu-ray, Freigegeben ab 16 Jahren
  • Laufzeit: 132 Minuten

Unser Fazit zu “The Equalizer 2”

Ein trauender alter Mann, der für mehr Gerechtigkeit kämpft. So kann man den Film aufs wesentliche runterbrechen. Selten passiert es mir, dass ich noch im Kinosaal enttäuscht war aber die überaus gute Ausgangslage von Teil 1 so zu vermiesen oder gar völlig gegen die Wand zu fahren, schmerzt einfach. Washington spielt gewohnt gut, versprüht diese respektvolle Aura und überzeugt zudem auch mit über 60 Jahren mit handgemachter Action. Doch im gleichen Fahrwasser eines hervorragenden “Mission Impossible Fallout” als Actionfilm zu laufen – keine Idee. Alles in allem war “The Equalizer 2” enttäuschend.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „The Equalizer 2″ gibt es hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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