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Filmkritik zu „Get Out“

Get Out
© Universal Pictures France

Get Out ist in vielerlei Hinsicht kein 0815-Horrorfilm wie es sie zu Tausenden gibt. Im Grunde erzählt der Debüt-Film von Komiker Jordan Peele keine Geistergeschichte sondern die, des alltäglichen Rassismus. Konnte uns der Überraschungshit aus den USA überzeugen?

Gelungener Überraschungshit?

Ein Mann mit dunkler Hautfarbe läuft durch eine nächtlich angesiedelte Allee. Die einzelnen Häuser zeugen von nicht ärmlichen Bewohnern, während er mithilfe von Google Maps nach einer Straße sucht. Sichtlich angespannt verfolgt ihn plötzlich ein Auto, das in dieser vermeintlich menschenleeren Straße erscheint. Hinterrücks entsteigt der Fahrer seinem Boliden und würgt den Verfolgten zur Besinnungslosigkeit. Willkommen bei „Get Out“. Der erste Film von Regisseur und Drehbuchautor Jordan Peele. Bereits in den Staaten zum Überraschungshit gemausert und am ersten Tag über 10 Millionen Dollar eingespielt. Klingt nach einem gelungenen Film, oder? Peele setzt zur Verdeutlichung seines zentralen Themas Rassismus das mittlerweile sehr beliebte Genre des „Haunted House“ ein. Passend dazu produzierte auch Jason Blum mit seiner kleinen aber feinen Gruselschmiede „Blumhouse Productions“ das Machwerk. Doch wie funktionieren Horror/Mystery Elemente im Jump Scare bewussten Genre?

Get Out

© Universal Pictures France

Get Out erzählt die Geschichte vom jungem Paar Chris und Rose. Er ein begnadeter schwarzer Fotograf, sie die weiße Tochter aus einem gut betuchten Elternhaus. Beide verliebten sich und nun steht der Besuch bei den Schwiegereltern in spe an. Folgender Dialog zeigt wunderbar die Kernaussage: Chris: „Wissen deine Eltern, dass ich schwarz bin?“ Rose: „Nein. Sollten sie?“. Die Fahrt aufs Land verläuft nicht wie geplant, nachdem sie ein Reh angefahren haben, werden beide von einem augenscheinlich leicht rassistischen Cop belästigt. Später kommen die Zwei gut an und Rose Familie macht einen angenehmen Eindruck. Doch was bei den sich merkwürdig verhaltenden Dienstpersonal beginnt, gipfelt sich auf der kommenden Grillfeier und Chris versucht dahinter zu kommen. Peele orientierte sich zweifelsohne am Klassiker „Rat mal, wer zum Essen kommt?“ mit Sidney Poitier. Hier fängt auch alles sehr harmonisch und gar nicht gruselig an, bis Peele im letzten Drittel voll aufdreht.

Kein Film für eine Schublade

Das Thema Rassismus ist dank jüngster Ereignisse wie „MuslimBan“ von Trump oder die Ausschreitungen der schwarzen Bevölkerung in Teilen der USA wieder in aller Munde. Deshalb waren wir uns zuerst nicht sicher, ob das überhaupt funktionieren kann. Doch Peele führt so galant ins falsche Richtungen, dass alleine der Anteil an Gesellschaftssatire deutlich andere Horrorfilme übersteigt. Zudem Get Out auch in manchen Momenten sehr humorvoll ist. Teilweise hatte ich persönlich das Gefühl, dass Peele Parodie und Ernst zusammensetzen wollte. Von dem weitgehend unbekannten Cast sticht niemand negatives in seinem Spiel heraus. Besonders Hauptprotagonist Chris gespielt von Daniel Kaluuya macht seine Sache mehr als gut. Mit ihm kann sich der Zuschauer, egal welcher Hautfarbe, sofort identifizieren. Allison Williams vielen bekannt aus der Serie „Girls“ kann ebenso überzeugen. Gerade im letzten Drittel spielt sie dermaßen gut, dass es eine wahre Freude ist. Der Nebencast vereint bekannte Gesichter wie Catherine Keener oder auch Stephen Root. Allesamt spiele sie ihre kleinen Rolle gut aus.

Kommen wir nun zum Horrorfilm-Anteil von „Get Out“. Etwas ungelenk, oder? Besser gesagt, lässt sich Peele´s erster Film nicht in eine einzige Schublade stecken. Mal sehen Thriller-, Comedy-, Horror-, oder auch Splatterelemente. Seht ihn einfach als Gesellschaftssatire mit Gruselelementen. Außerdem schaffen die Macher es, die Hauptfigur Chris als einzig Normalen unter den etwas verschrobenen Nebenfiguren aufzustellen. Die Filmmusik unterstützt in geeigneten Momenten das Gesehene mit genretypischen Streichinstrumenten wie Geige oder Violine. Sonst bleibt der Score sehr blass und verliert nach Verlassen des Kinosaal seine Merkmale. Die Kamera bleibt größtenteils genrekonform und setzt mit wenigen Ausnahmen auf Totalen.

Unser Fazit zu „Get Out“

Get Out ist wahrlich ein besonderer Film geworden. Er zeigt, dass Horror nicht immer mit Geister oder Dämonen zu tun haben müssen, sondern auch im Alltag begegnen können. Klar. Gemeinhin ist Peele´s erster Film ein B-Movie mit Hang zur A-Klasse verliert jedoch ab Mitte etwas an Tempo, gibt aber dafür in den letzten 20 Minuten richtig Vollgas. Die Darsteller wurde allesamt gut ausgewählt und spielen ihre Rollen mehr als glaubhaft. Typische Jump Scares gibt es weiterhin, sind im Vergleich zu Genreklassikern wie „Insidious“ oder „Conjuring“ rarer gesät. Alles in allem eine feine Satire mit den noch immer aktuellen Problemen des Rassismus in der Welt.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Get Out“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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