Rob Vegas
Rob Vegas @robvegasvor ca. 8 Stunden

Ich glaube erst an die #Hitzewelle, wenn @Kachelmann auf seinem Profil bei twitter schreibt: "Das Ende ist nah!". https://t.co/gippjyaPfY

Gastbeitrag: Erlebnisbericht Wacken 2015

Wacken Festival

Ein Gastbeitrag von Lea (@avocadoblume)

Dienstagabend, den 25.07.2015. Während meine Freunde das letzte Gepäck ins Auto luden, nahm ich mir eine Rolle Kreppband zur Hand, um in großen Lettern „W:O:A“ auf unsere Heckscheibe zu kleben. Man kann ja schließlich nicht zum größten Heavy Metal Festival Deutschlands fahren, ohne jedem anderen Autofahrer deutlich zu signalisieren, wohin man unterwegs ist. Nachdem wir die restlichen Mitglieder unseres zukünftigen Festival-Camps auf einem Rastplatz einsammelten, ging es im Konvoi weiter gen Norden in Richtung jenes kleinen Dörfchens, auf das nun eine Woche lang die Metal-Welt blicken würde.

Um 4 Uhr morgens – nach einer kleinen Panne und einer Portion norddeutschen Humors des netten Herrn vom ADAC – erreichten wir endlich das Ziel unserer Reise, um daraufhin durch einige benachbarte Dörfer bis zum Eingang des Campinggeländes weitergeleitet zu werden. Unterdessen sorgten wir uns ein wenig über den Aufbau unserer Zelte bzw. der beiden mitgebrachten Pavillons, die uns vor dem Regen schützen sollten. Noch vor nicht allzu langer Zeit war auf der offiziellen Webseite des Wacken Open Air verkündet worden, dass einige Zeltplätze aufgrund des Unwetters zurzeit nicht nutzbar seien und wir daher alle ein wenig mehr zusammenrücken müssten. Dies bedeutete im Klartext: Keine Pavillons aufgrund des Platzmangels. Sogleich brach eine wilde Diskussion los, was wir denn nun tun sollten, ob diese Information tatsächlich der aktuelle Stand sei, ob wir nicht doch diese offizielle Anweisung ignorieren oder ob wir unsere Zelte einfach so großzügig aufbauen sollten, dass, wenn man sie am nächsten Tag wieder umbaute, noch ein Pavillon dazwischenpasste. Darüberhinaus verfolgten wir seit Stunden auf Twitter, wie lang der Stau der Ankömmlinge wohl war, und gelangten dann trotz des Glaubens, wir würden zwei Stunden lang warten müssen, recht zügig auf das Gelände. Bereits jetzt waren die Wege ziemlich schlammig, doch dies bereitete uns zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch keine Probleme.

Auf dem Campingplatz angelangt, die Tickets vorgezeigt, nutzten wir die kurze Regenpause, um flugs unsere Zelte sowie einen der Pavillons – wir hatten in der Zeltlandschaft unzählige weitere erblickt, also stellte dies wohl kein Problem dar – aufzubauen. Gerade war ich dabei, mein Zelt fertig abzuspannen, als wieder leichter Regen einsetzte. Aber wir waren ja alle nicht aus Zucker. Da wir Social Media Junkies ebenfalls bereits auf Twitter recherchiert hatten, wie lange andere Festivalbesucher in der Schlange vor der Bändchenausgabe – also dem Ticket-Schalter, an dem man ein zweites Mal sein Festival-Ticket vorzeigte und dafür ein Bändchen ums Handgelenk erhielt – angestanden hatten, beschlossen wir, die Gunst der frühen Stunde zu nutzen und uns somit vielleicht ein paar Stunden Wartezeit zu ersparen. Dies erwies sich als ein kluger Schachzug, da wir keine fünf Minuten lang anstehen musste, wohingegen die Menschenmengen, die erst nach Tagesanbruch ihr Bändchen sowie den diesjährigen Full Metal Bag abholten, wohl vielmehr fünf Stunden Wartezeit abzuleisten hatten.

Kaum machten wir uns auf den Rückweg zu unserem gerade erst frisch entstandenen Camp, schien es, als wollten die Wolken jegliches Wasser, das sie aufgenommen hatten, so schnell wie nur irgend möglich wieder loswerden, sodass wir gegen 5.40 Uhr vollkommen durchnässt wieder an unserem temporären zu Hause ankamen. Ich beschloss, mich in mein Zelt zu verkriechen und dort noch ein paar Stunden Schlaf nachzuholen.
Mittwochmorgen, 7 Uhr. Da ich nicht schlafen konnte, verließ ich wieder mein Zelt, und musste feststellen, dass der Sturm unseren Pavillon umgeworfen hatte, und baute diesen mit Hilfe meiner netten bayrischen Nachbarn wieder auf. Als auch meine Festivalgefährten aufgewacht waren und wir uns an einem Bier gelabt hatten, errichteten wir den zweiten Pavillon, verbanden ihn mit dem ersten und befestigten das ganze Konstrukt mittels Unmengen an Panzertape. Dennoch zwang uns das kurz darauf wieder auflebende Unwetter, unsere Überdachung mit vielen helfenden Händen festzuhalten, um zu verhindern, dass sie uns davonflog.

Als das Wetter sich nach einiger Zeit wieder ein wenig beruhigt hatte, begaben wir uns endlich in Richtung des eigentlichen Festivalgeländes, um uns ein wenig umzusehen und mit Merchandise einzudecken. Der Weg dorthin erwies sich jedoch als Kraftakt, da wir gewissermaßen einen Gewaltmarsch durch teils mehr als knöcheltiefen Schlamm hinter uns zu bringen hatten. An den Hauptzugangspunkten zum Festivalgelände wandelte sich dieser zu einem unumgehbaren, regelrechten Matschloch, das so tief war, dass mir der Schlamm in meine 14-Loch-Springerstiefel
zu laufen drohte. Einige meiner Gefährten machten an dieser Stelle Halt, da ihre Schuhe nicht hoch genug waren, um dem Schlamm die Stirn zu bieten. Leicht dezimiert reihten wir uns am offiziellen Merchandise-Stand in die Warteschlange ein und konnten gerade noch rechtzeitig unseren Einkauf tätigen und zum Camp zurückkehren, bevor ein weiteres Mal das Unwetter zu toben begann. Von diesem Zeitpunkt an schien es, als wollte es gar nicht mehr aufhören zu regnen und zu stürmen, niemand von uns verließ mehr unsere eher schlechte als rechte Unterkunft und ich verzog mich schließlich für den Rest des nasskalten Abends mit einigen meiner Freunde in eines der Autos.

Derweil sollten wir uns an dieser Stelle mal ein paar Gedanken über jenes weltberühmte Festival machen. Gemäß des Berichtes auf der offiziellen Webseite des Wacken Open Air waren in diesem Jahr 75.000 zahlende Besucher anwesend. Dies bedeutet, dass 75.000 Tickets verkauft wurden – 65.000 davon zum regulären Preis von 160 Euro zzgl. 10 Euro Gebühren und 10.000 der sogenannten X-MAS Tickets zum Preis von 150 Euro zzgl. 10 Euro Gebühren. Dies bedeutet, dass die Veranstalter des Wacken Open Air im Jahre 2015 allein durch den Ticketverkauf 11.900.000 Euro eingenommen haben. In Worten ausgedrückt – und aufgerundet: ZWÖLF MILLIONEN EURO! Dazu kommen all die Einnahmen aus den offiziellen Merchandise-Verkäufen und den – nun auch nicht gerade preiswerten – Getränke- und Essensverkäufen. Selbstverständlich müssen auch nicht geringe Ausgaben abgedeckt werden: Die Gagen der Bands müssen bezahlt werden, das ganze Gelände muss hergerichtet werden, Personal will bezahlt werden und vieles mehr. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die Veranstalter mit dem Wacken Open Air einen nicht allzu geringen Gewinn machen dürften. Warum also wird ein Teil dieses Gewinns nicht zugunsten der Festivalbesucher in eine bessere Infrastruktur investiert?

Die Bilder des diesjährigen Festivals, das sich in eine Schlammschlacht sondergleichen verwandelt hat, dürften zur Genüge aus der Presse bekannt sein. Sämtliche Fußwege – von den wenigen befestigten Wegen einmal abgesehen – hatten sich nahezu durchgehend in Matschlandschaften verwandelt. Ganz besonders schlimm war dies an den Hauptzugangspunkten vom Camping- zum Festivalgelände. Zwar waren die Bemühungen der Veranstalter, das Matschinferno einzudämmen, erkennbar, beispielsweise wurden stellenweise Holzspäne auf den Wegen verstreut und Traktoren versuchten, den Boden zu festigen, doch waren diese keineswegs ausreichend. Man könnte nun behaupten, es sei ja nicht damit zu rechnen gewesen, dass das diesjährige Wacken Open Air von solch einem Unwetter heimgesucht würde, doch ich möchte daran erinnern, dass sich bereits zuletzt im Jahre 2012, das ganze Gelände in eine Schlammarena verwandelt hatte. Diese war zwar – wie ich aus meiner persönlichen Erfahrung behaupten möchte – weniger katastrophal als in diesem Jahr, doch kann den Organisatoren daher kaum unbekannt sein, welche Auswirkungen starker Regen auf das Veranstaltungsgelände hat. Warum also nicht einen Teil des eingenommenen Geldes nutzen und wenigstens die Hauptzugangswege befestigen? Man könnte an dieser Stelle natürlich einwenden, dass zum Einen bereits mehrere befestigte Straßen existieren und zum Anderen die Festivalfläche normalerweise landwirtschaftlich genutzt wird. Diesem ist zu entgegnen, dass die wenigen existenten Straßen den 25 von A bis Y benannten Campingflächen keineswegs gerecht werden und den üblicherweise auf den Wiesen weidenden Rindern ein bisschen Asphalt an der einen oder anderen Stelle wohl kaum schaden dürfte. Darüberhinaus könnte man in Erwägung ziehen, nicht nur das Festivalgelände, sondern auch das Campinggelände mit einer Drainage auszustatten.

Nicht zuletzt möchte ich noch ein wenig Kritik an der sanitären Situation auf dem Wacken Open Air äußern. Wohin man auch blickt, überall sieht man – vornehmlich männliche – Festivalbesucher, die sich überall erleichtern (am Wegesrand, mitten auf dem Weg, auf dem Campinggelände, an das Auto des Nachbarn, auf dem Festivalgelände…), nur nicht an einem dafür vorgesehenen Ort. Dies mag zwar einerseits an der Mentalität des jeweiligen Metalfans liegen, andererseits jedoch auch an der Toilettensituation. Auf dem Festivalgelände mag die Toilettendichte zwar ausreichend sein, doch gerade auf den Campingplätzen eher weniger. Insbesondere für mich als weiblichen Metalhead, der leider nicht an jeder beliebigen Stelle sein Geschäft verrichten kann, ist dies ein großes Manko. So habe ich mich am Mittwochmorgen auf der Suche nach einer Batterie von Dixi- Toiletten zunächst zu einem Mast, der mit dem Buchstaben des Campingplatzes markiert war,
begeben, da ich aus meinen vorherigen drei Wacken-Besuchen in Erinnerung hatte, dass sich an jener Stelle üblicherweise Toiletten finden ließen. Leider stieß ich dort jedoch nur auf einen Frühstücksstand. Auf dem benachbarten Campingplatz hingegen, auf den ich mich bei meiner Suche schließlich verirrte, entdeckte ich – Odin sei Dank – an jener Stelle wirklich sanitäre Anlagen.

Zurück zu meinem eigentlichen Bericht und dem Ende meines in diesem Jahr recht bedauernswerten Wacken-Aufenthaltes. Wir erinnern uns – ich hatte mich aufgrund des Unwetters in ein Auto begeben und wartete darauf, dass der Regen endlich nachließ. Nachdem ich einige Stunden lang vergeblich dort ausgeharrt hatte, beschloss ich, mich zum Schlafen in mein Zelt zurückzuziehen. Leider musste ich feststellen, dass dieses dem Regen, obwohl ich es vorher imprägniert hatte, nicht standgehalten hatte und mein sämtliches Hab und Gut durchnässt war. Dies resultierte in einem meiner berüchtigten Wutausbrüche und dem Entschluss, gemeinsam mit drei Freunden, denen Ähnliches widerfahren war, die Operation Wacken in diesem Jahr vorzeitig zu beenden. Bei all meiner Liebe zum Metal und obwohl gerade ich es war, die in der Woche vor dem Festival beschlossen hatte, dass wir unmöglich am Samstagabend schon nach Hause fahren könnten, weil ich unbedingt noch Shining sehen wollte, die am frühen Sonntagmorgen auftraten, schien mir ein dritter, völlig verregneter, nasskalter Tag nach einer weiteren Nacht ohne Schlaf unerträglich, insbesondere in Anbetracht der in der darauffolgenden Woche anstehenden Uni- Klausuren, sodass ich – im wahrsten Sinne des Wortes – betrübt das Feld räumte.

Ein kleiner Disclaimer noch: Ich habe in diesem Beitrag lediglich meine eigenen Erfahrungen und Gedanken geschildert. Es ging mir hierbei nicht darum, das Wacken Open Air schlecht zu machen, sondern ich habe nur einige mir gravierend erscheinende Schwachstellen in der Organisation kritisiert. Nichtsdestotrotz werde ich im kommenden Jahr wohl nicht wiederkommen, sondern stattdessen meiner Meinung nach bessere und besser organisierte Festivals wie das Summer Breeze, das Rockharz und das Party.San besuchen. Um dies zu begründen, müsste mein Artikel allerdings mehr als doppelt so lang werden wie geplant, also sei dies auf ein andermal vertagt.

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Rob Vegas

Bügerlich als Robert Michel unterwegs. Seit 2003 als "Rob Vegas" aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Social Media Manager, Autor und Moderator. Twittere unter @robvegas nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Aktiv für verschiedene Marken als Social Media Manager und ein großer Fan von Nintendo, Coca Cola und HUAWEI Smartphones. Mein Profil bei LinkedIn. Das Buch "Ich, Harald Schmidt" bei amazon. Die BuzzFabrik. Kontaktdaten .

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