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Twitter: Reichweite vs. Verfolger

Twitter hat sich in den letzten Monaten rasant verändert und wendet sich mehr und mehr dem Massenmarkt zu. Diese Entwicklung ist für ein weiteres Wachstum notwendig, doch verändern sich damit auch Gewohnheiten bei den Nutzern.

Warum folge ich Dir?

Früher war nicht alles besser. Es war bestenfalls anders. Auf Twitter folgte man zu dieser Zeit aber leichter neuen Personen. Man erblickte einen humorigen, feingeistigen, oder informativen Tweet und verfolgte nun den bisher unbekannten Nutzer. So konnte man mit einem guten Eintrag viele neue Verfolger sammeln. Zuwachsraten von 100 neuen Verfolgern pro Woche waren hier keine Seltenheit. Ich selbst habe so über viele Jahre den Fake-Account von Harald Schmidt (@bonitotv) auf Twitter aufgebaut. Dank Erwähnung in der Presse konnte man sogar noch mehr Verfolger sammeln. Mittlerweile ist dieser Trend eingeschlafen. Ich kann meine Beobachtung nicht durch Studien und Fakten belegen, doch ich beobachte die Plattform seit Jahren. Das Verhalten der Verfolger hat sich grundlegend verändert.

Mehr geht nicht.

Ich habe es auch schon an mir selbst gemerkt. Meine Timeline ist gesättigt. Ich kann nicht noch einmal 300 Profilen folgen. Dann wird die Timeline zu einem reißenden Fluss und ich verpasse lauter gute Einträge. Insofern wird man langsam müde bei der Verfolgung neuer Accounts. Vor allem hat man sich über die Jahre eine Art Dorf aufgebaut. Man kennt die üblichen Verdächtigen, hat seine Kontakte im Abo und erhält über Multiplikatoren sowieso die angesagten Retweets.

Warum verfolgen? Es gibt doch Retweets.

Der Retweet ist die beste Werbung für ein neues Profil. Hier erlangen auch unbekannte Profile schnell ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Normalerweise würde man diese Profile nun bei einem tollen Eintrag abonnieren, doch hat sich hier ebenfalls die Haltung der Nutzer verändert. Man sieht diese Retweets, retweetet und favorisiert sie umgehend und ist nicht mehr sonderlich am Autor interessiert. Der Retweet kann heute einfach nur ein OneHitWonder auf Twitter sein. Kommen da in Zukunft noch mehr von diesem Nutzer, so kann man das Profil immer noch abonnieren. Kleine Accounts erhalten zwar so schnell eine große Reichweite, doch verfolgen weniger Nutzer das Profil auch dauerhaft. Ein schnelles Wachstum ist damit fast ausgeschlossen. Tweets sind einfach digitale Kamelle geworden. Sie tauchen in Online-Nachrichtenseiten auf, werden gesammelt präsentiert und sind Beiwerk zu jedem Artikel auf.

Reichweite ist wichtiger als Verfolgerzahlen.

Verfolgerzahlen waren gestern. Es ist heute nicht mehr wichtig 20.000 Verfolger auf Twitter zu haben. Es gibt stattdessen schon lauter reichweitenstarke Profile. Vielleicht liest Armin Rohde (@arminrohde) einen Retweet von mir, retweetet ihn selbst und schon hat ein unbekanntes Profil eine maximale Reichweite erzielt, obwohl es nur von 80 Leuten verfolgt wird. Als Fake-Harald habe ich einmal einen Tag lang Accounts von Buchhandlungen präsentiert. Auf einen Schlag war damit die Reichweite der Mini-Profile um 65.000 Leser höher. Der neue Account der Rob Vegas Show konnte in den letzten Monaten ca. 1000 Verfolger sammeln. Ich hatte mir die Zuwachsraten deutlich höher ausgemalt. Immerhin konnte ich das junge Profil über @robvegas und @bonitov vom Start weg retweeten und damit bewerben. Dieses Zusammenspiel sieht man häufig auf Twitter. Profile mit großer Reichweite bewerben eigene Accounts über gegenseitige Erwähnungen. Nur war meine innere Enttäuschung vollkommen falsch. Der neue Account (@robvegasshow) hat mittlerweile die gleiche Reichweite wie die Hauptprofile von mir. Harald Schmidt retweetet zum Beispiel den Gag und schon sind 100 Retweets da. Die Verfolgerzahl hat hier überhaupt keine Relevanz für eine Reichweitenmessung. Ich könnte morgen einen neuen Account für fade Obstsäfte eröffnen und sofort ein großes Publikum über bestehende Reichweiten erreichen. Dafür bräuchte der neue Account nicht einmal einen einzigen Verfolger.

Der Massenmarkt kommt.

Neue Nutzer regelmäßig am Freitag den eigenen Nutzern empfehlen? Das ist schon eine sehr alte Tradition auf Twitter. Man erkennt an dieser Routine Nutzer wie mich. Die Omis und Opis der 140 Zeichensprache. Dank Presse, Promis und Podolski folgt man heute den Superstars. Man abonniert einfach seine liebsten Promis und will die neuen Instagram-Fotos liken. YouTube-Stars hauen selten ironische Sprüche heraus, aber nutzen den Dienst für eine Kommunikation mit den Zuschauern. Sie nutzen es für Interviewstunden, setzen mit ihrer Followerpower humorige Hashtags und weisen auf neue Uploads hin. Man folgt Promis, Hollywoodsternchen und Fußballern. Die Presse erfreut sich am Hype und den kostenlosen Fotos der Stars. Das ist vollkommen legitim und natürlich, doch rückt damit der Fokus hin zu einem Abomodell für Stars und Sternchen.

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Hashtags statt Wachstum

Man muss also gar nicht mehr unbedingt neue Verfolger sammeln. Stattdessen kann man einfach an aktuellen Themen über die Hashtags teilnehmen. Social Media Manager versuchen hiermit ebenfalls die Firmenaccounts näher an das Publikum zu bringen. Da wird zu #wettendass gezwitschert, das Fußball-Spiel analysiert und die Bundeswehr auf die Schüppe genommen. Hier kann man einfach die Twitter-Suche als Lieferanten für interessante Tweets nutzen. Ich muss gar nicht mehr den einzelnen Profilen folgen, sondern kann mich eine Stunde lang in einen Hashtag einklinken. Ein Thema wird eröffnet, alle teilnehmenden Profile nutzen den Hashtag und Verfolgerzahlen sind vollkommen irrelevant. Der Hashtag erzeugt hier die Reichweite und befördert nicht selten unbekannte Accounts in den Retweet-Himmel.

Die Denke muss sich ändern.

Verfolgerzahlen sind einfach keine Aussage mehr über die tatsächliche Reichweite eines Accounts. Bestenfalls Hollywoodsternchen können darüber ihren aktuellen Marktwert abchecken. Twitter hat sich weiterentwickelt. Es gibt heute einfach sehr viele reichweitenstarke Profile und sie können jeden Tweet mit einem Schlag an tausende Verfolger weiterleiten. Dank der Hashtags und der Twitter-Suche macht das Sammeln von Verfolgern daher kaum noch Sinn. Bestenfalls Social Media Manager und Firmen brauchen diese Zahlen für ihre Kunden. Aussagekräftig ist die Zahl der Verfolger aber schon lange nicht mehr.

Update

Solche Artikel werden normalerweise nur von einer Minderheit innerhalb der Twittergemeinde interessiert gelesen. Es ist kein humoriger Artikel, keine Sammlung von lustigen Bildern, sondern Hintergrundinformation. Nur hat dieser Artikel die hier beschriebene Sichtweise soeben bestätigt. BILD.de hat den Artikel kurz nach der Veröffentlichung heute verlinkt. Reichweite kann heute also sehr verrückt zustande kommen.

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Rob Vegas

Bügerlich als Robert Michel unterwegs. Seit 2003 als "Rob Vegas" aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Social Media Manager, Autor und Moderator. Twittere unter @robvegas nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Aktiv für verschiedene Marken als Social Media Manager und ein großer Fan von Nintendo, Coca Cola und HUAWEI Smartphones. Mein Profil bei LinkedIn. Das Buch "Ich, Harald Schmidt" bei amazon. Die BuzzFabrik. Kontaktdaten .

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