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Revolution? Google Chromecast

Wieder einmal wird die Revolution im Wohnzimmer ausgerufen. Dieses Mal soll ein Stick für unter 50 Euro die Welt vor dem Sofa verändern. Vielleicht ist es aber auch nur Evolution?

Blogger und Journalisten teilen sich ein gemeines Problem. Sie müssen eine Art von Spannung schon in der Überschrift entfachen. Den Leser für ein Thema auf der eigenen Seite gewinnen. Beim aktuellen Thema muss nun die Revolution für diesen Zweck oft herhalten. Das Wohnzimmer ist schon seit spätestens 2006 Kampfzone der Elektronikkonzerne. Hier tappe ich schon selbst in die Falle. Der Fernseher und die angeschlossenen Geräte waren nämlich auch schon zuvor immer heiß umkämpft.

 

VHS? Beta? DVD? VCD? Sat? Kabel? Plasma? LCD? Viele Kriege wurden schon im Wohnzimmer geführt. Scheinbar sind wir als Zuschauer permanent im Krieg. Der Feind aller Konzerne und Medien? Das Fernsehen. Dabei ist Fernsehen an sich schon einmal gar kein Gerät. Vielmehr ist es Programm und wird von Anstalten versendet. Alle unsere Boxen und Kabel daheim empfangen es nur. Doch sind die Sender immer die Verlierer in jenem Krieg. Das Programm sei zu schlecht und das Internet würde jetzt sowieso frischen Wind auf die Mattscheibe wehen. Jetzt auch noch über einen HDMI-Stick von Google.

Chromecast soll jeden Fernseher zum SmartTV erwachsen lassen. Dabei unterstützt Google nicht nur die eigene Plattform, sondern geht über Chrome sogar den Weg zu iOS, Mac und Windows. Von so ziemlich allen Geräten kann man nun Inhalte auf den Fernseher werfen. Damit hat das klassische Fernsehen endgültig ausgedient! Hier wird halt aus einem Stick ein Hype. Denn so ein Stick ist noch keine Revolution. Vielmehr sind es wie immer die Inhalte und das Verhalten der Zuschauer. Hier ändern sich Kleinigkeiten schnell und manche Dinge so gut wie nie.

Als Digital Native, Millenial und Blogger interessiert mich diese Lösung von Google natürlich. Damit bin ich aber schon fast eine Randgruppe und schutzwürdig. Nerds und Blogger kaufen sich diese Geräte. Eine echte Minderheit in der konsumierenden Gesellschaft. Nur berichten wir halt über solche Produkte und die klassischen Medien nutzen es dann gern als Aufhänger für einen Artikel. „Stirbt das Fernsehen durch Chromecast?“ – ist natürlich eine nette Schlagzeile. Nur ist es deshalb noch lange nicht wahr. Vielmehr hängen an meinem Fernseher mittlerweile zahlreiche HDMI-Kabel und Geräte. Alle fetzen sich um die wenigen Stecker am Gerät. Was auch wahr ist? Ich schaue trotzdem noch sehr viel klassisches Fernsehen.

Chromecast vereinfacht komplizierte Vernetzung. Richtig und erstaunlich günstig von Google angeboten. Nur ist Fernsehen weitaus mehr als nur eine Digitalisierung. Es sind Sehgewohnheiten und ich selbst habe in den letzten Jahren viel über dieses Thema gelernt. 2006 war YouTube schon eine Revolution und Fernsehen weg vom Fenster. Die Wahrheit liegt aber zwischen den ganzen Wegen. Fernsehen ist auf 45 Minuten Material aus. Fernsehen ist obgleich seiner miesen C-Promis auf qualitative Beiträge ausgerichtet. Es gibt im Netz schlichtweg keine ausführlichen Tagesthemen mit so viel Material aus aller Welt in einer täglichen Form. Fernsehen bietet rund um die Uhr Filme, Serien und Information. Nicht nur drei Minuten bei einer aktiven Auswahl durch ein eher faules Publikum.

Zuschauer wollen abschalten. Sie wollen nicht permanent neue Inhalte auf den Schirm werfen. Fernsehen? Das ist Zapping. Hoch, runter und irgendwo hängenbleiben. Da gibt es Formate mit Stunden an Unterhaltung. Noch wichtiger? Dahinter steht ein funktionierendes System mit Budgets. Diese ermöglichen dann eben jenes Programm. Ohne zahlende Sender gäbe es halt gar kein „Breaking Bad“.

Hier wird meiner Ansicht nach immer wieder ein Denkfehler begangen. Fernsehen ist und bleibt das Killerfeature im Wohnzimmer. Der Tatort belegt es jede Woche neu. Was sich verändert hat? Die Sehgewohnheiten durch das Netz. Wir wollen nun auch Clips sehen und Fotos und App-Inhalte auf den großen Schirm werfen. Oftmals sind nur eben jene Inhalte von unseren Smartphones oft intimere Inhalte. Es sind schlichtweg private Inhalte. Möchte man seine komplette Fotosammlung allen Menschen auf dem Fernseher zeigen? Man möchte wohl eher die Möglichkeit dazu haben. Alle diese Möglichkeiten sind optionaler Natur. Mal ein Spiel spielen. Mal ein Foto groß sehen. Mal schnell den großen Schirm nutzen.

Diese oft propagierte Revolution ist eine ganz normale Evolution der Geräte. Sie sind nicht mehr dumm und kennen nur einen Weg. Sie kennen nun höhere Auflösungen und sie kennen langsam Inhalte aus dem Internet. YouTube auf dem Fernseher? Oft probiert und doch ist das Nutzererlebnis am Desktop viel stärker. Hier kann ich den Inhalt gleich im Netz teilen, erhalte ihn oftmals erst durch soziale Netzwerke und kann ihn dann dank der klassischen Tastatur kommentieren und verbreiten.

Aber die Konkurrenz ist doch da! Serien und Filme streamen! Natürlich ist das Konkurrenz. Nur war diese Konkurrenz schon vor dem Chromecast vorhanden. Ich habe mir schon vor Jahren DVDs ausgeliehen. Ich habe Filme über AppleTV ausgeliehen. Ich schaue nur deshalb nicht unbedingt mehr Inhalte. Ich konsumiere sie ein ganz wenig anders. Die Wahrheit? Oftmals sind mir 2,99 Euro für einen Film bei Apple auch einfach für einen Abend auf der Couch zu teuer. Dann wieder auf den HDMI-Kanal schalten, Passwort bestätigen und Film auswählen. Ist noch Geld auf der Kreditkarte? Guthaben-Karte beim Rewe holen? Oder vielleicht doch einfach schauen was im klassischen Fernsehen gerade so läuft? Genau. Der Zuschauer bleibt oftmals faul.

Revolution? Chromecast? Wohl eher die ganz normale Evolution der Flimmerkiste.

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Rob Vegas

Bügerlich als Robert Michel unterwegs. Seit 2003 als "Rob Vegas" aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Social Media Manager, Autor und Moderator. Twittere unter @robvegas nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Aktiv für verschiedene Marken als Social Media Manager und ein großer Fan von Nintendo, Coca Cola und HUAWEI Smartphones. Mein Profil bei LinkedIn. Das Buch "Ich, Harald Schmidt" bei amazon. Die BuzzFabrik. Kontaktdaten .

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