Digitale Wildwasserbahn

Normalerweise arbeitet das Netz ziemlich einfach. Jemand erstellt eine Webseite mit Informationen und der Nutzer ruft diesen Inhalt auf. Durch Suchmaschinen wie Yahoo und Google konnte der Nutzer nun immer mehr Inhalte aufrufen, vergleichen und überhaupt erst einmal finden.

An diesem Spiel hat sich in den letzten Jahren nicht viel verändert. Die Seiten wurden durch den Einsatz von Flash, Video, Ajax etc. hübscher und die Bandbreiten der Nutzer größer. Durch das Web 2.0 wurde außerdem das Erstellen von Inhalten vereinfacht und massiv beschleunigt. Ein Blog kann sich heute jeder User innerhalb von ein paar Minuten erstellen und braucht dafür keinerlei Programmierkenntnisse.

Doch gerade in den letzten Monaten hat sich dieses Verhältnis verändert. Das Netz wirkt nicht mehr so statisch wie einst. Große Seiten und Portale verknüpfen sich über Schnittstellen und gestatten den Zugriff auf ihre Dienste durch mobile Endgeräte.

Ein Beispiel:

Vor zwei Jahren hätte ich einen Blogartikel geschrieben, ein Video von YouTube eingefügt und veröffentlicht. Die Nutzer wären via Google darauf aufmerksam geworden (oder sie besuchen die Webseite regelmäßig) und einige hätten meinen Eintrag im vorgesehenen Bereich kommentiert.

Heute erscheint der Link zu meinem Artikel automatisch in meinem Twitterprofil, wird dort widerum zitiert, kommentiert, aufgerufen, bei Facebook als Video eingefügt und gleichzeitig auch noch angesehen. Die von mir erstellte Information wird sofort in einer Art Wildwasserbahn mitgerissen und hat gute Chancen von viel mehr Leuten Beachtung zu finden. Man könnte das auch einen Stream nennen. Alles reiht sich an einem laufenden Band ein und wird verändert und kommentiert.

Zum Beispiel habe ich vor kurzem die Sendung von Maybrit Illner als Livestream im Internet verfolgt. Ich musste aber zwischendrin los und dachte an Twitter. Es würde mich schon jemand informieren, wenn meine Frage an die Kanzlerin gezeigt wird. Vom Desktop ins Auto und via Smartphone und blinkender LED ahnte ich an der Tankstelle schon was im Netz gerade passiert.

Ich finde diese Entwicklung ungeheuer spannend, weil es für mich einfach noch nicht selbstverständlich ist. Ich denke als Nutzer noch immer darüber nach wie das eigentlich alles funktioniert? Warum ich überhaupt so schnell über mein Handy meine Videos auf YouTube zeigen kann? Das ist wahnwitzig! Und die heutigen Kinder werden diese Möglichkeiten als Selbstverständlichkeit wahrnehmen und gar nicht mehr darüber nachdenken. Papa twittert wieder…wie OLDSCHOOL!

Vor allem aber ist es nicht mehr nur wichtig ein gutes Blog/Webseite zu führen. Ohne Facebook, Twitter, MySpace, XING und ohne den mobilen Zugang ist man fast schon zu langsam für das Netz und andere Angebote sind durch die Nutzung der verschiedenen Dienste auch in Kombination deutlich schneller und attraktiver.

Eine Sache noch: Natürlich gibt es auch noch den Frontpage 98 Nutzer, welcher kein Twitter nutzt, kein Blog führt und am liebsten kurz in einem Chatraum verschwindet. Aber genau das gehört auch dazu! Alles zusammen ergibt einen riesigen Strom mit langsamen Gewässern, Stauseen und reißenden Stromschnellen.

Das Internet.

Bügerlich als Robert Michel unterwegs. Seit 2003 als "Rob Vegas" aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Social Media Manager, Autor und Moderator. Twittere unter @robvegas nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Aktiv für verschiedene Marken als Social Media Manager und ein großer Fan von Nintendo, Coca Cola und HUAWEI Smartphones. Mein Profil bei LinkedIn. Das Buch "Ich, Harald Schmidt" bei amazon. Die BuzzFabrik. Kontaktdaten .

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