Filmkritik zu „Mord im Orient-Express“

Mord im Orient-Express
© Twentieth Century Fox

Eine legendäre Erzählung, ein großes Star-Ensemble und der titelgebende Orient-Express im Schneetreiben. Diese delikaten Zutaten versprechen einen recht winterlichen Cocktail ohne Enttäuschungen. Oder etwa doch? Steigen wir ein und lassen uns überraschen.

Im Zug und im Schnee

Klassisch. Ruhig. Traditionell. All diese Verben verband ich als sich die Leinwand öffnete und die ersten Minuten von „Mord im Orient-Express“ erschienen. Keine hektischen gar schnittigen Sequenzen, in der Studio und Cutter mir ein Actionfeuerwerk servieren wollen. Nein. Eher eine wohl temperierte Vorspeise mit sichtlicher Leidenschaft. Regisseur Kenneth Branagh, der zugleich die Hauptrolle übernimmt, beginnt nicht direkt in der Handlung sondern inszeniert einen recht amüsanten Prolog. Im fernen Jerusalem findet sich der vielleicht weltbeste Detektiv Hercule Poirot. Diebstahl eines wertvollen geistlichen Artefakts. Gleich drei Gläubige werden beschuldigt. Ein Konflikt steht bevor. Mit pointierten Spitzen sowie eindeutigen Fakten entlarvt Poirot letztendlich den Dieb und möchte sich danach eine wohlverdiente Auszeit im heimischen London gönnen. Branagh versteht es in vielen Ansätzen die Figur „Poirot“ als herzlich, witzig und vor allem menschlich zu erzählen. In kleinen Momenten blitzt sogar Komik á la Inspektor Clouseau auf. Nach und nach etabliert mit fein abgestimmten Szenen auch die anderen Hauptfiguren. Manche wichtiger, andere nur nebenbei.

Das wunderbare an „Mord im Orient-Express“ ist die ruhige gar klassische Erzählweise. Wir haben mehrere Plotpoints, die allesamt harmonisch ineinander spielen. Besonders die Sequenz im Bahnhof mit dem stehenden Zug ist hier an vielen Stellen wunderbar gelöst. Die Figuren bekommen so viel Screentime um interessant zu wirken, zudem alle eine feste Rolle haben. Da haben wir den Gangster Edward Ratchett (Johnny Depp), die Gouvernante Mary Debenham (Daisy Ridley), den Zug-Besitzer Hector MacQueen (Josh Gad) und die spanische Missionarin Pilar Estravados (Penélope Cruz). Sobald der Mord passiert ist, gibt es bemerkenswerte Aspekte. Zum einen spielt die Kamera gekonnt mit Perspektiven. Manchmal schauen wir von oben sprich Vogel-Perspektive zu, mal anders gleitet sie von Gesicht zu Gesicht. Dann ist es wiederum Poirot, der im Verlauf der Geschichte an Persönlichkeit einstecken muss. Diese wird zwar recht dramatisch, jedoch in gewissen Punkten besser inszeniert werden. Kleinere Action-Einlagen lockern die recht spannenden Verhöre auf. Da der gesamte Film eher Old-School präsentiert wird, passt es auch, dass der Score recht simpel daherkommt. Passend zum Geschehen bleibt aber farblos.

Mord im Orientexpress
62 Bewertungen
Mord im Orientexpress
  • Agatha Christie
  • FISCHER Taschenbuch
  • Auflage Nr. 4 (03.04.2006)

Unser Fazit zu „Mord im Orient-Express“

Branagh verpasst einen Zuschauern mit „Mord im Orient-Express“ einen recht winterlichen Ausflug in eine altbekannte Geschichte. Neben den zahlreichen Verfilmungen gibt es hier jedoch, die mitunter größten zeitgenössischen Schauspieler zu bewundern. Das macht wirklich Spaß und jeder, der die Handlung nicht kennt oder vergessen hat wird mit überraschter Miene den Kinosaal verlassen. Leider weicht das eher moralgeschwängerte Ende den bisher guten Film auf. Dennoch können wir, besonders nach kalten Wintertagen, diesen Film empfehlen.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Ja.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Mord im Orient-Express“ gibt es hier.

Dem Autor Benny Illgner jetzt auf Twitter folgen.
Die Spielkultur auf Facebook.
Spielkultur auf Twitter folgen.

Noch mehr aktuelle News, Trailer, Filmkritiken und die neuesten Infos aus Hollywood gibt es bei den Kino Gangstern auf Facebook!

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2010 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

Hier geht es weiter...