Thimbleweed Park im Test

Thimbleweed Park
© Terrible Toybox

Ein Point & Click Adventure funktioniert im Jahr 2017 nicht mehr? Falsch gedacht. Die Entwickler-Veteranen Ron Gilbert und Gary Winnick beweisen mit ihrem vor Wortwitz strotzenden Projekt, dass dieses Genre zeitlos ist. Unser Test zu Thimbleweed Park.

Notiz auf dem Bettle

In Pixelgrafik flackert unheimlich eine Lampe im Dunklen. Die Kamera fährt über ein gar friedliches Panorama vom Sichtpunkt einer alten Brücke entlang. Ein volltrunkener Obdachloser liegt mit seiner Pulle Whiskey am Fels und wenige Meter erscheint ein schlaksiger Mann, der hier ein Treffen erwartet. Schon sind wir mitten im Spiel. Gleich zu Beginn merkt man den Entwicklern an, dass hier keinesfalls nervige oder gar unnötige Entscheidungen gefällt werden müssen. Vielmehr holte man durch ein eigens gestartetes Crowdfunding via Kickstarter mehr als genügend Geld ein, um sich wieder ein Stück feinste Genre-Kost zu gönnen. Denn, im heutigen Zeitalter sind Adventure insbesondere „Point & Click“-Spiele ausgestorben. Zu schwierig oder nicht eingängig genug um junge Spieler weg von, im Vergleich, simpleren Shootern wegzulocken. Doch so ganz stimmt es nicht. Gilbert und Winnick haben mehr als genug für Adventure-Spiele getan um sie intuitiver für die jeweiligen Zielgruppen zu fertigen. So konnte man in „Monkey Island“, „Day of the Tentacle“ oder jetzt in Thimbleweed Park nicht sterben oder anders scheitern. Diese Änderung motivierte damals ungemein, heute wäre jede Missachtung Gift für den Spielspaß.

Oben bereits angeschnitten ist die Handlung eher Beiwerk. Viele Handlungsfäden werden mit Enthusiasmus aufgenommen und eben so schnell wieder fallen gelassen. Während unseres Tests bekamen wir oftmals das Gefühl, dass beide sich recht nicht entscheiden können, welche Geschichte nun besser ist. Beginnend mit dem Mord des schlaksigen Mannes und dem Zusammentrefen von Agent Reyes und Agent Ray am Tatort erleben wir wenig später die Story eines fluchenden Clowns und endet mit Geistern in einer halb zerstörten Fabrik. Was dem Spiel zur Hilfe springt, ist der geistreiche Wortwitz. Jedes Gespräch ist gespickt mit witzigen Anekdoten innerhalb der Spielwelt, Anspielungen der Popkultur sowie großartigen sarkastischen Untertönen von Gilbert selbst. Etwa wenn Agent Ray mit zwei Frauen in übergroßen Taubenkostümen über die Schwachstellen von LucasArts-Titeln diskutiert, ist dies mehr als hörenswert. Zumal es auch Gastauftritte aus anderen Spielen von Gilbert gibt.

„Die Steuerung war damals schon mies!“

Das Gameplay ist retro. Also so richtig retro gehalten. Mit dem Cursor durchstreifen, lenken und klicken wir uns das atmosphärische Abenteuer. Mit ganzen 9 Verben auf der linken Seite müssen wir umgehen. Das ist zwar schön im Zeitgeist geblieben, nervt jedoch besonders im allgemeinen Konsolen-Gameplay. Wir spielten es auf der Switch und bereits nach 2 Stunden war es zu mühsam mit dem Stick den Bildschirm abzusuchen. Wir empfehlen euch daher – die PC Version. Wo wir gerade dabei sind: Die Nintendo Switch-Fassung ist mit den anderen Plattformen identisch. Keine bessere Pixelgrafik oder sonstigen Schnickschnack. Nur ist dieses Abenteuer für unterwegs verfügbar und per Touchscreen bedienbar. Das könnte ein guter Kaufgrund sein.

Die Grafik ist wie gesagt mit Absicht einfach und im Pixel-Look gehalten, überzeugt jedoch weitaus besseren technischen Voraussetzungen wie klaren bzw. nicht verwaschene Texturen. Der Sound ist ebenfalls gelungen. Keine Midi-Melodien sind zu hören, sondern eigens dafür komponierte Stücke, die von unheimlich bis herrlich verspielt variieren. Diese wiederholen sich auch nicht als zu häufig. Für Adventure-Neulinge gibt es „Gemütlichen Modus“ hier sind alle wichtigen Verben markiert und können direkt betätigt werden. Das erleichtert viele Rätsel ungemein. Zudem kann man hier die Story genießen.

Tales of Monkey Island
89 Bewertungen
Tales of Monkey Island
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Unser Fazit zu Thimbleweed Park

Humorvoll, klassisch und mit einer gehörigen Portion Leidenschaft entwickelt. Das Spiel ist eine spielbare Verbeugung für das goldene Zeitalter der Adventures. Gilbert und Winnick lassen ohne Kompromisse eigene Kommentare einfließen, die mehr als gelungen sind. Für Freunde von gepflegten Point & Click empfehlen wir die Reise nach Thimbleweed Park.

Entwickler: Terrible Toybox – Preis: 19,99 Euro – Für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC – USK: ab 12

Ein Point & Click Adventure funktioniert im Jahr 2017 nicht mehr? Falsch gedacht. Die Entwickler-Veteranen Ron Gilbert und Gary Winnick beweisen mit ihrem vor Wortwitz strotzenden Projekt, dass dieses Genre zeitlos ist. Unser Test zu Thimbleweed Park. Notiz auf dem Bettle In Pixelgrafik flackert unheimlich eine Lampe im Dunklen. Die Kamera fährt über ein gar friedliches Panorama vom Sichtpunkt einer alten Brücke entlang. Ein volltrunkener Obdachloser liegt mit seiner Pulle Whiskey am Fels und wenige Meter erscheint ein schlaksiger Mann, der hier ein Treffen erwartet. Schon sind wir mitten im Spiel. Gleich zu Beginn merkt man den Entwicklern an, dass…
Humorvolles Point & Click-Adventure mit abgedrehten Figuren und klassischem Stil.

Thimbleweed Park (Nintendo Switch)

Spielspaß - 90%
Gameplay - 80%
Grafik - 85%
Technik - 60%

79%

Empfehlung!

Humorvolles Point & Click-Adventure mit abgedrehten Figuren und klassischem Stil.

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Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2010 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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