Warum man auf Influencer schimpft und sie dennoch braucht…

Influencer Marketing
Influencer Marketing

Influencer zu beschimpfen ist gerade richtig in Mode. Da kann man als Agenturboss und PRler vom Leder ziehen und irgendwem wird es schon gefallen. Das liegt zum Teil sicher auch an den vollkommen überzogenen Gehaltsvorstellungen der Influencer. Man sollte es sich aber mit Influencern nicht verderben.

Die Messbarkeit als Pferdefuß

Was bringen uns überhaupt diese Influencer? Man kann ja ihre Reichweiten oft nicht einmal genau beziffern! Dazu noch die falschen Zahlen, Fake-Follower und irgendwelche KPIs, welche am Ende auch nicht schlauer machen. Unmut herrscht da bei vielen Agenturen und Unternehmen in der Branche. Daneben schießen täglich zwanzig neue Agenturen aus dem Boden, welche ganze Netzwerke an Influencern im Paket anbieten. Irgendwo sind Influencer noch immer der große Hype, aber erzeugen gleichzeitig auch viel negativen Buzz. Dabei wird viel gelogen, noch mehr falsch gemacht und irgendwo brauchen sich dann doch alle Seiten für den Erfolg einer Kampagne. Ich selbst gelte mitunter als Influencer, Blogger, Fachpresse und Berater. Sucht sich jeder Mensch in der Szene anders aus. Allerdings kommen die älteren „Influencer“ auch meist aus dem Zeitalter der Blogs. Wir haben schon vor Jahren mit Agenturen und Kunden gearbeitet. Daher kennt man die Abläufe und wundert sich nicht selten über Kampagnen mit modernen Influencern. Allerdings muss man die Kirche auch im Dorf lassen. Messbarkeit bei Werbung ist an sich schon eine endlos große Lüge.

Was brachte denn klassische Werbung?

Haut man heute auf das Pack der dreisten und geldgeilen Influencer, so sehnen sich die Kritiker anscheinend nach der alten Zeit. Damals war ALLES messbar und ein Auftritt bei der Raffaello-Sommerparty extrem werbewirksam. Alles für den Eimer. Damals wurden Millionen an TV-Sender gezahlt und alle waren glücklich mit der tollen Quotenmessung im deutschen Fernsehen. Spezialagenturen deuteten den Werbeeffekt und nahmen nochmals Geld für diese Analyse. TV-Sternchen und Promis bekommen noch bis zum heutigen Tag abnorme Summen für die Werbeleistungen und tun dafür oft sehr wenig. Lena Meyer-Landrut ist sogar in beiden Welten unterwegs. Top-Influencerin im Netz und TV-Werbestar für Kosmetik. Das ist ein gigantisches Geschäftsmodell und man darf sie nur zu diesem cleveren Move beglückwünschen. Messbarkeit bei TV-Stars? Muss ja gigantisch sein, weil die Person ist im ganzen Land bekannt. Heute kann man schon besser messen und trotzdem müssen sich Influencer die Kritik anhören. Was war denn so viel messbarer in der Zeit von Print, Radio und TV? Man hat sich nur sehr viel einfacher belogen. Heute dagegen muss man auch irgendwie den Micro-Influencer bewerten und hypen, damit diese Gruppe auch Teil der Werbeindustrie werden kann.

Wir brauchen Influencer

Wir leben heute in einer verdammten Welt, welche eine Aufmerksamkeitsspanne von maximal fünf Sekunden auf der Toilette hat. Es gibt zu jedem Thema im Netz eigene Portale und Schreiber. Es gibt tausende von Marken, welche ebenfalls irgendwie wahrgenommen werden wollen. Radio, Fernsehen und Print sterben einen langsamen Transformationstod und werden Teil des Internets. Sie verlieren die Deutungshoheit und das Netz an sich ist der neue Place to be. Natürlich braucht es hier Marken und Menschen, welche irgendeine definierbare Masse an Lesern und Zuschauern beeinflussen können. Das nennt man dann „Influencer“. Es beschreibt lediglich eine Reichweite, welche an Menschen und Marken aufgehängt ist. Da gibt es Top-Marken, Special-Interest Seiten und Micro-Flitzpiepen. Selbst Spiegel Online ist ein Influencer, weil Menschen da täglich drauf gehen. Die sollten die Werbung auf ihrer Seite selbst nur viel teurer vermarkten. Es müsste viel teurer sein auf solchen Seiten zu werben, weil so viele Menschen täglich diese Seiten besuchen. Nur Spiegel Online erreicht meinen Papa. Da sind sie Top-Influencer.

In welchem Bereich brauchen wir Leute?

Diese ganze Influencer-Nummer wird nicht sterben. An diesem Begriff kann man sich auch zu schön reiben. Das macht ja auch Spaß und dutzende Diskussionen und Agenturen leben davon. Allerdings wird jede Branche und jedes Unternehmen seine Fürsprecher im Netz suchen müssen. Wahrscheinlich gibt es dann irgendwann sogar Influencer für Duschkabinenreiniger mit eigenem Kanal bei Instagram und YouTube. Das ist ganz normal. Nur sollte man nicht auf diese Influencer schimpfen. Die großen TV-Sternchen haben einst sehr viel mehr Zasta ohne Profil in den sozialen Medien abgeräumt. Das war nie anders und wird sich wohl auch niemals ändern.

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Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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