Filmkritik zu „Atomic Blonde“

Atomic Blonde
© Universal Pictures

Atomic Blonde: Charlize Theron, John Goodman und James McAvoy in einem der stylischsten Thriller der letzten Jahre. Angesiedelt im geschichtsträchtigen Berlin 1989 trifft knallharte Action auf undurchsichtige Figuren. Ob sich die Zeitreise lohnt, lest ihr hier.

Revolution im Kino

Ab und zu gibt es Filme, die mal aus dem ständigen Mainstream-Konzept ausbrechen. Anfang der 2000er waren es beispielsweise Animationsfilme wie „Toy Story“ oder „Die Monster AG“. Sie verstanden es erwachsene Geschichten kindgerecht zu erzählen und somit die gesamte Familie zu unterhalten. Damals noch relativ selten anzutreffen, laufen die Kinosäle fast über an Animationsfilmen. Man denke nur an die verlässlichen Cash-Cows wie „Ich – Einfach unverbesslich“ oder generell die Pixar/Dreamworks-Schmieden. Andere Genres die zwar immer irgendwie vorhanden waren, sind hier schwerer neu zu erfinden. Mag sein, dass Ridley Scott seine ewige Alien-Reihe mal mehr mal weniger gelungen mit ordentlich Schleim auf die Leinwand spuckt. Aber doch ist ein heutiger Kinogang nicht überraschend. Superhelden, Minions oder Til Schweiger. Mehr mag es nicht mehr zu geben. Meint man. 2013 erfolgte wieder Revolution im Kino. Die damalig zwei völlig unbekannten Stuntmänner Chad Stahelski & David Leitch gaben mit „John Wick“ ihr Regie-Debüt und zeigten dem Publikum wo der Hammer hängt. Mit wahnsinnig authentischen Action-Choreographien sowie wie einer Rolle wie für Keanu Reeves gemacht, spielten sie mit ihrem Film rund 88 Millionen ein. Wohl gemerkt bei „nur“ 20 Mio. Budget. Also ein respektabler Erfolg. Kein Wunder, dass Atomic Blonde in eine ähnliche wenn nicht selbe Kerbe schlägt.

Berlin 1989: Die Fronten zwischen West-Deutschland, DDR und Sowjet-Union sind verhärtet. Das Volk auf beiden Seiten im Kollektiv kraftvoller und freiheitsuchender wie nie zuvor. Erschwerend dazu kommt, dass ein Microfilm aufgetaucht ist, der Klarnamen aller Agenten bindet und so den dritten Weltkrieg auslösen kann. Für den MI5 also Grund genug ihre beste Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) an die Berliner Mauer zu schicken. Einerseits um mit Kollege David Percival (James McAvoy) besagtem Microfilm zu sichern und andererseits Information zu sammeln. Die Handlung wird insgesamt als großer Flashback für den Zuschauer erzählt. Merkbar körperlich mitgenommen wird sie in London von Chef Eric Gray (Toby Jones) sowie CIA-Agent Emmett Kurzfeld (John Goodman) verhört. Bereits zu Anfang wird klar, dass „Atomic Blonde“ in einer anderen Zeitlinie als unserer spielt. Auch ist das Setting eines umbrüchigen Berlins im Jahr 1989 wirklich unverbraucht und kann in vielerlei Hinsicht überzeugen. Regisseur David Leitch paart in wunderbarer Weise nüchterne Bilder mit (obacht!) deutschem Soundtrack á la „99 Luftballons“ oder auch „Major Tom“ von Tom Schilling, was einem im Kino sicherlich dem ein oder anderen Schmunzler bietet. Wenn auch die Story stringent erzählt wird, verwirrt sie teilweise. So kommen in zwei Szenen rund ein Dutzend Namen vor, die man schon im Vorfeld hörte aber sie nicht zuordnen kann. Darüber hinweg hilft eine selten so attraktiv spielende Charlize Theron, jene zwar in kleinen Szenen ihre tragische Seite präsentieren darf jedoch allgemein ihrer wenig ausgearbeiteten Figur treu bleibt. James McAvoy enttäuscht auch hier nicht. Als undurchsichtiger Agent lässt er flotte Sprüche ab und überzeugt bis zum Ende mit seinen Aktionen. Leider wurde John Goodman wenig Screentime eingeräumt, dennoch nutzt er jeden Moment. Fun Fact am Rande, Til Schweiger sieht in jedem einzelnem Film gleich aus. Auch hier in der Rolle als „Watchmaker“ könnte er auch nebenan im Tatort ermitteln. Trotzdem macht er seine Sache gut.

„Ich verfolge nur meine Feinde.“

Die gut gemachten Action-Sequenzen sind jeweils ausgezeichnet inszeniert und erinnert nicht selten an Genre-Perlen wie „The Raid“ in ihrer Kompromisslosigkeit. Im Trailer waren Ansätze erkennbar, die jedoch der komplette Film mit allen Nuancen nutzt. Da wird eine großangelegte Zivil-Demo für Rettungsaktionen genutzt oder laut aufgedrehte Soundanlagen als Ablenkung für nahende Polizisten. Im letzten Drittel gibt es eine hervorragende Plan-Szene die rund fünf Minuten dauert – Hier kämpft sich Theron durch ein Treppenhaus und hinterließ bleibenden Eindruck. Der Score reiht sich mühelos in das filmische Konstrukt ein und spielt mit NDW-Klassikern und typischen Elektrobeats.

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Unser Fazit zu „Atomic Blonde“

„Atomic Blonde“ ist die logische Fortsetzung zu „John Wick“. Wobei beide in völlig anderen Universen spielen, überzeugt der Stil. Die Darsteller machen allesamt einen sauberen Job, Enttäuschungen gibt es keine. Der Film lebt von seiner herausragenden Hauptrolle, handgemachter Action plus elektrisiertem Soundtrack und dem unverbrauchten Setting. Schwarzer Humor inklusive. Jeder, der John Wick im Ansatz gut fand und mit einer teils wirren Story leben kann, empfehlen wir einen Kinogang.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Atomic Blonde“ gibt es hier. Kinostart ist 24. August.

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Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2010 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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