Prey im großen Test

Prey
© Bethesda

Ein schiefgegangenes Experiment und ein leitender Wissenschaftler ohne jede Erinnerung – ein perfekter Sci-Fi Hit? Prey überzeugt mit dunkler Atmosphäre und so manch innovativem Gameplay-Element. Unser Test zum Weltraum-Blockbuster.

Fortsetzung oder Reboot?

Lichter flackern in engen Korridoren. Gegenstände liegen verstreut auf dem Boden, während eine übel zugerichtete Leiche mit ausgestrecktem Arm nach etwas zu greifen versucht. Blitzschnell huscht jedoch ein nicht identifizierbares Wesen von links nach rechts. Was ist hier nur los? So muss sich wahrscheinlich für den Hauptprotagonisten Morgen Yu anfühlen, wenn er im Sci-Fi Horrortitel „PREY“ die Raumstation Talon I durchstreift. Doch fangen wir zuerst mit der Geschichte um Prey an. Denn das Spiel hatte ein sehr bewegte Vergangenheit. 2006 als reinrassiger Ego-Shooter vom Studio 3DRealms veröffentlicht, galt es mit dem Cherokee Tommy seine von Aliens entführte Freundin im riesigen Alienraumschiff zu retten. Nicht unkreativ, standen Perspektivenwechsel und abgedrehtes Leveldesign auf dem Tagesprogramm. Quasi Duke Nukem ohne Machoallüren oder verkleideten Kampfschweinen. Rund drei Jahre später wurde die ganz offiziell die Fortsetzung angekündigt samt schon fertigen Teaser. Auch sollte sich hier das Setting grundlegend ändern und wir wären ein Kopfgeldjäger im Weltall inklusiver Open-World gewesen. Klang eigentlich ganz interessant. Nach einem schweren Zerwürfnis zwischen den Entwicklern von „Human Head“ und Publisher Bethesda lag der Titel auf Eis. Nun wurde schlicht mit Prey ein Reboot gestartet.

Zur Handlung: Morgen Yu ist leitender Wissenschaftler auf der Raumstation Talos I. Seit mehreren Jahrzehnten in einer anderen Zeitlinie forscht die Menschheit mit einer Alienrasse namens „Typhon“, die zuvor die Erde angegriffen haben. Talos 1 sollte einerseits als Gefängnis und andererseits zur Forschung genutzt werden. Nach einem Zwischenfall brechen die Vereinigten Staaten das Programm ab und das private Unternehmen „TranStar Corporation“ finanziert das Vorhaben weiter. Im Jahr 2032 findet sich Morgen Yu auf der Raumstation wieder, aber ohne jede Erinnerung während ein sich ein Ausbruch der Typhon ereignet hat. Jetzt muss Morgan Antworten finden. Prey speist Spieler nicht mit einer halbwegs funktionierenden Storyline ab, sondern versucht mit falschen Fährten und eigener Interpretation sich zu präsentieren. Dies klappt auch. Da es schon in der kostenlosen Demo zu sehen war, ist es kein Spoiler. Der Twist, dass wir anfangs nicht auf der Erde sind, vielmehr auf der Raumstation gibt einen kleinen Vorgeschmack darauf, was das Spiel antreibt. Die Handlung legt ein gutes Tempo vor und verliert sich etwas an kleinen Eckpunkten. Zwischensequenzen werden klassisch aus der Ego-Perspektive erzählt. Durch Gespräche, gefundene Audio-Logs und E-Mails ergründen wir langsam die Geschehnisse hinter der Lage. Entwickler Arkane erschlägt uns zwar nicht wie damals bei Dishonored 2 mit Notizen aber dennoch lohnt sich das Lesen wegen neuen Nebenmissionen. Nur auf die sehr leidigen Hacking-Geschicklichkeitsanlagen hätten wir gerne verzichtet.

Was ist hier nur los?

Das Gameplay beschränkt sich wie angenommen nicht nur auf´s Ballern sondern besteht zum großen Teil aus Craften, Lagern und Erforschen unserer Spielwelt. Entwickler gaben sogar an, dass es möglich sei, das gesamte Spiel fast ohne einen getöteten Gegner durchzuspielen. Bereits nach kurzer Zeit wird dir klar, dass Prey kein Shooter sein möchte. Dies liegt am Shooter-Gameplay. Eigentlich jede feindliche Begegnung mit den Typhons endet im hektischen Gefuchtel mit dem Schraubschlüssel oder der Pistole. Zum einen, weil die Biester angrifflustig und flott unterwegs sind und zum anderen, weil das Gunplay doch alibihaft erscheint. Zoom bzw. Kimme & Korn ist nonexistent und Munition rar gesät. Schon mit 100 Patronen fühlt man sich unbesiegbar, doch eine Konfrontation könnte den Vorrat schnell schrumpfen lassen. Das Balancing sollte Arkane dringend überarbeiten. Schon auf dem ersten Schwierigkeitsgrad „Leicht“ werden Fehler selten verziehen und Kämpfe fühlen sich zu schwer an. Wie beschrieben, erforschen wir meistens die Spielwelt. Sammeln dabei Elektroschrott, Medi-Kits und neue Waffen. Wie zum Beispiel die „Gloo-Kanone“ mit ihr verschießen wir schnelltrocknenden Schaum, mit dem wir entweder Gegner lähmen können oder uns Treppen zu höher gelegenen Ebenen bauen. Elektroschrott stecken wir einfach in den Recycler und verwerten diese dann, um Munition & Waffen herzustellen. Ein obligatorisches Upgrade-System ist ebenso vorhanden. Neben besserer Gesundheit können wir später auch Alien-Fähigkeiten erlernen. Nur stellt sich die Frage: Wie viel unserer Menschlichkeit geben wir dafür auf und ist das vielleicht der Grund für das Chaos hier? Ja, hier schwingt eine gute Portion von System Shock mit.

Talos I ist eine wirklich detailreiche Spielwelt geworden. Die Arkane Studios haben sich wirklich von ihrem letzten Titel etwas inspirieren lassen. Art Déko Ambiente trifft auch zukunftsferne Korridore mit allerhand Technik. Zudem wird hier nicht mit simplen Jumps Scares wie anno dazumal Doom 3 gearbeitet sondern unsere Feinde durchstreifen ganz offen die Raumstation. Wobei die kleinsten Mimics hier am gefährlichsten sind. Denn ihre Fähigkeit sich in alle nmöglichen Gegenstände wie Tassen oder auch Waffen zu verwandeln für gehörigen Nervenkitzel sorgt. Trotz aller Frustmomente und Gruselatmo zeigt Prey in Sachen Grafik wirklich schöne Einblicke. „LoD“ = Level of Detail ist hoch, sodass wir kleinste Schriften wunderbar lesen können. Die hier verwendete Grafik-Engine „CryEngine“ zaubert tolle Momente wie schön anzusehende Feuereffekte. Fehler wie Frame-Rate Einbrüche oder Tearing konnten wir unserem Test nicht feststellen. Wo wir gerade bei Effekten sind, der Sound überzeugt in vollen Maßen. Brachial brechende Schläge oder leise Schritten kommen perfekt zur Geltung. Nur bei gut eingestellten HiFi Anlagen versteht sich. Der Score hält sich zurück und tritt nur in sogenannten „Highlight-Sequenzen“ während Gesprächen auf.

Prey [Play Station 4]
31 Bewertungen
Prey [Play Station 4]
  • Plattform: PlayStation 4
  • Altersfreigabe: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Genre: Aktion

Unser Fazit zur Prey

Was für anspruchsvoller Trip! Das rund 16 stündige Abenteuer beginnt rätselhaft und voller Wirrungen, entfaltet jedoch seine ganz eigene Handlung im weiteren Spielverlauf. Nein, das hat bis auf den ikonischen Namen nichts mehr mit dem Shooter vor 10 Jahren zu tun. Hier erwartet den Spieler eine anspruchsvolle stylische System Shock/Bioshock Interpretation. Das Crafting ist elementarer Bestandteil und entscheidet oft zwischen Leben und Tod. Ähnlich wie in alten Resident Evil Titel ist ein aufgeräumtes Menü sehr wichtig. Prey bedient sich an zahlreichen Klassikern und verpasst ihnen einen modisch frischen Anstrich. Herausgekommen ist Sci-Fi Action für anspruchsvolle Gamer mit Köpfchen.

Ein schiefgegangenes Experiment und ein leitender Wissenschaftler ohne jede Erinnerung - ein perfekter Sci-Fi Hit? Prey überzeugt mit dunkler Atmosphäre und so manch innovativem Gameplay-Element. Unser Test zum Weltraum-Blockbuster. Fortsetzung oder Reboot? Lichter flackern in engen Korridoren. Gegenstände liegen verstreut auf dem Boden, während eine übel zugerichtete Leiche mit ausgestrecktem Arm nach etwas zu greifen versucht. Blitzschnell huscht jedoch ein nicht identifizierbares Wesen von links nach rechts. Was ist hier nur los? So muss sich wahrscheinlich für den Hauptprotagonisten Morgen Yu anfühlen, wenn er im Sci-Fi Horrortitel "PREY" die Raumstation Talon I durchstreift. Doch fangen wir zuerst mit der Geschichte…
Anspruchsvolles Sci-Fi Abenteuer mit langer Spielzeit und gut dosiertem Horror.

Prey (PlayStation 4)

Spielspaß - 90%
Gameplay - 90%
Grafik - 80%
Technik - 85%

86%

Ausgezeichnet!

Anspruchsvolles Sci-Fi Abenteuer mit langer Spielzeit und gut dosiertem Horror.

Entwickler: Arkane Studios – Preis 69,99 Euro – Für PlayStation 4, Xbox One und PC – USK: ab 16

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Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2010 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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