Filmkritik zu Life

Die Raumstation ISS, acht internationale Astronauten und eine unbekannte Lebensform vom Mars verspricht einen blutigen Ausflug ins All. Oder doch nicht? Wir haben uns den Sci-Fi Horrorthriller „Life“ angesehen.

Sci-Fi im Kälteschlaf?

Der guter alte Sci-Fi Slasher liegt seit Jahren im komatösen Kälteschlaf. Zwar gibt es ab und an kleine „Direct to DVD“-Veröffentlichungen wie „The Last Days on Mars“ mit Liev Schreiber aber sonst sieht es in unseren Lichtspielhäusern mehr als düster aus. Bis jetzt. Denn 2017 kommen gleich zwei vermeintliche Hochkaräter raus. „Life“ und „Alien: Covernant“. Während ersterer durchaus Mut beweist kurz vor dem Alien-Comebacks von Scott zu erscheinen, müht sich eben dieser derzeit mit aufgebauschter Spannung per Trailer und PR ab. Nichtsdestotrotz ist „Life“ nicht als simpler Trettbrettfahrer zu sehen sondern möchte eigenständig gar innovativ wirken. Dies gelingt ihm in Maßen. Regisseur Daniél Espinosa hat jedoch sein Genre nach ersten Ausflügen in Action (Safe House) oder Thrillerdrama (Kind 44) gefunden.

Die Handlung von Life ist eher semi komplex. Auf der internationalen Raumstation „ISS“ leben und arbeiten acht Astronauten sowie Wissenschaftler. Darunter Dr. Miranda North (Rebecca Ferguson) die als Seuchenbeauftragte mehrere Firewalls für den Schutz eingerichtet hat, Dr. David Jordan (Jake Gyllenhaal) als Bordarzt fungierend und Rory „Roy“ Adams (Ryan Reynolds) der als Flugingenieur mehrere Aufgaben inne hat. Ihre Mission: Eine Probe von der Oberfläche des Mars abfangen und untersuchen. Nach mehreren Tagen entdecken die Wissenschafter tatsächlich Leben. Doch das erweist sich als großer Fehler. Die Handlung von „Life“ wird durchgehend flott erzählt und verlässt sich leider in vielen Teilen auf den gut ausgewählten Cast. Beginnend mit einer Kubrick ehrenden Plansequenz wird der Zuschauer förmlich in die Story geschmissen. Dieser „Cold Start“ erweist sich als nicht schlecht und konzentriert gar dokumentarisch die grandiose Kameraführung von Seamus McGarvey.

Erstaunlich eindimensional im All

Nach dem durchaus actionreichen Opening wird es das Tempo spürbar ruhiger. Kleine Gespräche lassen uns etwas über die Protagonisten erfahren, die jedoch erstaunlich blass bleiben. Leider. Besonders in Gyllenhaal´s Fall ist das bitter, weil man ihn als sehr starken Charakter in seinen Filmen wie „Nightcrawler“ oder „Southpaw“ kennt. Dennoch stark. Reynolds Figur lockert mit gut getimten Gags die Stimmung auf. Die anderen Crewmitglieder besitzen zwar Screentime um eine Art Beziehung mit dem Zuschauer aufkommen zu lassen, sind jedoch komplett austauschbar.

„Life“ überrascht mit seiner hohen Authentizität. Die sterilen Schleusen, das kalte Licht und die bedrückende Stille bzw. das Rattern der Computer im Hintergrund erzeugt im Kino eine teils hochspannende Atmosphäre. Gerade in den immer kreativeren Tötungsszenen der außerirdischen Lebensform haben wir nicht selten die Fingerspitzen tief in unsere Armlehne gebohrt. Dies zeigt sich natürlich im Score. Schrammende Geiger treffen auf basslastige Trommler – nicht wenig scheint die Filmmusik dem Zuschauer noch mehr an Gefühl oder Spannung geben zu wollen. Teils passend, teils doch einen Tick zu übertrieben.

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Espinosa bedient sich auch ordentlich bei bekannten Genrevertretern wie Ridley Scott´s „Alien“ oder besonders zu Anfang an „Gravity“. Dazu gleicht auch die Struktur von „Life“. Beginnen wir mit der temporeichen Bergung der Probe wird es danach spürbar ruhiger während sich der Film wieder auf den nächsten Höhepunkt vorbereitet. Quasi filmische Achterbahnfahrt in Vollendung. Was gegen Ende leider negativ ins Gewicht fällt ist, dass der Film konventionell wird. Gerade mit der toll inszenierten Plansequenz zu Anfang ist es schade, dass Espinosa hier nicht durchgezogen. Wobei die Schlusspointe, quasi entschuldigend, bitterböse den Zuschauer in den Abspann schickt.

Fazit – Life

Regisseur Daniél Espinosa versammelt für seinen Sci-Fi Horrorthriller eine Schar an guten Schauspielern, die zwar genügend Screentime bekommen aber am Ende mit zu wenig Persönlichkeit bleiben. Das Setting der kleinen Raumstation ist selbst nach 40 Jahren nicht überreizt und wirkt erfrischend. „Life“ sollte im großen Lichtspielhaus mit guter Hi-Fi Anlage gesehen werden, denn eine so dichte Spannung gab es im Slasher-Genre zuletzt lange nicht mehr.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung der Tickets. Kinotickets zum Film „Life“ gibt es hier.

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Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2010 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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