Sniper Elite 4 im großen Test

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    © Rebellion
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Sniper Elite 4: Im besetzten Italien 1943 räumen wir als amerikanischer Scharfschütze Karl Fairburn kräftig auf. Neben eindrucksvollen offenen Levels greift die berüchtigte X-Ray Kamera, ob diese Mischung auch im vierten Anlauf Spielspaß bereitet, verrät unser Test.

Unterschätzt

Ruhig atmen wir ein und aus. Vögel zwitschern vereinzelt. Über unserem Kopf verursachen Düsenjäger genügend Lärm um perfekt getimte Schüsse zu übertönen. Ruhe. Lunge leeren. Schuss. Der Gegner sackt in einer brutalen Kamerafahrt der Kugel in sich zusammen. Weitermachen. Das ist sozusagen die absolute Quintessenz von Rebellion´s Shooter-Reihe „Sniper Elite“. Zum nunmehr vierten Mal schlüpfen wir in die Haut des mürrischen Scharfschützen Karl Fairburn aus Amerika. Bereits seit 2005 brachten die Entwickler aus Oxford diese Reihe auf Konsole und PC. Anfangs eher belächelt, konnte sich Rebellion einerseits mit dem wirklich herausragenden Gameplay und andererseits mit der schon legendär brutalen „Röntgen-Ansicht“ mit jedem einzelnen Abschuss einen Namen machen. Wirklich in den Vordergrund trat jedoch erst Teil 3 knapp zum Release der Xbox One. Das Setting im wüstenreichen Afrika sowie die frisch wirkende Grafik konnte viele Kritiker und Spieler überzeugen. Doch das wenig abwechslungsreiche Leveldesign im ewig sonnendurchfluteten Afrika auf der Jagd nach Rommel und seiner Panzerdivision war zu kritisieren. Sniper Elite 4 verschlägt uns in deutlich freundlichere Italien. Neben dutzenden totgeweihten Nazis bietet der Nachfolger auch eine Handlung. Naja fast.

Hauptsache Italien!

Die Story wird in der ersten Zwischensequenz schnell erzählt: Der faschistische Nazi-General Karl Böhm will eine Geheimwaffe einwickeln. Eine steuerbare Luft-Boden-Rakete mit ungeheurer Feuerkraft. Einzelne Angriffe aus amerikanische Kriegsschiffe wurden schon verübt. Karl Fairburn soll direkt nach seinem vergangenen Afrika-Einsatz, Böhm und die Fertigstellung dieser „Wunderwaffe“ stoppen. Im Großen und Ganzen war es das schon. Natürlich müssen wir uns in den 9 Missionen erstmal Richtung Megafabrik durchschlagen. Der Hauptprotagonist bleibt auch im vierten Einsatz eher schweigsam gar langweilig. Gleiches trifft auf die Figuren im weiteren Spielverlauf zu. Einschichtige Figuren ohne Gefühl. Schade! In Zeiten von „Last of Us“ oder dem Halb-Reboot von Gears of War 4 sind vielschichtige Charaktere elementar. Die ersten Mission dient als bloßes Tutorial. Wir lernen in knappen Worte Nahkampfkills, Fernschüsse und ganz neu klettern. Richtig gehört. Fairburn darf nun an bestimmten Wänden klettern. Als kleine Auffrischung wurden auch zerstörbare Seilwinde hinzugefügt, die darunter stehende Gegner mit einem Schlag ins Jenseits befördert.

Schon die ersten Schritte in Sniper Elite 4 sind echt schön. Im wahrsten Sinne des Wortes. Entwickler Rebellion setzt hier ausschließlich auf ihre eigene Grafik-Engine „Asura“. Und die kann sich wirklich sehen lassen. Strahlend blauer Himmel, feine Sonnenstrahlen schimmern durch das Gebüsch und Gräser schwingen im Wind mit. Zudem gibt es auch vereinzelte Framedrops und Clippingfehler aber weitgehend nichts an der Grafik auszusetzen. Hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber die anfangs erwähnte „X-Ray“-Kamera nach besonders gelungenen Schüssen profitiert davon. Selten waren platzende Eingeweide oder Arterien ästhetischer in Szene gesetzt.

Unverändert gutes Gameplay

Das Gameplay hat sich im wesentlichen nicht groß verändert. Noch immer streifen wir in Third-Person Ansicht durch gewohnt großangelegte Levels auf der Suche nach Wachtürmen oder Lichtungen für einen guten Scharfschützen-Posten. Hier macht Sniper Elite so schnell niemand etwas vor. Die Jungs und Mädels aus Oxford kennen ihre Formel. Gerade in Zeiten von jährlichen „Call of Duty“-Titeln oder Battlefield 1 ist es doch eine Wohltat, dass durchaus ruhige Shooter koexistieren. Denn, hier lebt die Spannung von einzelnen und geplanten Abschüssen. Ähnlich wie bei Rainbow Six Siege konzentriert sich die Atmosphäre auf kurze extreme Spannungsmomente. Zudem sitzt hier die Steuerung. Die Deadzone der Sticks (Xbox in unserem Fall) ist angenehm klein und eignet perfekt für die Spielweise. Das Interface ist ausschließlich während Kämpfen zusehen, hält sich daher zurück. Praktisch: In den Einstellungen lässt sich das gesamte Interface deaktivieren, um das Spiel realistischer wirken zu lassen.

Vor jeder Mission hält sich Fairburn ein eignes Briefing, während wir Waffen, Werkzeuge und Gadgets aussuchen. Der zuwählende Schwierigkeitsgrad reicht von Leicht bis Hardcore, eben dieser spielt sich ohne KI-berechnete Kugelballistik und weniger Medi-Kits. Auf einer jederzeit abrufbaren Karte sehen wir unsere aktuellen Neben,- sowie Hauptmissionen mit teils wichtigen Dokumenten. Das Leveldesign in den Nebenmissionen ruht sich auf kleinen Aufgaben wie „Töte den Offizier oder zerstöre die Waffenkammer“. Mehr Abwechslung hätte gut getan. Auch in den Hauptmissionen bleibt vieles im repetitiven Modus. Natürlich macht es einen gehörigen Unterschied, ob man in kleine romanische Häuschen steigt oder großangelegte Villen, jedoch bleibt der Kaffeesatz am Schluss gleich. Ein Schuss – Mission erfüllt.

Rambo oder Sam Fisher?

Die Spielzeit von Sniper Elite 4 ist im oberen Bereich anzusetzen. Allein die erste Mission hat mich an den Rand von 120 Minuten spielen lassen. Es hat natürlich viel mit eurem Spielstil zu tun. Lauft ihr als Rambo-Verschnitt mit der MG bewaffnet umher, sind Aufträge in 45 Minuten zu schaffen. Aber die Maschinengewehre zielen so ungenau und schwer fällig, dass es keinen Spaß macht. Wählt ihr den Sam Fisher-Weg verlängert sich selbstverständlich die Zeit in den Missionen. Apropos – auch wenn Fahrzeuge auf dem Weg stehen, sind diese nicht einsetzbar. Zu unserem Waffenarsenal zählt das unverkennbare Scharfschützengewehr „Springfield“, verschiedene MG´ sowie die Handfeuerwaffe mit eingebautem Kompressor.

Selbst Rebellions neuer Titel bietet einen Multiplayer. Dieser wirkt doch sehr reingepresst, da sich das Spielprinzip einfach schlecht in gewohnt hektische Online-Matches transportieren lässt. Euch erwartet die Standartmodi wie Team-Deathmatch etc. Einzig der Survival-Modus mit zunehmend starke Gegnerwellen lässt hier am Ball bleiben. Das Matchmaking funktionierte flott und präzise. Einmal flogen wir unvermittelt aus einer Partie, ein Update sollte das aber richten.

Fazit zu Sniper Elite 4

Sniper Elite 4 bietet genau das, was beim Vorgänger fehlte. Mehr Abwechslung, mehr Waffen und hilfreiche Gameplay-Features. Es macht wie bei dem Vorgänger genauso viel Spaß auf den richtigen Moment zu warten und dann eine Kugel abzufeuern. Die Handlung ist nach wie vor sehr hanebüchen und dient nur dem Selbstzweck. Rebellions Shooter-Reihe lebt alleine vom wirklich herausragenden Gameplay ohne Schwierigkeiten. Schwächen wie fehlende Figurentiefe oder Grafikfehler sind zu verkraften.

Sniper Elite 4: Im besetzten Italien 1943 räumen wir als amerikanischer Scharfschütze Karl Fairburn kräftig auf. Neben eindrucksvollen offenen Levels greift die berüchtigte X-Ray Kamera, ob diese Mischung auch im vierten Anlauf Spielspaß bereitet, verrät unser Test. Unterschätzt Ruhig atmen wir ein und aus. Vögel zwitschern vereinzelt. Über unserem Kopf verursachen Düsenjäger genügend Lärm um perfekt getimte Schüsse zu übertönen. Ruhe. Lunge leeren. Schuss. Der Gegner sackt in einer brutalen Kamerafahrt der Kugel in sich zusammen. Weitermachen. Das ist sozusagen die absolute Quintessenz von Rebellion´s Shooter-Reihe "Sniper Elite". Zum nunmehr vierten Mal schlüpfen wir in die Haut des mürrischen Scharfschützen…
Raffinierter Sniper-Shooter mit Schwerpunkt Gameplay und Abzügen in Story und Technik.

Sniper Elite 4 (Xbox One)

Spielspaß - 85%
Gameplay - 90%
Grafik - 85%
Technik - 75%

84%

Empfehlung!

Raffinierter Sniper-Shooter mit Schwerpunkt Gameplay und Abzügen in Story und Technik.

Entwickler: Rebellion – Preis 69,99 Euro – Für Xbox One, PlayStation 4 und PC. USK: ab 18

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Sniper Elite 4 - [PlayStation 4]
13 Bewertungen
Sniper Elite 4 - [PlayStation 4]
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Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2010 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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