Wie Twitterperlen mit eurer Kreativität Geld verdient

Twitterperlen
Twitter

Auf Facebook sind die Twitterperlen sehr beliebt. Die Seite nimmt sich gute Tweets von Twitter und knallt den Text auf ein Bild. Eine Arbeit von maximal 30 Sekunden und 200.000 Fans freuen sich über die neuen Perlen von Twitter auf Facebook. Nur wird hier Geld mit der Kreativität von Dritten gemacht.

Twitterperlen sind doch toll!

Natürlich ist die Seite für Facebook-Nutzer eine tolle Möglichkeit die lustigen Inhalte von Twitter angezeigt zu bekommen. Das ist für den normalen Nutzer einfach ein „Gefällt mir!“ und er freut sich täglich über neue Perlen. Da steckt ja auch Arbeit hinter und man ist dankbar für diesen Dienst. Nur haben wir es hier nicht mit einem gemeinnützigen Verein zutun, sondern mit einer Gewinnabsicht. Es gibt nämlich gleich zwei Haken an den Perlen.

„Ich wurde nicht um Erlaubnis gefragt!“

Ich habe etliche Twitter-Nutzer nach ihrer Erfahrung mit den Twitterperlen befragt. Die meisten Nutzer wussten nicht einmal, dass ihre Tweets auf ein Bild kopiert worden sind. Das fanden die meisten Twitterer aber auch gar nicht so schlimm. Immerhin freut man sich ja über Zitate und Retweets. Allerdings waren sie zu 100 Prozent nicht damit einverstanden, dass die Seite Gewinnspiele veranstaltet und so anscheinend Werbekunden die eigene Reichweite verkauft. Bei 200.000 Fans auf Facebook und einer hohen Reichweite im Netzwerk gibt es so einen „bezahlten“ Post/Gewinnspiel/Verlosung sicherlich nicht umsonst. Allerdings findet keine Ausschüttung an die Urheber der Tweets statt, welche erst diese Reichweiten mit ihrem Witz erzeugt haben.

Kopieren,einfügen,posten,verkaufen

Man kann einen Tweet überall per Code einbetten und drum herum tausend Banner schalten. Das ist vollkommen legitim. Es ist allerdings nicht ok ein Buch mit fremden Tweets zu schreiben und es einem Verlag zu verkaufen. Es ist auch nicht ok die Texte einfach als Zitat auf eine Photoshop-Vorlage zu kopieren und auf der Fanseite Gewinnspiele damit zu veranstalten. Rechtlich gesehen durch das Zitatrecht vielleicht noch einwandfrei, aber menschlich unter aller Kanone. Natürlich werden Tweets auch in Zeitungen zitiert. Nur haben wir mit den Twitterperlen eine Seite, welche einfach nur diese kopierten Inhalte bietet. Geld verdienen mit dem Witz Dritter. Müsste man eigentlich den Nobelpreis für erhalten. Ich habe einmal Marie von den Benken zu ihrer Sichtweise bezüglich den Twitterperlen befragt. Immerhin finden sich dutzende ihrer Sprüche auf den Bildern bei den Twitterperlen.

Grundsätzlich finde ich, solange der Urheber genannt wird, darf jeder Tweets weiterverbreiten. Ich selber würde das aber nur in Form einer offiziellen Einbettung machen und nie einen fremden Spruch irgendwie in ein eigenes Bild transformieren. Und wie bei anderen Anlässen auch schon mal gesagt: Wenn es kommerziell wird, muss der Urheber gefragt werden und auch am Ertrag beteiligt.

@regendelfin – Marie von den Benken

Reichweite für Geld

Twitterperlen wäre als Projekt für mich überhaupt gar kein Problem, wenn es hier nicht um Reichweiten auf Facebook und Geld gehen würde. Dann fänden es wohl sehr viele Nutzer von Twitter in Ordnung. Allerdings finden hier Gewinnspiele statt, welche sehr wahrscheinlich von Werbekunden bezahlt worden sind. Es wird nicht einfach nur der Tweet mit dem Code von Twitter angezeigt, sondern der Inhalt wird auf ein Bild gepackt und wandert als „eigener“ Content von Twitterperlen durch Facebook. Erst zur Fußball-Europameisterschaft warb Sportartikelhersteller Uvex auf den Seiten von Twitterperlen. Sicherlich kein schlechtes Geschäft für Dalibor Ivkovic, welcher im Impressum von Twitterperlen steht. Übrigens ist die Seite ja „total“ nett und verweist mit einem Link in der Beschreibung immer noch auf die Quelle und nennt sie auch in der Grafik. Wundervoll! Bringt aber in der Realität 0 Verfolger mehr, weil es auf Facebook stattfindet und sich von den 20.000 Likern vielleicht 2 Personen auf Twitter verirren werden.

Twitterperlen

Twitterperlen UVEX Gewinnspiel

Fassen wir also kurz zusammen:

  • Twitterperlen fragt vor einer Veröffentlichung nicht bei den Twitter-Nutzern um Erlaubnis. Zeugt nicht unbedingt von viel Interesse an den Urhebern der Inhalte.
  • Twitterperlen stellt seine Reichweite auf Facebook Werbekunden zur Verfügung.
  • Twitterperlen beteiligt die Urheber der Gags und Sprüche nicht an den Einnahmen der Seite.
  • Twitterperlen nennt zwar die Quelle, aber es bringt den Nutzern auf Twitter wahrscheinlich 0,00001 Prozent mehr Verfolger. Den Twitterperlen dagegen täglich mehr Fans.
  • Alle 25 von mir befragten Twitter-Nutzer waren nicht damit einverstanden, dass mit ihren Inhalten auf Facebook Geld durch Gewinnspiele verdient wird.

Im Endeffekt ist es nicht strafbar so zu handeln. Zeitungen drucken ebenfalls ungefragt Tweets ab. Allerdings sollten die Fans der Seite auch wissen, wie man hier ohne eigenen Inhalt Reichweite mit der denkenden Gehirnmasse von Twitternutzern generiert, ohne diese Urheber an den eigenen Gewinnen zu beteiligen. Man hat sie nicht einmal um Erlaubnis gefragt.

Update

Ich hatte kurz einen Austausch mit Gründer Dalibor Ivkovic auf Twitter. Er bindet die Tweets als Quelle auf der Webseite ein. Das geschieht zwar erst beim Klick auf „weiterlesen“, aber zumindest sieht man irgendwo den eingebetteten Tweet. Ich habe in der Zwischenzeit auch Infos zu seiner Person und einen Mitschnitt der „Nürnberg Weeb Week“ von ihm gesehen. Der Kerl macht keinen abgezockten Eindruck. Er scheint wirklich Spaß daran zu haben. Ich würde dem Projekt jedoch nachdringlich einfach raten, dass man vorher nett und schnell um Erlaubnis bei den Twitternutzern fragt. Kommt keine Antwort, dann nimmt man sich halt einen anderen TopTweet. Es gibt genug davon. Ich präsentiere ebenfalls die besten Tweets und schalte darunter ein Amazon Banner. Der Unterschied besteht aber darin, dass ich den Tweet als Original einbette. Ich zeige diesen Tweet auf meiner Seite. Man kann ihn liken, retweeten und jeder Aufruf in einem meiner „Besten Tweets“-Artikel wird von Twitter als zusätzliche Reichweite in den Statistiken addiert. Es ist vergleichbar mit einem YouTube-Video. Ich bette es prominent auf dieser Seite mit ca. 100.000 Besuchern pro Monat ein, aber ich lade es nicht runter und woanders wieder hoch. Bei Dalibor kann ich aber zumindest den Ansatz erkennen, dass er diesen Umweg wirklich nur wegen der besseren Präsentation auf Facebook wählt, weil man dort den Code nicht einfach so einbetten kann.

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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