Die große Angst von Nintendo bei Pokémon Go

Pokémon Go App
Als APK mit Sideloading schon verfügbar

Die neue App Pokémon Go von Nintendo und Niantic steht gerade weltweit in den Schlagzeilen als großer Hype. Dabei reden viele Medien und Menschen über das Spiel, aber kaum jemand bemerkt das große Risiko, welches Nintendo erstmalig in der Firmengeschichte eingegangen ist.

Die Angst von Nintendo

Warum gab es bei der Wii U keinen Sprachchat und ein eigenes Netzwerk für die Spieler? Weil Nintendo seit Jahrzehnten in Angst lebt, dass Pädophile über die eigenen Plattformen Zugang zu Kindern bekommen. Das kommuniziert der Konzern selten so deutlich, aber es ist der Grund für sehr viele Restriktionen bei Systemen von Nintendo. Natürlich hätte man auch Facebook als soziales Netzwerk in die Konsolen integrieren können. Stattdessen überwacht man jeden Kommentar und jede Nachricht bei Miiverse. Warum fehlt so vielen Spielen von Nintendo ein Sprachchat? Weil man keine direkte Kommunikation unter den Spielern erlauben möchte. Im Endeffekt will man nur keine Möglichkeit dafür schaffen, dass sich ältere Herren mit kleinen Jungs und Mädchen anfreunden können. Das ist seit Jahren die große Angst von Nintendo. Sie fürchten die Schlagzeile „Mann entführte Kind aufgrund von Chat mit Nintendo Konsole. Früher gab es dazu auch noch Andeutungen in der Presse von Nintendo. Man wolle Kinder schützen. Heute lässt man die Entwickler stattdessen erzählen, dass man diese Features als nicht notwendig erachtet hat bei der Entwicklung. Verschleiert die Sorgen einfach öffentlich besser.

Pokémon Go als enormes Risiko

Auf der E3 wurde es kurz im Talk angesprochen. „Muss ich denn auch in dunkle Hinterhöfe gehen, um Pokémon zu sammeln?“ – Nein! Angeblich hat Nintendo hier bei der Entwicklung aufgepasst. Ich frage mich nur wie genau sie da weltweit aufgepasst haben wollen? Man bringt mit Pokémon Go eine App auf den Markt, welche auch Kinder zu entlegenen Orten leitet. Hier wird bald etwas Schlimmes passieren. Das ist eigentlich nur eine Frage der Zeit. Es wird die Schlagzeile geben. Es wird irgendeine Art von Unfall geben. Irgendwer wird sich einem Kind nähern. Es ist nach mehr als 20 Jahren bei Nintendo ein enormer Kurswechsel. Man geht dieses Risiko für das Spiel ein. Man überlässt den Eltern erstmalig die Sorgfaltspflicht. Man hofft einfach darauf, dass kein Kind nachts mit seinem Smartphone neue Pokémon sammelt. Das grenzt an Wahnsinn. Diese App markiert bestimmte Spots auf der Landkarte. Im Endeffekt muss ich hier nur als böser Mensch auf die Kinder warten und mich mit ihnen über das Thema Pokémon anfreunden. Es gibt keinerlei Schutz. Vielmehr bietet Nintendo sogar noch das perfekte Gesprächsthema für einen ersten Annäherungsversuch.

Extremer Kurswechsel

Ich beobachte diesen Konzern seit bald 15 Jahren nicht mehr nur als Spieler, sondern habe mich auch sehr viel mit der Tradition und der Kultur im Unternehmen befasst. Diese App ist da wirklich ein „irrer Iwan“ und schmeißt so ziemlich alle bisherigen Bedenken von Nintendo komplett über Bord. Die größte Angst von Nintendo ist auf einmal sehr real geworden. Tausend Gründe würden normalerweise intern gegen so eine öffentliche App sprechen. Vor keiner Schlagzeile hat Nintendo mehr Angst. Hier wurden alle Riegel gelockert. Bei diesem globalen Hype wird es sehr wahrscheinlich schon sehr bald zu den ersten negativen Meldungen kommen. Es ist für mich der spannendste Kurswechsel in diesem Unternehmen. Nie zuvor hat man den eigenen Spielern so viel Freiraum bei der Kommunikation gewährt. Jetzt lässt man sie sogar 24 Stunden rund um die Uhr in der freien Wildbahn aufeinander los.

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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