9 Feb, 2016

Twitterview heute mit @dominikhammes

Twitter ist ein Dorf. Zu den verschiedenen Schlagzeilen, TV-Sendungen und Meldungen finden sich auch immer die üblichen Verdächtigen mit ihren feinen Spitzen und Sprüchen in der Tiemline wieder. Nur wer sind diese Nutzer auf Twitter eigentlich? Was denken sie über den Kurznachrichtendienst? Es ist an der Zeit das Dorf kennenzulernen. Heute führen wir daher ein kurzes Twitterview mit Dominik Hammes.

Im realen Leben bin ich eigentlich:
Ein grummeliger alter Mann im Körper eines zunehmend älter werdenden grummeligen Mannes. Als Social-Media-Nase und Podcaster fällt es manchmal schwer, einen großen Unterschied zwischen meinem virtuellen, öffentlichen Ich und der privaten Knallcharge zu sehen. Er ist aber vorhanden und besteht hauptsächlich aus Seufzen und Ruhe.

Was ich Twitter zu verdanken habe:
In einem Wort: Beziehungen – romantische, freundschaftliche und geschäftliche. Ohne Twitter wäre ich physikalisch wie auch psychologisch und beruflich an einem ganz anderen Ort. In einer Parallelwelt schneide ich womöglich Radiobeiträge über das Moselfränkische für den Saarländischen Rundfunk und lebe alleine in einer 2-Zimmer-Wohnung im Nauwieser Viertel. Oder ich wurde doch Lehrer.

Ohne Twitter hätte es Radio Nukular und die damit verknüpften Freundschaften mit Chris und Max nie gegeben. Privat wie beruflich wäre ich vermutlich um einiges unglücklicher, hätte ich mich nie bei Twitter angemeldet. Auch Interviewanfragen für die Medien-KuH, das direkte Ansprechen von offiziellen Accounts um auf kurzem Weg an Informationen und Ansprechpartner zu gelangen, funktionieren auf keiner Plattform so unkompliziert und schnell. Der Hang zum Duzen, die fast ständig präsente Öffentlichkeit aller Kommunikation und die Kürze der Botschaften scheinen eine perfekte Kombination hierfür zu sein.

Wie in jedem Kommunikationskanal ist natürlich nicht jeder Kontakt mit Erfolg und Harmonie gesegnet: Zwei Bewerbungsgespräche, die auf Twitter zurück gingen endeten erfolglos bis ärgerlich – aber so ist es eben, nicht jeder Kontakt wird direkt zu einer Erfolgsgeschichte. Dennoch: Weder Xing, noch LinkedIN oder auch die Jobbörse der Agentur für Arbeit haben mir je eine Stelle eingebracht. Die meisten Bewerbungsgespräche und auch die finalen Stellen nach meiner Zeit bei newsecho.de habe ich ausschließlich über soziale Medien, allen voran Twitter bekommen. Das liegt natürlich zum Teil auch in der Natur der ausgeschriebenen Stellen, ist aber dennoch bemerkenswert.

Wer Twitter nun aber auf seinen Wert als „Networking”-Tool im Sinne von Business- und PR-Sprech reduziert und sich mit diesem Tunnelblick auf die Timelines stürzt, der kann sich gleich den Titel „Social Media Experte/Manager” in die Twitter-Bio schreiben und seine Tweets ausschließlich über einen automatisierten Feed befüttern – macht aber nichts, man ist ja privat hier.

Die Begrenzung auf 140 Zeichen pro Tweet erzeugt bei mir:
Disziplin. Der Zwang zur kurzen Form ist bei einem Langsatzfetischisten wie mir eine leider sehr notwendige Übung, die das eigene Schreiben schlanker werden lässt. (Manchmal.)

Mein erstes Mal auf Twitter:
War sehr egozentrisch aber auch mit einem höheren Qualitätsanspruch versehen. Ich staunte damals auch, wie das wohl so ist, mit mehr als 200 Followern. Zunächst habe ich übrigens nur den Account der Medien-KuH betreut. Danach habe ich einen englischen Account eingerichtet, der mittlerweile leider sehr verwaist ist.

Warum ich bei diesen TV-Formaten auf Twitter immer zur Stelle bin…
Tatsächlich twittere ich sehr selten zum aktuellem TV-Programm. Die Lagerfeuerstimmung fasziniert mich zwar auch, Domian oder aber das Dschungelcamp reizen mich jedoch als Sendung an sich nicht genug um am Twitter-Kommentar teilzunehmen. Wenn ich mir ab und an eine Folge Bachelor oder Bachelorette anschaue (für die Medien-KuH, also nur halb freiwillig!), dann ist Twitter eine wunderbare Möglichkeit, meiner Abscheu gegenüber diesem Format Ausdruck zu verleihen.
Dennoch bin ich jedes Mal von der Professionalität und dem Produktionswert fasziniert, mit dem hier eine oberflächlich makellose und inhaltlich wertlose Sendung hergestellt wird. Neben dem therapeutischen Nutzen der entsprechenden Kommentare wird die eigene Timeline so auch zum Notizzettel für eine spätere Besprechung: man notiert nicht wahllos sondern mit dem Ziel einen kurzen Gedanken, eine Beobachtung pointiert zusammenzufassen und veröffentlicht ihn sofort. Man kann die Notiz nicht verlieren und gut komponierte Gedanken erinnern einen sehr viel besser an das Gesehene, als ins Unendliche dahin driftende Denkstützen, die man aufgrund ihrer Länge später sowieso ignoriert.

Diesen Tweet von mir empfinde ich als pures Gold, aber irgendwie kam er bei der Verfolgerschaft gar nicht so sehr an…
Wie soll man sich da entscheiden? Gerade in den Anfangstagen auf Twitter wurde man ja selten gefavt. Da waren 20 Favs schon ein ordentliches Sümmchen, für das man sich beim Bäcker eine paar saure Klebegumminaschereien hat mitgeben lassen. Wir hatten ja nichts.

Dieses Feature wünsche ich mir schon lange auf Twitter:
Da bin ich als Podcaster natürlich befangen aber: Eine Möglichkeit um Audiofiles einzubetten wäre eine absolute Bereicherung und ein Alleinstellungsmerkmal für Twitter. In WhatsApp merke ich immer wieder, wie gut ein schnelles Austauschen von Audiomaterial funktionieren kann. Für Quasselstrippen wie ich es bin, darf es gerne auch eine Begrenzung auf 140 Sekunden sein. Ein kleiner Player im Tweet, eine Unterstützung zur Aufzeichnung innerhalb der App – es könnte so schön sein.

Auf diesen Tweet bin ich geradezu eifersüchtig. Der hätte mir einfallen müssen!

Regendelfin ist in Wirklichkeit:
Eine zweiundvierzigfach in sich selbst gefaltete Einhornmatrix der zweiten Ebene mit einem Schuss Eidechsensirup und einer lila Sprossenleiter beim Schaufensterbummeln.

Diesen drei Menschen auf Twitter würde ich gerne einmal im realen Leben begegnen:
Da mir das mehrfach passiert ist und auch weiterhin passieren wird – sei es, weil ich bei einer TV-Produktion von @janboehm wieder neben @mahrko sitze oder weil ich @bonitotv über den Weg laufe – wähle ich konsequenterweise „Berühmtheiten“ Podcastlegende und Kultfilmemacher @thatkevinsmith und die Autoren @stephenking und @neilhimself. Ein Treffen mit dem liebenswerten @nilzenburger ist allerdings längst überfällig.

Hier kann man Dominik Hammes auf Twitter folgen.

Moselfränkisches Liederbuch
  • Markus Schüßler (Hrdg.)
  • Pandion
  • Auflage Nr. 1. Auflage (19.08.2011)

Rob Vegas

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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