9 Feb, 2016

Netflix, Amazon Video und Co. : Bloß keine Liveshow!

Lineares Fernsehen? Das ist doch total out. Zumindest Netflix, Amazon Video und Co. freuen sich über diese Ansicht vieler Kunden. Dabei können die modernen Streaminganbieter allerdings auch nur mit Wasser kochen. Von schwierigen Produktionen halten sie sich bislang gekonnt fern.

Serien, Filme und Spiele

Amazon hat heute eine eigene Engine für Spieleentwickler veröffentlicht. Auch in dieses Geschäft mit Videospielen will der Riese nun einsteigen. Warum? Weil es ein lukrativer Markt ist. Vor allem ist es für Amazon ein vergelichsweise einfacher Markt. Man nimmt Geld in die Hand, entwickelt gar selbst ein Spiel und kann es über Jahre weltweit kostenpflichtig als Download anbieten. Die Entwicklungskosten sind einmalig, die Lizenz liegt in der Hand von Amazon und man kann diese Kuh einfach global melken. Amazon, Netflix und andere Onlineriesen lieben diese Geschäfte. Ein Film ist da nicht anders. Er muss nur einmal mit Geld produziert werden. Ist er ein Hit, so kann man ihn wie Star Wars ganze Jahrzehnte melken. Es kommen bestenfalls die Kosten für Marketing und nationale Synchronsprecher für Märkte wie Deutschland hinzu.

Soaps, Nachrichten, Events und Sport?

Von diesen Formaten halten sich die Onliner und Streamer aktuell fern. Sportrechte sind zu teuer und man müsste global gleichzeitig streamen. Das ist mit hohen Kosten und viel Technik verbunden. Nicht einmal Apple schafft es bislang eine Keynote ruckelfrei an alle Kunden weltweit auszuliefern. Olympia wird man also vor 2025 wohl nicht bei Google, Amazon, oder Netflix sehen. Auch national ausgerichtete Formate wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ wird man in Kürze nicht auf Netflix sehen. Hier müsste man ja jeden Tag eine Folge produzieren. Die würde aber wahrscheinlich in drei Jahren keine hohen Abrufe mehr erzeugen. Das ist zu aufwendig und müsste für jedes Land teuer produziert werden. Da zeigt man lieber ein Comeback von Full House mit ein paar Staffeln und lässt es bestenfalls für einige Märkte neu synchronisieren. Man hält sich hier sehr clever fern vom klassischen TV-Betrieb. Ein taff! wird man bei Netflix nicht sehen. Man wird auch keine tägliche Nachrichtensendung produzieren. Eventshows wie Britain’s Got Talent? Viel zu aufwendig für ein nur kleines Zeitfenster. Man möchte auch nicht jeden Abend 30.000 Euro bei einer Quizshow raushauen müssen. Lieber produziert man 15 Folgen einer Serie und stellt diese ewig zum Abruf bereit.

Globale Formate

Allerdings werden sich Netflix, Amazon Video und Co. auf Dauer im Markt etablieren. Man wird daher auch versuchen den globalen Geschmack mit Formaten einzufangen. Hier denke ich an ein Format wie „Friends“, welches auch global eine erfolgreiche Sitcom war. Big Bang Theory könnte ebenfalls eine Blaupause für einen Serienhit sein. Man wird sich immer weiter in Serien versuchen. Dazu könnten dann langsam auch Late Night Shows kommen. Schon jetzt ist die Nachrichtenlage im Westen oft gleich. Man versteht auch in Deutschland die Witze über einen Donald Trump. Hier könnte es in absehbarer Zeit ein eigenes Late Night Show Format von einem der Streaminganbieter geben, weil man es in sehr vielen Ländern zeigen könnte. Schon heute zeigt ein deutscher TV Sender die Tonight Show mit Jimmy Fallon samt deutschen Untertiteln. Diese Late Night Shows funktionieren einfach global. Hier könnte sich ein „Sender“ wie Netflix dauerhaft einen Conan O’Brien für eine solche Show einkaufen, welche an fünf Tagen die Woche weltweit zum Abruf angeboten wird. Das werden sicher die ersten Versuche hin zu einem vollwertigen Programm sein, weil der Aufwand eher gering ist.

Alleinstellungsmerkmale vom klassischen Fernsehen

Das Radio existiert weiterhin. Ebenso wird uns auch das klassische Fernsehen noch Jahre und wahrscheinlich Jahrzehnte erhalten bleiben. Shows, Reality- und Trash-TV werden hier das Programmbild dominieren. Auch Ratgeberformate und günstige Shows werden für das lineare Fernsehen wichtiger werden. Der komplette Promizirkus wird hier ein wichtiger Faktor sein, weil sich Boulevard, Fernsehen und Presse hier immer mehr miteinander verzahnen. Diese Kultur gibt es einfach nicht im Netz. Sylvie Meis hat bei RTL einen Vertrag und der Sender baut Shows um sie herum. Netflix wird auch keine Helene Fischer Show an Weihnachten produzieren. Hier hat klassisches Fernsehen auch in Verbdinung mit Sportereignissen und nationaler Berichterstattung weiterhin die Nase vorn. Hier zappen die Bürger auf die Nachrichtensender und nicht auf Amazon Prime Video. Allerdings werden Filme und Serien unwichtiger im Prgramm der klassischen Fernsehsender. Gerade für Sender wie ProSieben wird es daher nicht leichter. Hier wird man nur mit großen und aufwendigen Shows beim Publikum punkten können, weil Joko & Klaas noch keinen Exklusivdeal mit Netflix abgeschlossen haben.

LG 49UF6809 123 cm (49 Zoll) Fernseher (Ultra HD, Smart TV Web OS, Triple Tuner, Magic Remote Ready, Motion Eco Sensor)
110 Bewertungen
LG 49UF6809 123 cm (49 Zoll) Fernseher (Ultra HD, Smart TV Web OS, Triple Tuner, Magic Remote Ready, Motion Eco Sensor)
  • Typ: (LED-Backlight) Fernseher mit 123 cm (49 Zoll) Bildschirmdiagonale
  • Auflösung: 3840 x 2160 Pixel (Ultra HD); PMI (Picture Mastering Index): 1000
  • Empfang: (Analog, DVB-T2 (Terrestrisch), DVB-C (Kabel), DVB-S2 (Satellit), CI+, WLAN/DLNA)

Rob Vegas

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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