Die ersten Tage mit Firewatch

[dropcap]D[/dropcap]as Spiel Firewatch hat mich sofort neugierig gemacht. Man spielt darin einen Ranger, welcher in der Wildnis eigentlich den langweiligsten Job der Welt hat. Natürlich kommt es zu einem Zwischenfall und auf einmal gerät die eigene Welt leicht aus den Fugen.

Nichts zu tun

In Firewatch rennt man nicht mit einem Maschinengewehr herum und die Welt explodiert. Man ist einfach in der Natur, welche aber von den Entwicklern sehr anschaulich gestaltet worden ist. Im Endeffekt ist es aber ein sehr simples Spiel. Man läuft herum und klettert ein wenig über Stock und Stein. Das Spiel ist dabei nicht einmal perfekt programmiert und ruckelt auch schon an manchen Stellen auf der Playstation 4. Allerdings ist der Grafikstil auch wunderschön anzusehen. Was das Spiel ausmacht? Das nackte Abenteuer. Über Walkie-Talkie hält man Kontakt zur eigenen Chefin. Hier findet das eigentliche Spiel statt. Man plaudert andauernd humorig und ironisch mit Delilah, welche aber gleichzeitig sehr geheimnisvoll ist. Immerhin hat man am ersten Tag noch zwei weibliche Teenager verjagt, welche nun auf einmal verschwunden sind. Zudem wird man schnell selbst verdächtigt, weil man die beiden Mädels als letzter Mensch im Wald gesehen hat. Diese Gespräche über Tage und Wochen bauen erst die Spannung richtig auf. Wer ist Delilah? Spielt sie falsch? Warum will sie diese Information über mich? Sollte ich sie anlügen? Hier macht Firewatch richtig Laune und packt den Spieler.

Simulation

Im Kern bleibt Firewatch eine einfache Simulation. Die Landschaft ist nett anzusehen, doch dieser Vorteil ist natürlich nach spätestens zwanzig Minuten Spielzeit erschöpft. Pfade sind vorgegeben und ganz frei erkunden kann man die Canyons, Flüsse und Wälder nicht. Vielmehr bekommt man von Delilah Aufträge und schaltet dadurch neue Areale frei. Mitunter nerven die Wanderungen auch, weil man viele Pfade halt schon mehrmals abgestiefelt ist. In diesen Momenten kommt auch die eher schwache Technik durch, weil man sie als Spieler bemerkt. „Aha! Noch einmal stumpf zurücklaufen, weil es dann eine Mission ergibt!“. Nicht immer sind die Tage sehr spannend. Allerdings nervt Firewatch nur bis zur ersten Schmerzgrenze. Einmal sollte ich am See ein Geräusch lokalisieren. Irgendwo lag also ein Radio herum und ich sollte es finden. Der Texthinweis im oberen Drittel gab dabei grob eine Richtung vor. Leider suchte ich fast 20 Minuten dieses dämliche Objekt, welches irgendwo auf dem Boden lag. Im letzten Moment findet man diese Dinge aber dann doch immer und will wieder 20 Minuten weiterspielen.

Firewatch ist erfrischend anders

Ich persönlich habe Firewatch diese Fehler und Schwächen bisher immer verziehen, weil dieser Spielansatz so frisch wirkt. Ich ballere mir nicht den Weg frei. Ich spiele hier auch kein klassisches Adventure. Ich werde einfach in eine andere Welt versetzt und bin Parkwächter, weil ich im normalen Leben Probleme habe. Hier punktet das Spiel sehr. Es fühlt sich richtig an so minimalistisch zu sein. Ich spreche sehr viel mit Delilah und erlebe ein wenig die Handlung in einem Film selber mit. Mitunter entdecke ich vielleicht nur eine süße Schildkröte, oder kontrolliere die Telefonleitung. Vielleicht laufe ich auch wieder einmal 500 Meter in die falsche Richtung, weil ich meinen Kompass nicht benutzen wollte. Andere Spiele leiten Spieler durch lange Tunnel und Levelabschnitte. Delilah erzählt mir von einem Ort auf der Karte. Ich muss auf meine Karte schauen. Ich muss nach Kompass laufen. Das Spiel setzt den Spieler vor vollkommen ungewohnte Aufgaben, welche handelsübliche Spiele längst selbst stemmen. Hier wird einfach eine gute Geschichte erzählt, welche mit einer sehr ungewöhnlichen Grafik umgesetzt worden ist. Ein Film als Computerspiel, bei dem ich den Hauptdarsteller ein wenig steuern und beeinflussen kann. In den 90ern gab es ähnliche Ansätze, doch 2016 ist auch die Technik fit für derlei Simulationen. Firewatch ist damit wirklich auch ein Tipp für ältere Spieler, welche mit Call of Duty und Co. nicht mehr viel anfangen können.

Firewatch - [PlayStation 4]
11 Bewertungen
Firewatch - [PlayStation 4]
  • Sony Computer Entertainment
  • Videospiel

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

Hier geht es weiter...