Tatort mit Harald Schmidt
Tatort mit Harald Schmidt

Was ich 2015 von Harald Schmidt gelernt habe

Tatort mit Harald Schmidt
Tatort mit Harald Schmidt

Immer wieder werde ich zu Buch und Hörbuch nach der Meinung vom echten Harald Schmidt gefragt. Die Antworten sind meist sehr einfach, aber der gemeine Journalist kann sie oft nicht fassen. Dabei kann man von Harald Schmidt einfach sehr viel lernen. Ich lerne da still für mein eigenes Leben mit.

Warum sagt Harald Schmidt nichts dazu?

Weil er einfach Größe beweist. Man darf dazu einfach nichts sagen. Jeder kleine Comedian hätte sich öffentlich in 20 Interviews der Boulevardpresse aufgeregt, um selbst ein wenig Rampenlicht zu erhaschen. Schmidt braucht es nicht. Der Amtsinhaber muss dazu nicht Stellung nehmen. Ich habe die Fälschung kenntlich gemacht, rechtlich ist es in Ordnung und daher gibt es keinen Grund zur Klage. Er würde meinem Werk mit einer öffentlichen Aussage sogar schaden, weil es dann nach einer Zusammenarbeit aussehen würde. Würde es ihn wirklich extrem stören, so könnte er es mit einem Anruf bei einem bekannten Journalisten in der Luft zerfetzen. Da agiert Schmidt aber wie der verstorbene Altkanzler. Das ist „Tagespolitik“ und interessiert ihn nicht. Er ist für die großen Themen zuständig. Da kann man einfach nur lernen vom Meister. Einfach nichts sagen. Das beweist erst wahre Größe.

Stört ihn das Buch nicht?

Nein. Der Mann ist glücklich. Das will man ja in Deutschland auch einfach nicht verstehen. Es braucht keine eigene Late Night Show im FreeTV, um einfach selbst glücklich zu sein. Er hat ein paar nette Jobs beim Traumschiff, mischt ein wenig beim Tatort mit und genießt ansonsten seine Ruhe. Genug Geld dürfte für drei Leben vorhanden sein. Er kann so unbeschwert wie mittelscharfer Senf sein Leben leben. Hier einmal mitspielen, dort ein Interview geben, oder sich vor jungen Studenten feiern lassen. Das ist ein grandioses Leben. Er hat keinen Druck, ist ein gern gesehener Gast und braucht sich nicht um die verkackte Quote zu scheren. Mehr Qualitytime kann man gar nicht haben. Täglich rauschen dennoch die Anfragen der Gazetten im Büro für ein Interview ein. 99 Prozent ablehnen und sich nur das Beste gönnen. Zufrieden sein. Alles erreicht haben. Es muss ein wunderbarer Zustand sein vermisst zu werden. Ich selbst finde diese Lebensgestaltung großartig. Man muss nicht jeden Tag auf YouTube ein Video online stellen. Hier ein Buch schreiben, dort einen lustigen Tweet und dann und wann ein Interview. Das ist doch geradezu ein erstrebenswerter Zustand der Tiefenentspanntheit.

Warum nun Tatort?

Weil es Spaß bedeutet. Schmidt hat ein paar lustige Drehtage, wird sicherlich fürstlich für seine Rolle bezahlt und kann vor Ort Spaß mit der Crew haben. Dazu wird sein Auftritt für Presse sorgen. Mit wenig Arbeit sehr viel Wirkung erzeugen. Sollen sich doch die kleinen Lokaljournalisten das Maul zerreißen. Es endet in mehreren Zeilen der Presse und befeuert am Ende doch nur den eigenen Stellenwert in der Kulturlandschaft. Schmidt muss sich nicht mehr beweisen. Sie werden als Universität von ihm eher eine Zusage für eine Podiumsdiskussion erhalten, als jedes Printmedium in Deutschland. Warum? Das macht Spaß. Auf der Bühne sitzen, ein paar Gags raushauen und echten Applaus von 350 Studenten erhalten. Das ist die neue Harald Schmidt Show. Er muss dafür nicht einmal die Produktion stemmen und kann zu tagesaktuellen Themen frei heraus seine Spitzen absetzen. Besser kann man sein Leben kaum leben. Das Fernsehen muss Kosten sparen, in lauter Clips das Programm 360 Grad im Netz vermarkten und Virals auf YouTube produzieren. Das ist keine klassische Late Night mehr. Das ist viel zu viel Arbeit, welche obendrein noch schlechter als vor 15 Jahren bezahlt wird. Schmidt hat den wunderbaren Status erreicht, dass er diesen Mist einfach nicht mehr nötig hat.

Für diese Lebensweise kann man ihn nur bewundern. Er hat es geschafft.

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Geschrieben von

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

Richtig unfassbar wird es erst hier...