Meine Social Media Strategie namens „Irrer Iwan“

Rob Vegas Mazda
Mazda Rekordjagd 2014

Ich betreue als Rob Vegas längst nicht mehr nur den Account von @bonitotv (Fake Harald Schmidt). Neben meinen eigenen Profilen ist zum Beispiel auch der offizielle @schlefaz Account in meiner Hand. Dabei fragen mich immer wieder Menschen, welche Strategie ich für diese ganzen Profile habe? Es ist einfach und gleichzeitig viel Liebe zum Detail.

Die Sprache als Schlüssel

Harald Schmidt kann viel böser als Rob Vegas sein. Mir würde man viele Tweets von @bonitotv als @robvegas übel nehmen. Dieser Mann hat ein ganz anderes Standing. Dafür muss man eine passende Sprache erfinden. Kleine Eigenheiten wie „Grüße bitte“ machen da ganz viel Charakter aus. Immer wieder treffe ich in meinem Job auf junge Social Media Profis. Meist wollen sie mit mir über Tracking, Links und crossmediale Nutzung sprechen. Wie kann man diesen Account mit mehr Reichweite ausstatten? Wie kann man mit Facebook interagieren? Welchen Linktracker setzt man ein? Wann postet am besten Fotos? Wie oft muss man am Tag eine Werbebotschaft unter das Volk bringen? Meine besten Partner lassen mich dagegen einfach machen. Vertrauen ist ein großer Schlüssel in Sachen Social Media.

Einen Retweet von Spiegel Online kann man einfach nicht planen. Habe ich auch nie.

Spiegel Online Rob Vegas

Spiegel Online Rob Vegas

Irrer Iwan

Für mich ist Twitter immer ein Prozess. Man ist mit jedem Profil endlos schwanger, weil sich die Rahmenbedingungen über die Monate und Jahre immer wieder verändern. Erst wird Instagram hip und auf einmal wollen alle Beteiligten bei Snapchat dabei sein. Diese Elemente sind sehr austauschbar und meist nur Hypes. Wir brauchen Periscope!! Ja… und selbst in den bekannten Streams findet man dann nur 30 Zuschauer bei der Liveübertragung. 10 davon sind aus der zuständigen Agentur und kontrollieren die Übertragung. Das bringt meistens gar nix. Der „irre Iwan“ ist weitaus erfolgreicher. Die Sprache ist wichtig. Wie spreche ich die Zielgruppe an? Wo ist die Grenze beim Humor? Der Rest ist erlaubt und man darf sich ausprobieren. Zum Beispiel merkt man erst an der Arbeit bei @schlefaz wie sehr diese Gruppe an Fans über die Wochen und Staffeln zu einer kleinen Gemeinde zusammengewachsen ist. Daher habe ich den Begriff der „SchleFazianer“ erfunden. Es verbindet die Menschen und gibt uns allen ein gutes Gefühl. Bei Fake-Schmidt würde ein solcher Begriff überhaupt nicht funktionieren. Er darf sich auch gar nicht zu gut mit dem Netz auskennen. Er darf nicht politisch korrekt sein. Er kann diese ganze Social Media Geschichte durchaus auch hinterfragen und muss sie sogar oft lächerlich sehen. Diese Sprache zu finden kostet Zeit und man macht auch viele Fehler. Man wird immer einmal mit einem Tweet voll daneben liegen. Drauf geschissen. Man darf auch nicht jeden einzelnen Tweet für sich so wichtig nehmen. Agenturen und Kunden planen da ja gern jeden Beitrag über Wochen vor.

Ein typischer Tweet von @bonitotv, weil er die Sprache von Schmidt treffen könnte.

Mazda als Paradebeispiel

Für mich persönlich war ein gefälschter Account von Mazda Deutschland das bisherige Highlight meiner Arbeit mit Twitter. Nicht weil es gefährlich war sich als offizielle Marke auszugeben, sondern weil der Spagat zwischen klassischer PR und ein wenig Humor so gut funktionieren musste. Natürlich hatte ich Angst vor den Anwälten. Allerdings half mir im Kopf immer der Slogan von Mazda „Es scheint solange unmöglich, bis es jemand macht.“. Das war die Marschroute. Ich musste mir die perfekte Sprache für die Kundschaft überlegen. Wie sind Mazda-Fahrer? Was unterscheidet sie von Fans von BMW? Wie kann man sie mit kurzen Tweets begeistern? Nicht nur Pressemeldungen auf 140 Zeichen verkürzen, sondern interessante Inhalte aus der Firmenwelt für Twitter aufbereiten? Das war unfassbar viel Arbeit im Kleinhirn, aber hat mich auch richtig gefordert. Im Gegensatz dazu ist Schmidt fast schon ein Hobby. Das kostet mich nicht viel Zeit, weil es mir einfach von der Hand geht. Doch gerade wegen diesen Accounts kommen immer wieder Menschen auf mich zu. Sie wollen meine Herangehensweise erfahren. Sie ist denkbar einfach. Die Grenzen für die jeweilige Zielgruppe kennen und der Rest findet sich von selbst. Zumindest bei mir, denn die besten Kunden lassen mich einfach machen. Sie kennen meine Arbeit und vertrauen mir. Eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit von Kunden. Man muss eine Menge Vertrauen zum Twitteronkel haben, weil er dann auch die Freiheit hat mit Situationen umzugehen. Ich war eben zum Beispiel lecker Pizza essen und habe vier Gläser Weißwein getrunken. Danach kam ich heim und der bekannte YouTuber Gronkh hatte @schlefaz auf Twitter geantwortet. Da sind mir Öffnungszeiten egal. Es war für alle Beteiligten ein großer Spaß und der Account @schlefaz hat davon profitiert. Das kann man nicht planen. Man sollte es auch nicht. Das ist im Kern das Geheimnis hinter meiner Arbeit. Spaß und Freiheit mit den Accounts haben.

Mein gefälschter Mazda Twitteraccount mündete in einer Einladung nach Leverkusen ins Hauptquartier. Nie geplant.

Mazda Rob Vegas

Mazda Rob Vegas

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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