Das Problem der WiiU

Die WiiU ist noch immer ein Sorgenkind von Nintendo. Die Konkurrenz hat starke Geschütze aufgefahren, Nintendo kommt mit neuen Spielen kaum nach und dann ist da noch das Betriebssystem der WiiU.

Die Gerüchte rund um das OS

Um das OS der WiiU von Nintendo ranken sich viele Gerüchte. Electronic Arts war anfangs stark an der Entwicklung beteiligt, doch dann kam es mitten in der Entwicklung zum Bruch mit den Japanern. Angeblich wollte EA sein Origin-System exklusiv auf die neue Heimkonsole bringen, aber Nintendo lehnte diese weitreichende Kooperation ab. Man nahm die Hilfe bei der Entwicklung gerne an, wollte die Plattform aber offen für andere Studios halten. Ansonsten hätte Electronic Arts zu viel Macht über die Dienste im System der WiiU erhalten.

Auf den letzten Drücker

Nun war man mitten in der Entwicklung aufgeschmissen, angeblich war sogar Valve mit seinem SteamOS interessiert und so musste man ein eigenes Betriebssystem schustern. Hier hat Nintendo jedoch keine wirklichen Erfahrungswerte zu bieten. Bei einer Wii musste nur ein Spiel geladen werden und Online-Multiplayer war noch kein großes Thema. Heute allerdings bieten selbst Smartphones große Betriebssysteme mit vielen Features. Nintendo musste also lauter Möglichkeiten integrieren, passend zur Produktion die Entwicklung beenden und Developer-Kits an die Entwickler ausgeben. Es konnte nicht gut gehen und selbst heute erscheinen immer wieder große Updates für das OS der WiiU. In Deutschland fehlen sogar noch ganze Features wie TVii und sollen irgendwann nachgereicht werden.

In der Praxis lahmt das OS

Als Konsument ist man sehr schnell enttäuscht von dieser Basis. Die WiiU reagiert im Hauptmenü träge, hat lange Ladezeiten und nicht einmal die neue Schnellstart-Funktion ist so richtig schnell. Dabei wird das „MULTI“-System von Green Hills Software als leistungsstarkes OS angepriesen. In der Praxis bemerkt man diesen Zustand jedoch nicht. Die WiiU kann keine zwei Programme gleichzeitig öffnen und selbst ein Gang in die Einstellungen der Konsole kostet zu viel Zeit. Bei der Schnellstart-Option werden lediglich ein paar Zwischenschritte übergangen. Es wirkt wie eine Verknüpfung auf einem Desktop und nicht wie eine Lösung für viele Probleme. Die WiiU ist beim OS einfach viel zu schwach auf der Brust. Anscheinend kann Nintendo dieses Problem bisher auch nicht richtig lösen. Viele Updates später ist die Konsole immer noch nicht schnell und selbst eine App wie Netflix lädt viel zu lange. Ich warte als Nutzer hier schnell 20 Sekunden und bei meinem Smartphone öffnet sich das Programm sofort.

Netflix und Amazon Video mit an Bord

Dabei kommen immer mehr Spiele für die WiiU und Nintendo umgarnt die IndieSzene mit einer attraktiven Umgebung. Man hat sogar die Unity-Engine für kleine Entwickler zur Verfügung gestellt und gestaltet die interne Firmenpolitik lockerer. Früher mussten fremde Entwicklerstudios für Nintendo noch eine echte Büroadresse angeben können. Da mahlten die Mühlen in Japan oft zu bürokratisch. Mittlerweile gibt es jedoch im Nintendo-eShop unzählige Spiele, welche man so auch von Smartphones und Tablets kennt. Daneben ist das WiiU-Gamepad in der Praxis ein grandioses Gaming-Tablet. Das Spiel liegt direkt zwischen den Händen und kann ohne Fernseher gespielt werden. Nur kann man auf diesem OS leider kein Twitter installieren. Apps gibt es nur offiziell und mit der Genehmigung von Nintendo. Dennoch gibt es mittlerweile Amazon Video und Netflix auf der Konsole. Es gibt auch tolle Spiele wie Mario Kart und Rayman auf der Konsole. Nur müsste das System dahinter auch dem digitalen Alltag gewappnet sein.

„MULTI“ braucht dringend Vitamine

Das WiiU OS „MULTI“ scheint einfach zu schnell gestrickt worden zu sein. Vielleicht hat man für das OS auch zu wenig Hardwareleistung vorgesehen und quält sich nun mit den Features ab, weil die Konsole es einfach nicht schaffen kann. Auf mich wirkt „MULTI“ immer wie ein aufgebohrtes Wii OS mit Netzfunktionen und Browser. Nur ist diese Leistung heute nicht mehr genug. Man braucht ein leistungsstarkes Betriebssystem, Connectivity, Apps, butterweiche Programmwechsel und noch Kraftreserven für die Zukunft.

Hier muss Nintendo noch einmal kräftig nachbessern. Ansonsten bleibt jedes Android 2.2-Gerät der WiiU in Sachen Betriebssystem überlegen.

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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