Die oft ungestellte Frage

Ein Video mit Freunden drehen. Es schneiden und mit Effekten versehen. Am Ende kinderleicht hochladen. Ein Format entwickelt haben. Und dann?

Technik?

Oftmals fragen mich neue YouTuber nach verwndeter Technik und Tipps für ihren eigenen Kanal. „Welches Videoschnittprogramm benutzt Du eigentlich?“ ist da der Top-Dauerbrenner-Deluxe-3000-Plus. Diese ganzen Fragen von Neulingen sind oftmals aber nur auf das Bild bezogen. Wie kann ich qualitativ hochwertigen Content zu einem günstigen Preis produzieren? Oftmals ist auch der Ton ein Problem, weil Camcorder und Kameras im Consumer-Bereich keine professionellen Audio-Schnittstellen bieten. Die integrierten Mikrofone dienen bestenfalls dazu ein schönes Meeresrauschen aufzunehmen.

Planung

Eine viele wichtigere Frage stellen sich Macher allerdings selten. Warum will ich den Content auf YouTube laden? Aus Spaß! Diese Antwort hört man sogar vereinzelt ab und zu. Die nächste Frage stelle ich dann gern und ernte Ratlosigkeit. „Hast Du denn auch Ideen für mindestens 20 Ausgaben von Deinem Format?“ – Fehlanzeige. Dabei ist es die wichtigste aller Fragen für einen YouTube-Kanal. Ich kann mich noch gut an meinen Anfang bei YouTube und Sevenload erinnern. Dabei fühle ich mich dann oft gleich wie der Webvideo-Opa aus 2006. Da hatte ich gleich mit den ersten Folgen eine TV-Präsenz, Kooperationspartner, Werbeanfragen und noch gar keinen Plan von einem Format. Ich nannte es zwar „Mindtime Show“, doch gab es noch gar keine Elemente für so ein Format. Bestenfalls ein schmissiges Intro, Las Vegas im Hintergrund und eine Bluebox. Mit jeder Woche plagte mich die Ideensuche mehr. Immerhin warteten die Zuschauer auf neue Ideen. Spätestens am Samstag Abend musste hier geliefert werden. Diese Frage nach der nächsten Ausgabe wurde immer öfter zur Qual. Dazu musste sich das Format ja steigern. In Qualität, Umfang und Verrücktheit zunehmen. Zwar hat man dann ganz neue Einfälle, aber diese Sendungen sind zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht umsetzbar. Meinen Tandemsprung konnte ich gar erst zur 100ten Ausgabe mit viel Unterstützung vollführen. Die Idee dazu enstand schon ganz am Anfang der Mindtime Show bei einer Runde mit Freunden.

Aufwand

Wie also mit extrem wenig Aufwand sich Woche für Woche toppen? Natürlich hat es im Endeffekt eine Menge Spaß gemacht. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und kann mittlerweile dank dieser Zeit und netten Kontakten auf meine Erfahrung zurückgreifen. Heute könnte ich selbst ohne Thema eine Sendung machen. Zur Not regt man sich halt über eine Sache auf. Deswegen finde ich auch Gernot Hassknecht nicht mehr so lustig, weil es immer die gleiche Nummer mit Schimpfwort am Ende ist. Dabei hat jener Charakter der heute-Show enormes Potential. Man sollte sich diese Fragen wirklich vorher stellen. Was will ich mit meinem Format erreichen? Gibt es schon 1000 andere Review-Formate für Android Apps? Ist meine Nische schon voller Top-Konkurrenz? Was kann ich anders und damit vielleicht besser machen? Wie fülle ich 20,30,40 Ausgaben? Will ich immer mehr Freizeit für den digitalen Ruhm opfern? Mit einer Million Klicks hat man gerade einmal ca. 1300-2000 Dollar verdient. Das kommt immer ganz speziell auf Adsense und die Werbevideos an. An Geld sollte man daher zumindest am Anfang eher nicht denken.

Will ich Dich bremsen? Niemals. Du lernst eine Menge neuer Leute kennen, wirst wahrscheinlich sogar zu verrückten Events eingeladen und lernst bei Erfolg auch immer mehr die Medienwelt kennen. Nur die Frage solltest Du Dir zu Anfang ruhig stellen:

Kann ich 20 tolle Ausgaben von meinem geplanten Format machen?

Ja? Dann bin ich gespannt mehr von Dir zu sehen.

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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