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Kannst Du meine Seite liken?

Facebook Fanseite

Natürlich kann ich Deine Facebook-Fanseite “liken”. Man bittet mich auch täglich darum. Noch mehr nerven nur die Visitenkarten von Autoschiebern an meiner Fahrerscheibe. Was hast Du denn davon?

Meine Seite muss bekannter werden und Du kannst helfen!
Die Bitte kommt oftmals aufgrund des Auftraggebers. Irgendwer hat seine Vorgesetzten von Facebook überzeugt, eine brandneue Facebook-Fanseite angelegt und braucht noch eine bestimmte Anzahl an Fans. Unter 100 Verfolgern und Fans kann man sein Projekt kaum schön präsentieren.

“Hier tut sich was! Wir haben schon 100 Fans und Freunde auf Facebook!”

Die ersten 100 Fans bei Unternehmensseiten dürften wohl oftmals Freunde und spontane Klickhelfer sein. Der Dunstkreis klickt auf “Gefällt mir” und so entsteht zumindest die Zahl 100. Bis zur 1000 dauert es dann die kommenden 100 Jahre und man freut sich bestenfalls über den eigenen Aktionismus. Die Seite soll “gepusht” werden. Die Zahl der Fans muss wachsen. Von Inhalten spricht man dagegen selten. Vielmehr muss das Banner möglichst fetzig sein. Natürlich muss man es verbinden mit Twitter und bittet auch hier noch einmal um Schützenhilfe bei der Generierung von Verfolgern. Das Ergebnis? Am Ende hat man eine weitere Facebook-Fanseite mit 367 Fans erzeugt. Spätestens hier ist nun das Ende der Fahnenstange erreicht und ich hoffe für die Ersteller dann spätestens jetzt seine absurde Rechnung gestellt zu haben.

Was bringt Dir mein Like?
Das frage ich mich seit Jahren. Es scheint den Menschen unglaublich wichtig zu sein. Man fordert sogar oft noch einmal die schon bestehenden Fans auf es weiter in die Welt zu tragen.

“Bitte teilt die Beiträge!”, “Drückt nicht nur auf “Gefällt mir!”!”

Meine Erfahrung? Menschen und User reagieren auf diese Bitten nicht. Das klappt fast nur auf YouTube. Hier kann ich als Person am Ende eines Werkes die Zuschauer bitten meinen Kanal zu abonnieren. Es muss hier aber auch nett und ohne Druck geschiehen. Deswegen bemühe ich mich sogar jedes Mal einen neuen Ansatz zu finden. Bezug zur aktuellen Ausgabe herzustellen. Ob es hilft? Meinen Statistiken nach wirkt es. Vielleicht abonnieren es die User aber auch, weil ihnen das Video gefallen hat. Das kann man am Ende nicht wirklich nachweisen.

Ich frage mich jedoch immer, warum ich die Seite eines Unternehmens aus dem Mittelstand “liken” soll? Bestenfalls brauche ich dort die Telefonnummer von der Webseite und die Adresse für die Eingabe in mein Navi. Gerade für Facebook und eine Verbreitung von Inhalten im Netz bedarf es spannender Inhalte. Die fehlen meist komplett. Ich benötige spannende Produkte und Videos. Presse und TV. Tom Dickson von Blendtec hat hier das Maß aller Dinge gesetzt und präsentiert jede Woche seinen Mixer in eigenen Videos auf YouTube. Er ist überzeugt von seinem Produkt und zerlegt damit iPhones und aktuelle Gegenstände der Popkultur. Das funktioniert und zieht auch Fans auf die eigene Fanseite. Schließlich will ich als Nutzer über neue Videos informiert werden.
Nur warum sollte ich mich täglich über neues Holzlaminat informieren wollen? Warum sollte ich Agentur XY abonnieren? Nur bei ausgezeichneten Inhalten mit einem optionalen Unterhaltungsfaktor macht hier die Bewerbung auf Facebook Sinn.

Unsinn! Vielleicht. Die echten Kunden können auch über die sozialen Netzwerke einen Erfahrungsgewinn erzielen. Dann sollte man aber auch genau diese Kunden ansprechen und den Link zu den sozialen Aktivitäten in jede Mail als Sigantur setzen. Es auf der Webseite gut einbetten und es langsam wachsen lassen. Es einfach vollkommen selbstverständlich nutzen und bespielen. Natürlich sind wir als Unternehmen auf Facebook. Natürlich finden Sie neue Informationen auch bei Facebook. Natürlich gibt es von unserer Band auch neue Audioschnipsel auf dem sozialen Netzwerk. Es geht hier nicht nur um Firmen. Jedes Projekt sollte über die eigenen Inhalte an Reichweite gewinnen. Überzeugt mich das Produkt nicht, so ist auch mein Fantum vollkommen belanglos. Dann ist es nur eine Zahl unter dem Banner, welche ich vergrößere. Es dient aber in keinster Weise dem Erfolg.

Oftmals kommen die Betreiber dann auf neue Ideen. Die Zahlen bewegen sich immer noch nicht nach oben. Dann müssen wir nun auch noch bloggen und twittern! Super. Noch mehr Inhalte ohne Leser. Man benutzt stets die Wege der Verbreitung als Lösung für den lahmen Motor. Ohne Auto bringt mir auch die Autobahn keinen Vorteil. Ich muss darauf fahren und beim Rennen an sich Verfolger finden.
Nun erfinden wir also ein Blog und füllen es mit Artikeln der Azubine. Vielleicht bloggt sogar der Firmenchef und seine Mitarbeiter kommentieren brav. Vielleicht auch befreundete Kollegen mit einer eigenen, belanglosen Internetpräsenz. Man muss ja “networken” und “dabei” sein. So betrügt man sich schnell gegenseitig und erzeugt künstliches Interessen. Mein Blog funktioniert, denn es kommen Kommentare rein. Auch hier ist die Anzahl wichtig. Das zieht sich durch alle diese Vertriebsmöglichkeiten. 1000 Verfolger bei Twitter, 300 Fans bei Facebook und vier Kommentare im Blog. Zeit um sich selbst mit einem neuen iPhone zu feiern.

Ist dann auch noch nicht der Durchbruch im eigenen Hirn geschafft, so sollte man spätestens jetzt drei iPads verlosen und damit 10.000 Fans generieren. Die dann aber meist doch in den Händen von befreundeten Kollegen enden. Wer prüft schon ein abgeschlossenes Gewinnspiel nach? Genau.

Ich kann hier aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Ihnen und Euch ein paar Erkenntnisse verraten. Was bringt mir heute ein reichweitenstarker Twitter-Account mit 35.000 Verfolgern auf Twitter von einem Fake-Schmidt? Ansehen. Noch immer gehört das Teil mir. Es hat aber sonst keinen Sinn. Es bringt absolut keinen Vorteil für mein eigenes Projekt. Natürlich brachte es den in seiner aktiven Zeit und der Unkenntnis über die Echtheit. Nur nützt Twitter nicht viel. Bestenfalls als Gagschleuder. Hier ist es für mich extrem hilfreich. Ich schleudere gratis einen Gag raus und er verbreitet sich schnell. Das macht meinen Namen bekannter. Als Unternehmen habe ich diese Chance aber nicht. Als Musiker ebenfalls nicht. Ich muss ein Produkt haben. Humor ist da eine ebenbürtige Ware. Als One-Man-Show dient es dann der eigenen Reputation. Was schreibt Rob Vegas zu diesem aktuellen Thema? Ein Journalist hat mich auf dem Radar und baut mich mit einem meiner Sprüche in einen Artikel auf Focus.de ein. Schneller kann ich keine Aufmerksamkeit so günstig erzeugen. Ohne Humor ist die Fallhöhe hoch. Ein Unternehmen kann hier nur viel schneller einen Shitstorm mit ungeglückter Herangehensweise erzeugen.

Die Deutsche Bahn hat zum Beispiel 23.000 Verfolger. Wow! Und 12 Mitarbeiter! Ich habe insgesamt weit über 50.000 Verfolger und einen Mitarbeiter. Vor allem hat die Bahn täglich Millionen von fahrenden Kunden. Beschweren dürften sich da eher die Nerds der Republik via Twitter. 23.000 Verfolger mit lauter Karteileichen und Bots sind ein Witz für 12 Mitarbeiter. Ein Kieselstein am Bahnsteig. Das wirkt modern und ist heute ein “Must”. Am Ende ist es ein Witz. Twitter ist gerade in Deutschland viel zu klein und dient in erster Linie dem Humor und den schnellen Schlagzeilen. Danach folgt man internationaler Prominenz und die Journalisten bedienen sich für ihre Boulevard-Artikel bei den Instagramm-Profilen von Madonna und Co. .

Wann eine Facebook-Fanseite Sinn macht? Wenn man tolle Inhalte bieten kann. Wenn man ein Blog mit extrem interessanten Artikeln bespielen kann. Wenn man dazu noch tolles Zeug zwitschern kann. Dann macht auch die Vernetzung dieser Profile untereinander Sinn. Kurze Teaser auf Twitter, verlinken auf Facebook und die Einbettung von Videoinhalten ergeben dann auch automatisch eine Symbiose. Alles befruchtet sich gegenseitig und die Fans kommen. Ansonsten will kein Mensch von ihrem Holzlaminat wissen. Da macht es mehr Sinn Werbung im Baumarkt zu machen. Oder man produziert ein extrem gut gemachtes Video, stellt es ins Netz und nimmt sich und seinen Betrieb selbstironisch auf die Schippe. Das erzeugt dann kurzzeitig “Buzz” und “Image”. Der Rest “gefällt” einfach nicht. Nicht mir und nicht den Usern. Bestenfalls dem Vermieter von ihrem Rechnungssteller. Dieser Social Media Fritze fragt übrigens gerade wieder seine 100 Kollegen nach Schützenhilfe für den nächsten Kunden.

Von mir gibt es sie nicht.

1 Comment on this Post

  1. wgrwgr

    Das werde ich doch gleich mal liken und subscriben und kommentieren.

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