Der kurze Blick in die Zukunft

Im Netz wird gern weit in die digitale Zukunft geblickt. Alles ist irgendwann vernetzt und schon jetzt skizzieren wir oft eine vollkommen abgehobene Zukunft. Der kurze Blick erscheint da weniger spannend und ist doch mehr als nur einen Gedanken wert.

Kameras haben sich in den letzten Jahren kaum wirklich weiterentwickelt. Moment! Megapixel, DSLR und nun sogar Android im Gehäuse! Stimmt. Nur das System Kamera ist nicht wirklich erneuert worden. Kameras werden kleiner und man kann die Fotos mittlerweile direkt bearbeiten und vom Gerät aus ins Netz schieben. An der Kamera selbst hat sich dagegen kaum etwas verändert. Besonders Camcorder sind oftmals kaum eine neue Produktgeneration wert. Mein mittlerweile drei Jahre alter Camcorder ist im Kern immer noch vollkommen auf der Höhe der Zeit.
Hier sehen wir nun aber am Horizont Veränderung. Durch Entwicklungen wie die Microsoft Kinect wird die Kamera an sich schlauer. Sie erkennt erstmalig nicht nur den Raum als Pixelbrei. Sie erkennt die Tiefe. Bislang wird das nur mehr schlecht als recht für Computerspiele und die Eingabe dafür verwendet. Allerdings wird das System dahinter leistungsstärker und bald wird wahrscheinlich jede günstige Webcam auch ein wenig den Raum und die dritte Dimension darin erkennen.
Was das bedeutet? Eine Handykamera wird den Menschen vom Hintergrund unterscheiden können. Webcams werden den Hintergrund wirklich entfernen können und andere Hintergründe einsetzen können. Man wird Finger und Hände mit Gesten auch bei mobilen Geräten zur Eingabe nutzen können. Kameras werden kurz gesagt unser Gefuchtel in Eingaben umdeuten können. In allerlei Endgeräten, weil die Kamera an sich ein Tiefen-Update erfährt. Diesen Gedanken kann man für künftige Apps und Anwendungen übrigens endlos weiterspinnen. Wieviele Leute befinden sich im Raum? Welche Freunde sind gerade beim Handy meines Besitzers?

Ladegeräte? McDonalds hat erst gestern eine strategische Partnerschaft geschlossen und wird in seine Tische eine drahtlose Ladeeinheit zu Testzwecken installieren. Diese Technik wird in immer mehr Smartphones einkehren und Flughäfen und Franchise-Ketten werden den Service zum laden des Handys gerne modern als Option kostenlos anbieten. Damit wächst dann vor allem der Akku in unseren Smartphones. Wir werden nicht mehr auf jedes Prozent an Energie im Gerät aufpassen müssen. Warum schauen wir nicht endlos Video unterwegs? Weil wir permament abwägen müssen. Wie teile ich mir die verbleibende Restlaufzeit meines Akkus ein? Dieser Gedanke wird verschwinden und erst dann werden wir gewillt sein datenintensive Services auch mobil zu nutzen. Skype mit Video heute unterwegs? Bislang eher selten und nur etwas für Leute mit einer dicken Flatrate. Was wir daheim heute nur dank des Wlans tun und können, werden wir in Zukunft auch mobil tun und es wird den Nachbrenner in der mobilen Nutzung zünden. Sofern auch die Preise für Flatrates sinken. Momentan haben wir als breite Masse nur 200-500MB Datenvolumen in der mobilen Welt zu freien Verfügung. Das beschränkt alles.

“Man wird mit dem Handy irgendwann jeden Artikel bezahlen!” Ein digitaler Traum seit Ewigkeiten. Vor allem aber haben die Menschen Angst davor. Vielmehr wollen sie es nicht. Ebenso wie unterwegs skypen. Die Menschen wollen gar nicht immer gesehen werden. Aufgrund ihres unaufgeräumten Zimmers. Aufgrund der nicht sitzenden Frisur. Aufgrund ihres echten Standortes, welchen sie gerade nicht preisgeben wollen. Ebenso gibt es Ängste bei der mobilen Bezahlung von Artikeln. Durch die Luft Zugriff auf mein Geld erlauben? NFC wird es wohl endgültig ermöglichen und ändern. SMS sollte es einst schon. Selbst Konsolenhersteller Nintendo empfand die Integration eines modernen NFC Chips in die neue WiiU-Konsole als wichtig an und denkt laut eigener Aussage besonders über mögliche Bezahlmöglichkeiten nach. Hier ist also ein Wunsch der Industrie ebenfalls in der Realisierungsphase. Mit einem Klick bezahlen und mit dem Smartphone drahtlos schnell seinen Burger zahlen. Auf eine Fläche legen und schwupps sind die 4,99Euro abgebucht. Es wird die lästige Eingabe der PIN im Edeka verschwinden lassen. Es kommt schon fast garantiert. Natürlich mit unzähligen Berichten in der Presse und im TV über Geldklau via NFC, aber es ist wohl kaum noch aufzuhalten.

Ich werde bei McDonalds eine Figur im HappyMeal erhalten und kann diese dann auf einer Spielekonsole gegen digitale Zusatzinhalte für ein Spiel eintauschen. Ich werde Coupons sammeln können bei Starbucks und mein “Latte Grande Absurdico” wird dann 30 Cent günstiger. Tracking der Kundschaft wird so spannend und es wird lauter Anreize im Alltag dafür geben. Am Flughafen mit dem Handy schnell ein Flugticket lösen, Informationen sammeln und mir schnell Infos über Flächen im Alltag auf mein Smartphone schieben. Lege Dein Smartphone auf diese Fläche und schon hast Du neue Infos und Möglichkeiten.

Generell scheinen Megahertz und Leistung immer unwichtiger zu werden. Sensoren werden immer wichtiger. Das Smartphone nimmt seine Umwelt wahr und kann mit immer mehr allgemeinen Standards in der echten Welt agieren. Man scheint sich auf immer mehr echte Schnittstellen mit der Industrie zu einigen. Ein Auto mit dem Handy verbinden? Das ging bislang nicht so gut, weil ein Auto ca. 10 Jahre fährt und sich die Standards bei den digitalen Geräten zu schnell verändern. Mein neues iPhone 9 wäre dann mit der Bordelektronik zu schnell nicht mehr kompatibel. Hier scheinen sich nun langsam Standards bei allen Herstellern zu bilden. Somit werden wir bald scheinbar auch einen Standard für die Verbindung von Smartphone und Auto finden. Der Prozessor im Smartphone wird den Bordcomputer und das unter die Scheibe mit Spucke geklebte TomTom ersetzen. Ebenso wird dadurch wahrscheinlich auf Dauer das klassische Autoradio sterben. Mit der erwähnten Vergrößerung der Datenvolumina werden wir Dienste wie Spotify und Co. auch unterwegs verstärkt nutzen. Dann verlieren Radios in Autos und daheim noch mehr an Wert.

Was man dadurch erkennt? Der Computer im Smartphone wird variabel. Er wird sich dank neuer Standards der Industrie weg vom Handy entwickeln. Vielmehr schleppt man seinen persönlichen Computer permanent mit und vernetzt ihn mit Systemen. Setze ich mich mit meinem iPhone in ein Auto, so wird sich der Sitz sofort an mich anpassen. Ausgestiegen und eine andere Person setzt sich auf den Platz, so verändert es sich wieder nach seinen abgespeicherten Wünschen. Alle meine Accounts werden von Firmen in ihren Geschäften drahtlos erkannt und man weiß wer ich bin. Wahrscheinlich wird ein Vodafone-Laden bald schon nach meinem ersten Schritt in den Laden von meiner Ankunft wissen und mir Angebote machen. Zumindest wird die Service-Kraft bald nicht mehr nach meinem Namen fragen. Bitte einfach Handy auf die Fläche legen und meine Vertragsdetails erscheinen auf seinem Bildschirm.

Ich finde diesen Blick in die nahe Zukunft viel spannender als die nebulösen Versprechungen einer allzu fernen Zukunft. Whatsapp! hat in kürzester Zeit mehr verändert als jede großspurige Zukunftsvision.


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