Brief an den Bundespräsidenten

Lieber Herr Bundespräsident Wulff,

im Amt des Bundespräsidenten stehen Sie im Dienste aller Mitbürger dieser Nation. Sie sind daher auch mein Bundespräsident. Aus diesem Grunde wende ich mich in diesem offenen Brief an Sie.

Rob VegasNach dem Trubel um den privaten Kredit von Frau Geerkens haben Sie nun das große “Stahlgewitter” in den Medien fast überstanden. Ein Schiff ist mittlerweile gesunken und der mediale Fokus liegt im Mittelmeer. Man spricht des öfteren nun von einer kleinen Affäre. Richtig anhaben konnte man Ihnen nichts und es sei von den Gazetten hochgespielt worden. Nur selbst wenn dieser Sachverhalt so minimal und nichtig gewesen ist, so haben Sie sich durch Ihr Verhalten in dieser Krise vollkommen aus dem Schloss gespielt. Sie kündigen reumütig volle Transparenz an und lassen das Volk dann auf Antworten durch ihre Anwälte warten. Vor allem beschreiben Sie es rechtlich für einwandfrei.

Nur weiß doch jeder Besucher am Stammtisch wie man sowas macht. Natürlich lässt man so einen Kredit nicht über den Egon laufen, sondern wickelt das über seine Ehefrau ab. Bauernschlau und selbst dem Dümmsten fällt dieser Kuhhandel auf.
Sie beschreiben sich dann auch gern als Opfer in den Medien und senken ihren Blick bei den Antworten. Ich bereue! Nur wirkt es leider nie ehrlich, sondern eher wie die Gastrolle in einer Seifenoper bei RTL und nicht einmal in guten Zeiten kauft man Ihnen als Bürger diese Rolle ab.
Sind Sie nun ein Gehetzter der Medien? Sie haben die Geister selbst gerufen und beschweren sich nun über das Echo von Diekmann und Co. ? Am Ende richtet über Sie keine Schlagzeile der BILD. Dazu gibt es zum Glück in diesem Land noch zu viele gute Geister mit mehr Verstand. Selbst ein di Lorenzo hat seinen Fehler in Punkto Guttenberg eingesehen und spendet seine Einnahmen aus dem Buchverkauf.

Sie dagegen haben sich dazu entschieden die Affäre auszusitzen. Trotzdem dümpeln täglich neue Verfehlungen ans Licht. Alles muss bewiesen werden, Sie halten sich zurück und am Ende müssen die Journalisten Aufklärung leisten.

Was mich aber mittlerweile am meisten in dieser Situation stört? Sie haben sogar durch Ihre so oft zitierte “Salamitaktik” eine gänzlich neue Debatte hervorgerufen. Man diskutiert neuerdings über den moralischen Anspruch an Ihr Amt. Demnach gäbe es bei keinem Menschen mehr eine reine Weste. Irgendwo kenne doch jeder einen Geerkens. Oder einen Maschmeyer. Oder besorgt sich wo er kann halt über Vitamin B ein Upgrade. Anstand gäbe es doch bestenfalls virtuell und niemand von uns könne diesen hohen Anspruch an Ihr Amt stellen. Wie kommt das Volk überhaupt dazu einen solchen Anspruch noch zu stellen?

Das kränkt mich in meiner Sicht auf unsere Volksseele zutiefst. Gibt es keine Moral mehr? Keinen Anstand? Keine Ehrlichkeit? Dann bedarf es meiner Meinung nach auch keines Bundespräsidenten mehr. Dann sind wir alle Pilger in einem gottlosen Land. Ihr Amt steht in der Öffentlichkeit für die Werte unseres Landes. Für mich als jungen Menschen ist der Bundespräsident noch eine Institution. Er ist überparteilich, gibt uns Richtung, macht uns Mut und fragt immer wieder nach den guten Eigenschaften in uns. Politisch hat er nicht viel zu melden. Ihm obliegt dafür das Wort. Er kann seine Stimme auch ohne Tagespolitik zu Themen erheben. Ein rauchender Ex-Kanzler fährt damit im Duett mit Frau Maischberger beste Quoten ein. Er kann sich wie Sie die Journalisten zum Interview bestellen und erhält die beste Sendezeit. Sogar die Sender darf er sich wählen. Er kann nicht nur Kindergärten besuchen, sondern gesellschaftliche Probleme aufgreifen und zu seinem Thema machen. Dafür ist er durch sein Amt privilegiert. Er muss sich keinen Landtagswahlen stellen, sich bei Illner fetzen und zu jedem Gerücht seinen Senf abgeben.

Nein. Der Bundespräsident steht über diesen Dingen und gibt uns in schweren Zeiten der Krise Hoffnung. Er appeliert an den Zusammenhalt im Volk. Er darf in einem wunderschönen Schloss Bellevue wohnen, Feste geben und wird von allen Bürgern geschätzt. Er ist der Bundespräsident und dem Volk dadurch oft ein Stück weit näher als die Gestalten aus dem Bundestag.

Ist es für diese Ehre mittlerweile zu viel verlangt sich kein Upgrade geben zu lassen? Die Moral auch in schweren Zeiten zu bewahren? Sich nicht mit Geld und Vorteilen von Geschäftsleuten helfen zu lassen? Keine Urlaube bei Freunden auf Mallorca in ihren Villen zu machen? Ist das wirklich zu viel von Ihnen verlangt? Ihr einziges Gut nennt sich im Volksmund “Vertrauen”. Das setzen wir in Sie. Das benötigen wir geradezu in einer heutigen Gesellschaft, wo Egoismus über dem Wohl des Nächsten steht. Wir erwarten keinen perfekten Bewohner im Schloss Bellevue. Natürlich darf der Bundespräsident geblitzt werden. Macht ihn sympathisch.
Was Sie sich dagegen an Verfehlungen und noch schlimmer im Umgang mit den Beschuldigungen geleistet haben, geht jedoch weit über das erträgliche Maß hinaus. Sie haben sich zur Witzfigur gemacht. Ihr Nachname ist ein humorvolles Verb geworden. Ihr Amt beschädigt für jeden Nachfolger.

Frau Käßmann ist wegen weitaus geringeren Vorwürfen von ihrem Amt zurückgetreten. Das zeigt einem Volk Anstand. Dabei hätte es das Volk gern übersehen. Nicht durch die weitere Ausübung ihres Amtes hat sie Vertrauen zurückgewonnen. Sie hat es durch ihren Umgang damit erreicht.

Ich bin ein junger Mann. Ich weiß sicher auch nicht wie schwierig Politik sein kann. Wie umgarnt man von vielen Seiten wird. Wie man sich dabei verändert. Was den Alltag des Berufspolitikers ausmacht. Wie viel man entbehren muss.

Ich weiß aber an was ich glauben will bei dem Amt des Bundespräsidenten. Was ich von ihm erwarte. Was ich von ihm als Bürger erwarten kann. Es war nie einfach Vorbild zu sein. Es wird nie leicht sein.

Anscheinend ist es aber unter meinem derzeitigen Bundespräsidenten einfacher denn je kein Vorbild mehr zu sein.

Das empfinde ich als Ihren schlimmsten Fehler. Denn ich glaube meinem Bundespräsidenten nicht mehr. Und egal was passiert ist. Das haben Sie zu verschulden.

Ihr Bürger

Rob Vegas

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5 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. Willi Pothmann sagt:

    Und dieses Amt, welches inzwischen nur noch den Eindruck eines ” Frühstücksdirektor” Postens macht, kostet den Bürger, Steuerzahler auch noch viel Geld.

  2. ChunkyMonkey sagt:

    da kann man nichts mehr hinzufügen. Wirklich sehr schön formuliert und den Nagel voll auf den Kopf getroffen…

  3. Chris sagt:

    Sehr schöner Brief, Rob! Klare Worte, keine Hetze und schön geschrieben. Aber leider sieht ein Herr Wulff all diese Dinge nicht! Überparteilich… ist das bei ihm überhaupt der Fall? Was hat er in seiner Amtszeit bis jetzt überhaupt erreicht? Meiner Ansicht nach hat Wulff diesen Posten eh nur, weil eine gewisse Frau Merkel ihn nicht als innerparteilichen Konkurrent auf ihr Kanzleramt haben wollte. “Hey Wulff, werd doch mal Präsi!” – Schwupps war das Problem gelöst ;)

  4. hnk24211 sagt:

    Du möchtest jemandem, der besoffen Auto gefahren ist, eher vergeben als jemandem, der sich – wegen ausgezeichneter Sicherheiten: unkündbarer Beamter, lebenslange garantierte, hohe Pension, weitere Immobilien als Sicherheit – einen günstigen Kredit besorgt hat? Dann aber gut Nacht Johanna!

  5. hellsballs sagt:

    cooler Brief
    nur könnte man den leider schon in seine Formularsammlung aufnehmen und mit geringfügigen Änderungen täglich oder stündlich versenden
    mfg

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