
Des öfteren sinniere ich über Alltägliches. Man sieht die Vielzahl der Menschen, hört ihre Gedanken und ahnt ihre Wünsche und Begehrlichkeiten. Nebenbei habe ich dadurch auch eine hohe Trefferquote was Frauen angeht, welche garantiert zur Zeit in einer Beziehung stecken. Sie sind geschäftig, meist mit größerer Tasche unterwegs und haben einen schnelleren Schritt. Sie haben ein Ziel, schauen sich seltener um und laufen nicht selten mit einem Windbreaker und Schal durch die Stadt.
Doch ich schweife ab. Was mich vielmehr verwundert und auch schon sehr lange grämt ist der folgende Gedanke. Bei Sony und Mitsubishi tragen die Angestellten in den Firmen eine einheitliche Uniform. Hier sei schon einmal die Diskussion um eine Schuluniform ins Gedächtnis gerufen. Alle sehen gleich aus. Lediglich die Fähigkeiten, das Gesicht und die individuelle Leistung samt Charakter und Gedankengut machen aus dem Arbeiter eine eigenständige und unverwechselbare Person. So sehr der Mensch augenscheinlich ins Hintertreffen durch den Einheitsbrei der Firmenpolitik gerät, so sehr ist er doch gleichzeitg vielmehr er selbst. Man erkennt seinen Reichtum nicht. So denn auch nicht seine Armut. Bestenfalls seinen Haarschnitt, seine Sprache, seinen Ausdruck.
Dennoch empfinden wir Europäer und westlich orientierten Bürger diese Art von Gleichschaltung als Beschneidung der Persönlichkeit. Als totale Einschränkung der Individualität. Hier darf man im Büro Kleidung nach eigener Farbwahl tragen und muss bisweilen eine unsichtbar, aber vorab gesellschaftlich abgestimmte Etikette wahren. Im Gegensatz zum Arbeiter bei Mitsubishi empfinden wir uns sehr viel freier. Und nicht nur das. Kaum ein Wert ist uns wichtiger als die eigene Individualität. Jeder von uns mag bisweilen einzigartig erscheinen. Erzählt Dir jemand von einem Problem, so ist es stets ganz anders als bei den anderen Menschen. Sein Stil unverkennbar. Seine Mode und sein Ausdruck ein Abbild seiner Individualität. Wir halten große Stücke auf unsere scheinbare Besonderkeit. Anscheinend sind wir alle Aliens und müssen uns gegenseitig wie neue Galaxien immer wieder entdecken. Nur warum erfreuen uns dann Komiker so sehr mit Schubladen? Mit Stereotypen? Weil wir sie kennen. Woher nur?
Nun steckt im letzten Absatz schon eine unterschwellige Kritik und macht diesen Artikel natürlich besonders einzigartig. Ich kann es einfach nicht lassen. Hierbei sei auch kurz meine Punkte-Theorie angedeutet. Als ich bei 4000 Metern aus dem Flugzeug sprang, wurde die Welt doch wirklich klein und ich raste mit ungeheuerlicher Geschwindigkeit auf die Menschheit zu. Jeder von uns ist darin nur ein unbedeutender Punkt. Geht ein Punkt öfter zu einem anderen Punkt, so entsteht zwischen diesen beiden Punkten eine Beziehung. Über die Jahre weiterentwickelt muss man nur sehr weit weg von der Erde gehen und wir alle sind zusammen nur ein Punkt. Geht man weiter ran, so kann man jedes menschliche Konstrukt anhand dieser Punkte erklären. Trifft sich Deine Freundin öfter mit einem anderen Punkt, so ist sie seltener bei Dir. Daraus entsteht wieder eine Art Beziehung. Du lernst im Job hundert andere Punkte kennen, so wirst Du zu einem Verteiler zu dem viele Punkte hinkommen, weil Du widerum viele Punkte kennst. Ich lebe danach.
Danke. Jetzt habe ich über Frauen sinniert, meine geheime Theorie veröffentlicht und wollte dennoch nur über den Einheitsbrei schreiben. Kommen wir zurück zum Kern. Stalingrad. 1943. Es ist bitterkalt und das Blut an der offenen Wunde meines Kiefers gefriert langsam zu einem stinkenden Wackelpudding. Ich schlage mich gerade selbst. Ernst bleiben! Das wird nix mehr. Ich habe diesen Artikel vollkommen verwirrt. Wo ist denn jetzt noch die eigentliche Aussage? Dafür bräuchte man ganze drei Navigationssysteme und Lutscher von Chuppa Chups. Lasse mich besser einweisen. Einheitsbrei! Mitsubishi! Individualismus! Bei Gott, es muss doch irgendwie gehen. Zur Not halt ohne.
Was ich sagen will. Kommt mir vor wie ein Date und ich bin total nervös. Dabei kann ich die Buchstaben doch manipulieren wie ich mag. Bizarr. Ich hatte erst verrückt geschrieben, aber bizarr hört sich deutlich mehr nach Abi 2003 an. Nun gut. Ich empfinde unsere Art seinen vermeintlichen Individualismus zu zeigen als Lüge vor unserer selbst. Denn wir tragen zwar alle keine Uniform, aber zum Beispiel ein iPhone. Millionen davon. Die Individualität darin liegt doch bestenfalls noch in den darauf installierten Symbolen und ihrer persönlichen Anordnung. Wir suchen uns derlei Geräte, Kleidung, Haarmode, Filme und beschreiben mit der Info-Ecke des eigenen Facebook-Kontos unsere wunderbare Individualität. Zeige mir Dein Profil und ich sage Dir wer Du bist. Doch treten dabei sämtliche individuellen Faktoren vollkommen in den Hintergrund. Wer man eigentlich ist. Das spüre ich beim Arbeiter von Mitsubishi viel schneller. Er kann sich nicht dahinter verstecken. Genau deswegen empfinde ich auch Schuluniformen als gute Erfindung.
Hier steckt auch kein kommunistisch angehauchtes Gedankengut drin. Ich empfinde es einfach als krude Alltäglichkeit. Wir gleichen uns über diese Dinge immer mehr aneinander an. Wir schalten uns selber gleich. Wir lieben die Simpsons und denken das würde etwas über uns aussagen. Dank YouPorn nehmen alle die gleichen Stellungen ein und meinen das wäre toller Sex. Überspitzt könnte Facebook einfach mein Profil mit dem von allen angemeldeten Damen in der Welt abgleichen und bei großer Übereinstimmung mir die Dame nach Hause schicken. Objektiv passen wir doch wunderbar zusammen. Nur ist es so? Ist es nicht. So kann der Mensch doch nicht wahrhaftig sein wollen in naher Zukunft. Mir geht dieser Einheitsbrei zu dem wir uns selbst machen von Tag zu Tag mehr auf den Trichter. Sprache geht verloren, Kultur, Tradition, Eigenheiten, Nationalität, Geschmack und vor allem…
Individualität.


























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