iPhone5 ist nur Software

color organized iphone

Die Apple-Gemeinde ist enttäuscht. Es gab kein neues iPhone 5, sondern eine aufgemotzte Variante der vierten Version. Gehofft hatten die Fans auf der ganzen Welt. Kurz darauf verstarb auch noch Mastermind Steve Jobs und somit trägt das letzte und aktuellste iPhone den Zusatz “S”. Schnell wurde somit nach dem Tode von Jobs aus dem iPhone 4 S das iPhone for Steve.

Verkaufen dürfte sich das neueste Gadget aus dem Hause Apple dennoch wie geschnitten Brot. Apple hat sich mit seinen Produkten längst selbst zum Kult erhoben und irgendwie redete die ganze Welt auf einmal über einen visionären Firmenchef, welcher früh an Krebs gestorben ist. Andererseits redet niemand über die Selbstmorde beim chinesischen Auftragshersteller Foxconn, aber das ist eine andere Geschichte.

Vielmehr hatte ich mir im Vorfeld zur gedachten iPhone5 Präsentation meine Gedanken dazu gemacht. Immer wieder fragte mich ein Freund ohne Smartphone was denn das neue Telefon besser machen soll? Was denn die neuen Features wären? Ich hatte selten eine gute Antwort parat. Beamen könne es wahrscheinlich nicht sagte ich ihm und gewann damit zumindest sein Schmunzeln.

Und fragen wir uns doch in diesem Artikel einmal gemeinsam: Was soll das iPhone5 können? Selbst im nächsten Jahr ist diese Frage wieder aktuell. Das Smartphone ist erfunden. Es hat eine Anbindung ans Internet, Wlan, einen Touchscreen, Gyroskope zur Lagebestimmung und Bluetooth. Obendrein werden die Kameras besser und die Akkus halten länger. Was sollte also das iPhone5 gänzlich neu erfinden?

Natürlich sind die Erwartungen an ein visionäres Unternehmen wie Apple hoch, doch war das iPad schon nur ein veränderter Formfaktor. Die Technik kannten wir bereits aus dem Telefon von Apple. Was momentan auf dem Markt erhältlich ist? 3D. Man hätte bestenfalls ein Display mit Tiefe verbauen können. Macht nur keinen Sinn und funktioniert, wie man auf dem Nintendo 3DS sehen kann, noch nicht so richtig gut. Das iPhone5 konnte eine bessere Kamera bieten und mehr Akkulaufzeit. Lediglich noch flacher hätte es werden können. Vielleicht leichter. Vielleicht auch ein gewölbtes Display. Samsung will in Kürze damit einen Konkurrenten ausstatten. Nur ist das wirklich die neue Ära der Smartphones?

Viel spannender als das iPhone5 war die Präsentation von iOS5, dem Update zum Betriebssystem von den ganzen Apple-Geräten. Selbst mein AppleTV erhält damit neue Funktionen. Ich glaube Steve Jobs hat längst durch die Wolke gesehen und erkannt, dass es nicht viel an der Hardware zu entwickeln gibt. Ein Dualcore-Prozessor wird in einem iPhone lange genug die nötige Leistung für kommende Apps erzeugen. Was ist nun wichtig? Die Software. Wie kann man alle Geräte viel besser vernetzen? Wie kann die Software einen Schritt nach vorn gehen? Wie können die Geräte untereinander sprechen lernen?

Du hast einen Computer am Schreibtisch, ein Tablet am Sofa, ein Smartphone in der Jackentasche. Manches lässt sich verbinden, Mails überall abfragen, Medien streamen, aber dennoch sind die Geräte bislang für sich noch ziemlich eigenständig. Es winkt die Cloud. Alles läuft über die ominöse Wolke im Internet. Ein Foto mit dem iPhone gerade geknipst ist somit auch sofort auf dem heimischen Rechner am Schreibtisch verfügbar. Musik überall und auf jedem Gerät verfügbar. Mein Sohn will daheim “Findet Nemo” sehen? Dann ruft er mich in der Bahn an und ich leihe den Film über mein iPhone und er kann den Film nun am AppleTV abrufen.

Diese Verbindungen müssen geschaffen werden. Sie müssen fast unsichtbar werden. Natürlich. Hier wird auch neuer Raum für die Entwickler geschaffen. Langsam fehlen die Ideen für neue Apps, welche auch nützlich sind. Es werden Apps entstehen welche mit mehreren Geräten funktionieren und diese wie ein Netzwerk nutzen. Spiele werden vom iPhone über AppleTV spielbar sein.


Die große Aufgabe ist momentan nicht die Hardware. Apple experimentiert nun mit Sprachausgabe und Eingabe. Man wird mit seinem Telefon sprechen können. Emails diktieren, das Gerät nach dem Wetter fragen und sich Restaurants suchen. Das Telefon hört erstmals auf den Nutzer. Es versucht seine Umwelt wahrzunehmen. Es wird sich im Raum umsehen wollen, andere Geräte nutzen wollen und auf deren Ressourcen zugreifen müssen. Was kann man wohl anstellen wenn drei iPhones und ein iPad auf dem Tisch liegen? Bislang kann man sie irgendwie zum Austausch via Bluetooth verbinden. Aber geht da mehr? Inwieweit wird die Software in diesen Geräten Schnittstellen zu unserem Alltag öffnen? Wann kommt eine App von Nissan und das iPhone übernimmt die Funktion des Drehzahlmessers? Ein verrücktes Beispiel, aber diese Dinge haben nicht mehr viel mit der Hardware zu tun.

Werden die Smartphones in Städten gar untereinander Netze bilden? iOS5 lässt uns nun schon Freunde in unmittelbarer Nähe orten. Das Telefon will seinen Nutzer verstehen, ihn kennenlernen, seine Eingaben besser verstehen. Vielleicht ist die Kamera irgendwann immer aktiviert und versucht seinen Nutzer stets im Blick zu behalten um seinen Alltag kennenzulernen. Das sind Zukunftsvisionen, sie schüren gar Ängste beim Datenschutz, aber diese Dinge haben immer weniger mit Bauteilen zu tun.

Das iPhone5 wird ein fulminantes Stück Software werden müssen. Der Rest ist nur ein Formfaktor.

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3 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. JakobD sagt:

    Ich muss auch jedes Mal über Steve’s eher zynischen Kommentar bezüglich der Foxconn-Selbstmorde denken, wenn ich – naja – an seinen eigenen Tod denke.

  2. gewappnet sagt:

    Zumindest eines ist schon mal sicher: Das nächste iPhone wird mit Sicherheit nicht “iPhone 5″ heißen, denn das wäre Unsinn. Das vierte iPhone hieß “iPhone 4″ und dabei wurde das iPhone 3GS als drittes gezählt. Somit ist das fünfte iPhone das 4S und das nächste könnte höchstens “iPhone 6″ heißen. Das 4S ist innerlich ein genauso großer Sprung wie es das 3GS im Vergleich zum 3G war. Dass Apple offenbar gerade ein Zyklus für das Gehäuse von zwei Generationen etabliert, finde ich sehr sinnvoll, denn so bleibt das Zubehör zwei Jahre stabil.

  3. Olli sagt:

    Apple hat immer wieder große Hardwareneuerungen gebracht. LTE und Quadcore wären da erstmal für nächstes Jahr, größeres Display evtl., wobei ich mit dem Formfaktor der iPhones ziemlich zufrieden bin, mit dem des S2 allerdings nicht. Dann könnte es noch dünner werden, die Plastikrückseite verschwinden etc…da wäre schon so einiges was gemacht werden könnte. Ich empfinde das 4/S als ziemlichen Designfail, deshalb wär ich froh über ein neues Design gewesen.
    Und dann wäre da noch der Punkt, dass so langsam jeder mit einem aktuellen iPhone rumrennt…da müsste Apple was NOCH höherpreisigeres schaffen, damit sich die traditionellen Appleuser überhaupt noch individuell finden.

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