Das Zeitalter der Tastatur hat alles verändert. Habe ich früher noch in der Schule College-Blöcke vollgeschrieben und meine Handschrift oft für Klausuren lesbar erscheinen lassen, so tippe ich diese Buchstaben hier schon wieder unter dem klackernden Geräusch der Plastikknöpfe ins Netz. Oft schreibt man sogar nur noch klein im Facebook-Chat. Es geht einfach schneller.
Zwar hat man nie so viel geschrieben wie heute und vor allem nicht mit der Welt geteilt, doch neben der Tiefe des einzelnen Wortes geht dabei auch immer ein Teil Kultur verloren. Klar kann man heute alles per SMS erledigen. Paare trennen sich gar per SMS und bald werden sicherlich Heiratsanträge via Short Message Service abgewickelt, doch wo ist eigentlich der gute alte Brief hin? Handgeschrieben ohne maschinelle Unterschrift? Ein Blatt Papier, vielleicht gar zwei, bei dem sich der Schreibende Zeit für Dich genommen hat? Prinzipiell bedeutet doch jeder gute Brief erst einmal Zeit. Man war gerade nicht chatten oder am iPhone die Farm bestellen. Man hat sich für den Empfänger an den Schreibtisch gesetzt, die erste Version nach dem zweiten Rechtschreibfehler in den Papierkorb geworfen und seine Gedanken etwas ruhiger als vor dem Display sortiert. Selbst über die Grußformel macht man sich hier mehr Gedanken.
Und der Empfänger? Er kann sich sicher sein, dass jemand sich wirklich um ihn Gedanken gemacht hat. Das man es nicht via Nachricht klären wollte. Das der Inhalt ein wichtiger Inhalt ist und nebenbei erhält er die Zeilen für sich. Er muss nicht in einem Gespräch rhetorisch geschickt antworten. Man schenkt ihm den intimen Moment des Lesens. Schließlich ist man nicht dabei. Man wäre es gern, aber man ist es nicht.
Keine Email der Welt hat diese Macht. Ich selbst habe mir deshalb sogar vor einiger Zeit wieder Briefpapier und einen guten Füller angeschafft. Umschläge, eine Unterlage und Tinte. Es ist eine neue Erfahrung, oder vielmehr entdeckt man die Schreiberei neu. Seine eigene Handschrift, die Abstände zwischen den Zeilen.
Mails landen irgendwann im Papierkorb und selbst der SMS-Speicher muss irgendwann gelöscht werden. Briefe bleiben. Meist in einer Schublade und irgendwann in vielen Jahren sieht man sie wieder. Das alte Handy sicherlich nicht.
Es lebe der Brief!


























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