100000 Fäuste für ein Halleluja !

Terence Hill and Bud Spencer

Nicht selten geht das allgemeine Bild der Medien nicht einher mit der Perspektive der Zuschauer. Denn Journalisten formen dieses Bild. Das Publikum und die Leserschaft darf zustimmen, oder still mit dem Kopf schütteln.

Immer wenn ich mit Medienmenschen rede und sie mich nach Ideen fragen, so schlage ich gern ein großes Interview mit Bud Spencer und Terence Hill vor. Warum ladet Ihr die beiden Helden nicht ein? Da würden sich viele Menschen freuen. Schnell wird dann abgewunken. Oder vielmehr wurde abgewunken. Man sah mich als Fan der das selber gerne sehen würde. Selbst auf YouTube schlug ich großen Kanälen diese Gäste vor, doch angeblich seien Rapper und Comedians weitaus bessere Zuschauergaranten. Mir war das immer unverständlich. War ich wirklich selbst nur ein zu großer Freund des Italo-Duos? Lebte ich mal wieder in einer schönen TV-Vergangenheit die heute doch niemand mehr so richtig sehen mag?

Fast hatte ich mich mit meiner Idee abgefunden dieses Duo zu seinem Lebensabend zu huldigen. Vielleicht schlägt nur mein Herz im MediaMarkt höher, wenn ich dort „Mein Name ist Nobody“ auf DVD erblicke und sogleich an Ennio Morricone, Henry Fonda und Terence Hill denke. An Bud Spencer in den zahlreichen Filmen. Zwei Italiener mit dem Geist eines Jackie Chan. Da wird geprügelt und trotzdem dürfen selbst Kinder ihren Spaß daran haben. Am Ende steht stets die Moral aus einem guten Disney Film. Sie prügeln und tun dabei doch keiner Menschenseele weh. Bestenfalls die bösen Buben bekommen eine Schelle weg. Und ich ebenfalls, denn niemand nahm meine Idee ernst. Auch hier schrieb ich schon vor einem Jahr Artikel darüber, wollte einen Preis, einen Bambi für das Duo. Warum nicht ihr Lebenswerk ehren anstatt Tom Cruise einen Bambi in der Kategorie Mut zu verleihen? Mein Appell wurde leider auch nicht von Doktor Burda erhört.

Und heute? Mehr als ein Jahr später? Da steht mein Bud Spencer in der Spiegel Bestsellerliste auf dem ersten Platz. Viele haben das Interview bei Markus Lanz zu später Stunde gesehen und Bud Spencer steht mit seinem hohen Alter in allen Medien. Selbst der Spiegel schreibt über den Italiener. Nun soll selbst ein Tunnel nach ihm benannt werden. Zumindest machte diesen Vorschlag ein Bürger aus Schwäbisch Gmünd. Dort wird jetzt der Name für einen Neubau eines Tunnels gesucht und jemand reichte den Vorschlag ein. So viele Gedanken machte man sich wohl nicht und nahm den Vorschlag in die lange Liste der Namensvorschläge auf. Ich selbst bekam Wind von der Sache und veröffentlichte den Link öffentlichkeitswirksam auf Twitter. Endlose Verfolger griffen es auf und keine 24 Stunden später gelangte die Geschichte auf Spiegel Online. Mittlerweile soll die Facebook-Gruppe 40.000 Unterstützer haben und selbst Bud Spencer wurde um eine Stellungnahme gebeten. Falls der Tunnel wirklich seinen Namen tragen sollte, so würde er sogar zur Eröffnung kommen.

Und was sagt die Gemeinde Schwäbisch Gmünd? Sie nimmt das allgemeine Bild der Medien ein. Man spürt es förmlich. Wollen tut man es dort nicht. Einen Haudrauf-Helden als Namensgeber? Eine fleischgewordene TV-Wiederholung. Das ist kein Kulturgut. Nicht intellektuell genug. Günther Jauch hätte da sicherlich bessere Chancen in Potsdam.

Nur warum ist der Mann mit seinem Buch auf Platz Eins? Warum schauen sich auf Kabel Eins oft mehr Menschen die alten Filme an einem Sonntag an als neue Blockbuster aus Hollywood? Weil Bud Spencer und Terence Hill verdammt sind. Verdammt zu Helden des kleinen Mannes. Verdammt zu Lieblingen des Publikums. Sie möchte man wiedersehen. Sie haben es sich verdient. Den Promistatus. Besonders in Deutschland. Hier sind ihre Filme so erfolgreich wie nirgends sonst gewesen. Sie sind Arbeiter im Kino und im Fernsehen gewesen. Nicht wie Robert De Niro. Sondern selbst. Mann kann sie bei einem Glas Rotwein als Halunken abtun und doch haben sie mehr Kinogeschichte geschrieben als jeder verdammte Kritiker ihnen streitig machen mag.

Das Publikum will seine Helden geehrt sehen. Mit einem Tunnel. Mit einem Preis für ihr Lebenswerk. Sie haben unzählige Filme gedreht. Sie bringen uns noch heute Spaß und selbst bei einem Markus Lanz macht Bud Spencer aus einer billigen Talkshow einen tollen Abend.

Lasst sie uns endlich ehren. Gebührend feiern. Die großen Stars des europäischen Kinos. Die Erfinder einer Westernart. Die beiden Komiker. Zwei Freunde die es heute noch sind.

Aber was macht Ihr? Ihr nehmt diese bescheidene Meinung von Journalisten ein, welche damit nie etwas anfangen konnten. Haut drauf! Einmal! Eine Schelle für die Kritiker. Bud hat es bewiesen und seine Geschichte auf Platz Eins gebracht. Der Rest liegt an uns.

100.000 Fäuste für ein Halleluja!

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