Auszug aus der aktuellen Kolumne von Rob Vegas auf Quotenmeter.de :
Letztens entdeckte ich im Fernseher eine Wiederholung der Talkshow «Ich stelle mich», welche von 1980 bis 1993 mit Moderator und Fernsehjournalist Claus Hinrich Casdorff produziert wurde. Eine ziemlich einfach gestrickte Talkshow. Ein prominenter Gast aus Politik, Gesellschaft, Fernsehen stellt sich den Fragen des Herrn Casdorff. Nach diesen Fragen fand ein Kreuzverhör mit zwei angriffslustigen Kritikern statt und Casdorff klinkte sich für eine festgelegte Zeit aus, um später auf Kernfragen dieser Runde genauer einzugehen. Nicht spektakulär, aber trotzdem wird es von Minute zu Minute schwieriger für den Gast sich in Worthülsen zu flüchten. Gegen Ende des Talks winken Zuschauerfragen aus der Telefonzentrale und zum krönenden Abschluss hat ein Psychologe den Gast über die gesamte Sendung über verfolgt und gibt kurz und knackig eine Verhaltensanalyse ab.
In dieser kurzen Schilderung wirkt das Konzept altbacken und unspektakulär. Haben wir doch heute auf allen Sendern! Eben nicht. Hier stellt sich wirklich eine öffentliche Person den Fragen des Journalisten und eben jener Casdorff scheint keine große Ehrfurcht zu verspüren wenn es um seine Gäste geht. Es geht natürlich auch nicht unter die Gürtellinie, doch wurden dem Gast Ralph Siegel wirklich kritische Fragen und vor allem Nachfragen gestellt. Da wurde nicht so sehr auf die Erfolge und Heldentaten eingegangen, sondern vielmehr musste er sich in einem Gespräch seinen Kritikern stellen und vor allem dem Publikum Rechenschaft ablegen. Hier steht natürlich niemand an der Wand, aber wohlfühlen sollen sich die Gäste auch nicht. Wer kommt, weiß was auf ihn zukommt.
Genau hier liegt die Spannung in einem Talk. Da muss am Ende der Siegel selbst über sein Verhalten schmunzeln, welches der durchaus seriöse Psychologe mit einem Augenzwinkern analysiert hat. Es wurden Einblicke ermöglicht, das Publikum konnte sich ein eigenes Bild machen und für den Zuschauer war die aufgeladene Gesprächssituation ebenfalls spannend.
Heute dagegen talkt jeder in der ARD bis zum Erbrechen. Da reicht es nicht mehr «Hart aber Fair» auf den Bildschirmen einzublenden und mit knackiger Musik die Einspieler zu unterlegen. Da muss bei Erfolg der Show der Moderator auch noch eine Sendung moderieren, wo er persönlicher mit seinen Gästen palabert. Menschen kommen zu Maischberger, Schlagzeilen entscheiden sich zwischen Will und Illner, und auch ein Elstner findet noch Menschen die mit ihm einfach nur reden wollen.
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Arno Nym sagt:
Vollkommen korrekt!
Alle Talksendungen sind von vornherein ergebnisoffen, um nicht zu sagen ergebnislos und somit sinnlos.
Die Gäste werden aufgrund Ihres bekannten streitwürdigen Standpunktes eingeladen.
Die brav auswendig gelernten Sätze von Gysi, Trittin, Kauder und Bosbach, kennt der Zuschauer bereits aus der Tagesschau, dem Heute Journal und unzähligen anderen Gesprächsrunden.
Droht doch mal jemand seine üblichen Worthülsen zu verlassen, und sich dem eigentlichen Problem zu nähern,
wird er reflexartig von einem der vielen Gäste oder dem Moderator unterbrochen. Schließlich könne man soviel Tiefe dem Zuschauer nicht zumuten und außerdem reiche die Sendezeit nicht aus, um das in allen
Einzelheiten zu diskutieren. Zudem müsse man noch die vorproduzierten Einspieler senden und die vertraglich zugesicherten fünf Minuten, mit jedem Gast über sein neues Buch reden.
Nicht nur das Konzept der Talkshow lässt keine (befriedigenden) Ergebnisse zu, sondern auch
der starre Fragenkatalog des Moderators, den es abzuarbeiten gilt.
Warum immer die gleichen Verdächtigen, die gut gepolsterten Sitzplätze einnehmen, liegt auf der Hand.
Die Redakteure können bereits vor der Aufzeichnung die Aussagen der Teilnehmer in ihre Planung integrieren.
Der einzige Unterschied zu einem “Geschnittenen Beitrag” besteht nur darin, dass nicht der Cutter verschiedene Interviews zusammenfügt, sondern der Moderater bei jedem Gast, live die entsprechenden Reize Setzt, damit dieser seine alt bekannten Phrasen abspult und somit das Stichwort für den nächsten Einspieler liefert.
Bei Illner, Will und Maischberger handelt sich nicht um eine Talkshow sondern um ein Theaterstück, bei dem jeder seine Rolle spielt, pflichtbewusst seinen Text aufsagt und das Publikum am Ende klatscht.
Der Zuschauer bleibt verwirrt und mit all’ seinen Fragen alleine vor dem Bildschirm zurück.
Ich finde die Zeit ist reif für ein Politik-Clixoom! Los geht’s Rob!
Jun 10, 2011, 19:22