Ich weiß noch wie ich das erste Mal in Köln ins Kaufland gegangen bin. Damals wohnte ich direkt gegenüber im einzigen Haus ohne Fahrstuhl und empfand es fast als Abenteuer in einem Markt einzukaufen, welcher sogar eine zweite Etage und Rolltreppe bot. Endlose Warenvielfalt, jede erdenkliche Kellogspackung und alleine fünf Meter Regal nur für Joghurt.
Irgendwann wurde aber wie so oft aus der anfänglichen Faszination bitterer Alltag. Ich wurde zu einem Geist in diesem Markt. Gönnte man sich zu Anfang noch jeden Luxus der Lebensmittelindustrie und badete förmlich in teurem Joghurt mit extra Schokoraspeln, so sparte man schnell, stieg auf die Eiegenmarken um und kaufte nach nur ein paar Wochen stets die gleichen und immer wieder selben Artikel. Ich wurde zu einem Geist. Wie die anderen Geister nahm ich mir blind den Plastikkorb, konnte die Schritte bis zum Haushaltsspülmittel zählen und ging erst in die obere Etage wenn ich unten fertig war.
Aber ich war natürlich kein abgestumpfter Geist. Nichts war und ist spannender als die Einkäufe anderer Leute zu analyisieren. Zwei Fruchtjoghurt und eine Flasche billigen Prosecco und die junge Dame ist zu neunzig Prozent Single. Der Kerl vor mir mit der fertigen Rahmsauce scheint auch nicht gerade eine Ehe zu führen. Alte Leute kaufen dafür vielmehr und gerne Konserven und frisches Gemüse ein.
Ich liebe Supermärkte. Du trittst ein und befindest Dich schnell in einer komplett anderen Welt. Am meisten fasziniert mich dabei immer das Regal mit den Tüten von Knorr und Maggi. Es sind viele Meter nur Tüten, immer gleich, aber mit jeder gewünschten Geschmacksrichtung. Nur Wasser und saure Sahne dazu und Sie haben sofort eine komplette Mahlzeit mit Zwiebelrahmselleri-Sauce. Und wir kaufen und mögen es. Es ist total gewohnter Alltag. Für mich dagegen Zauberrei wie auf der Enterprise. Ein komplettes Regal voller Chemie mit jeweils anderen, hübschen Bildern darauf. Nicht verklagen. Es ist die Wahrheit. Es ist total unwirklich. Hätte gerne eine Tüte Glück. Irgendwann gibt es die auch von Maggi. Fragt sich nur wieviel Wasser man dazu geben muss?
Doch ich habe nichts gegen diese Welt. Ich mag sie. Man muss nicht einmal wissen was man braucht. Man kauft einfach ein. Nach was einem der Hunger gerade steht. Und irgendwann kommt man an die Kasse und hört schon das Geblubber der Mütter und Rentnerinnen. Da wird verstohlen auf das Cover der Bild der Frau gesehen und sich an der Kasse über das Liebesleben vom Prinzen informiert. Manche Dame kauft auch gleich mehrere Gazetten, obgleich doch in jeder davon dasselbe steht. Ob die Neue Welt wohl andere Infos über den derzeitigen Zustand des dänischen Königshauses hat? Letztens hörte ich einfach mit bei den Damen und warf dann als junger Herr ein: “Ich lese die auch ganz gern. Die Kate heiratet ja jetzt den William.” – Sofort war ich den Club aufgenommen. Man lies mich sogar vor. Sollte öfters an der Kasse über Kate reden.
Nur kommt dann der spannendste Teil der Reise durch die Warenvielfalt. Legt man seine Artikel einfach ohne Trenner hinter den Einkauf des Vordermanns, oder wartet man bis die liebe Kassiererin Mitleid hat und einen Trenner durch die Rille zu einem haut? Die Deutschen hassen es ohne Trenner ihre Sachen auf das Band zu legen. Gehört das noch zu Ihnen? NEINNNNN! Gedanklich muss ich darüber jedes Mal lachen, denn schließlich will ich den Artikel auch haben und hoffe nicht darauf, dass mein Vordermann ihn für mich bezahlt. Nimmt man dagegen einen Trenner, so senkt man den Blutdruck der kompletten Schlange um vierzig Prozent. Ich mag das.
Man redet natürlich auch erst mit der Kassiererin, wenn sie einem Hallo gesagt hat und der vorherige Einkauf vollkommen abgeschlossen ist. Bis dahin schweigt man in der Schlange. Dadurch beobachtet man aber natürlich jede Zahlung und hasst es förmlich, wenn der Opi die 23 Cent auch noch passend hat. Nur leider dauert das länger und seine Finger und Augen finden auch gerne nur 17 Cent. Unnötige Zeitverschwendung in der schnellen Welt von heute. Die Dame an der Kasse hat bestimmt endlos Wechselgeld. Dafür arbeitet sie dort immerhin. Mitleid hat da niemand.
Und dann gibt es ja noch die Beziehung vom Kunden zur Kassiererin. Kennt Oma Hiltrud die Dame an der Kasse? Dann folgt der kurze Schnack über Gott und die Welt. Oder man ist anonyme Zahl und beschränkt sich auf ein Hallo, Danke, Kein Bon, Auf Wiedersehen! . Welchen Sinn hat es auch mehr voneinander zu erfahren? Habe mich schon oft gefragt warum eigentlich nur Frauen an der Kasse arbeiten? Vielleicht würden Männer niemals mit Oma Hiltrud einen Schnack abhalten. Wir sind einfach der Kommunikation mit Fremden nicht so gewillt. Frauen an der Kasse sind für ein Unternehmen spitze. Frauen dürfen reden und Männer bezahlen auch fünf Euro mehr für das Pfund Kaffee, wenn die junge Dame an der Kasse dafür ein Lächeln gratis in die Tüte legt. Wir würden sogar noch Trinkgeld geben.
Doch diese Form der Kommunikation ist auch nur noch auf dem Dorf denkbar und dann auch nur noch in echten Supermärkten. Bei ALDI, Rewe und Co. wird es damit schon schwerer.
Geht mal wieder einkaufen!


























Thomas sagt:
Sehr nett
Könnte fast ein Kapitel aus deinem Buch sein.
thowoki
Jan 30, 2011, 12:54Bernd sagt:
Kommt mir alles sehr bekannt vor. Nur das mit den Frauen kann ich nicht bestätigen. Bei uns arbeiten auch Männer. Aber auch die schnacken mit der Oma
Jan 30, 2011, 13:07Rob Vegas sagt:
Ich kann doch nicht in mein Buch ein Kapitel über Supermärkte hauen? Obwohl, noch ist noch Platz
Gestern erst wieder ein Kapitel fertig bekommen. Die Geschichte des Rob Vegas!
robvegas
Jan 30, 2011, 13:46David sagt:
In dem Markt wo du gestern drehtest arbeiten glaube ich mehr Männer als Frauen
Jan 30, 2011, 20:18Uwe sagt:
Shopblogger-sei-Dank kenne ich jetzt Deine Rolle überhaupt. “Rob Vegas” hatte ich davor noch nie gehört. Und das mir, der immer online ist. Seltsam…
zetauploader
Jan 30, 2011, 08:40ednong sagt:
Ähm ja,
Ich muß das schließlich wissen
Jan 30, 2011, 03:26es gibt durchaus Männer an der Kasse. Und so ganz unbeliebt sind die auch n icht, wenn die sich dumm anstellen
ednong sagt:
Ok,
Jan 30, 2011, 03:38ein “nicht” zuwenig. Oder zuviel. Wie mans nimmt. Sollte natürlich heißen:
“Und so ganz unbeliebt sind die auch nicht, wenn sie sich nicht dumm anstellen”