Es ist schon witzig wie im Netz oft ohne nachzudenken auf einmal Eindrücke zu einem Faktum werden. Als falscher Schmidt auf Twitter müsste ich das nach meiner Aktion eigentlich besser wissen, doch baut man ja immer wieder auf den Verstand der Menschen.
Es hat mich damals wirklich belustigt wie der Spiegel über den falschen Twitter-Account schrieb. Man zitierte dort in der Printausgabe einen Tweet vom falschen Schmidt und befand ihn für “nicht lustig!”. Nur handelte es sich dabei um eine Bauernregel vom echten Schmidt, welche ich immer aktuell von seiner eigenen Webseite zitiert hatte. Und eben jene Journalisten schreiben auch über wichtige Dinge wie einen Krieg im Irak. Damit ist es schon wieder traurig.
Nun habe ich letztes Jahr auch zusammen mit Oliver Kels den Zensi, Zensa, Zensursula – Hit produziert. Eine halbe Million Aufrufe bei YouTube später bin ich nun angeblich Pirat. Werde sogar als Sympathisant im Wiki geführt. Mein Blogeintrag zu der jungen Partei war dagegen zurückhaltend. Ich empfinde die Kompetenz in Sachen Computer und Internet als erfrischend und notwendig für die politische Landschaft. Da werden die Piraten sicher wie einst die Grünen eine positive Entwicklung anschieben. Dieser Punkt macht mich doch aber noch längst nicht zu einem Wähler jener Partei.
Gestern schrieb nun die Rheinzeitung auch über die NRW-Wahlkabine 2010. Das finde ich im ersten Schritt sehr nett, weil mir dieses Projekt wirklich eine Herzensangelegenheit ist. Nicht nur über Web 2.0 in der Politik reden und seine Webseite im Obama-Look bepinseln, sondern wirklich die jungen Wähler über die Plattformen erreichen.
Doch in jenem Artikel wurde mir im letzten Satz die “Überparteilichkeit” abgesprochen. Warum zum Teufel? Weil ich das Parteiprogramm der Piraten ebenfalls kompakt wiedergebe? Als Netzbürger kann ich mich nur allzu gut an den Aufschrei der Piraten bei XING zur Bundestagswahl erinnern. Dort wurde ein Voting veranstaltet und die Piraten waren nicht dabei. Laut waren die Schreie im Netz, also sollte man gerade als Netzplattform jene Partei ebenfalls behandeln. Das gehört für mich nun einmal mittlerweile im Facebook-Zeitalter dazu und die jungen Wähler und Netzleute würden es vermissen.
Hätte ich jene Partei nicht erwähnt, so wäre mir massiver Protest sicher gewesen. Was nebenbei auch eine super Strategie gewesen wäre! Erst nicht behandeln, den Aufschrei als kostenlose Werbung nutzen und am Ende doch integrieren.
Natürlich bin ich in erster Linie Showmaster der Rob Vegas Show, doch gerade in diesem Projekt gibt es keine kleinen Seitenhiebe auf irgendeinen Kandidaten. Ich gebe auch keinerlei Empfehlung ab. Genau das sollte ja im Gegensatz zum Wahl-O-Maten das Ziel sein. Ich will die Leute in Musikvideo-Länge informieren und nicht als Maschine eine Wahlempfehlung abgeben. Bei mir gibt es keine programmierte Gewichtung der Fragen und Themenbereiche, sondern einfach nur die Kurzversionen der Parteien.
Die Grundlage dafür waren obendrein mehrere Quellen. Nicht nur habe ich alle Parteiprogramme komplett gelesen, sondern die Kompaktversion auch noch mit zahlreichen anderen Kurzversionen von anerkannten Redaktionen abgeglichen.
Was es nicht gibt? Der Stempel der Bundeszentrale für politische Bildung fehlt. Ich bin mir aber sicher dank des Erfolges der NRW Wahlkabine dort bei der nächsten Wahl Unterstützung von anerkannten Organisationen zu finden. Der Zuspruch ist auf jeden Fall enorm.
Gerade deswegen ärgern mich solche Darstellungen. Ich bin wie Oliver gegen sinnlose Netzsperren und deswegen entstand in der Debatte darum ein Song. Doch nirgendwo prankte auch nur der Hauch eines Logos der Piratenpartei. Nirgends ist im Video dazu aufgerufen worden jener Partei die Stimme zu geben. Wir hatten sogar extra nicht! das Wort “Pirat” benutzt.
Natürlich haben wir der Partei und allen Leuten erlaubt diesen Song zu spielen. Sogar Phoenix und RTL haben das Lied gespielt und auch Frau von der Leyen hat es persönlich kommentiert. Das macht mich aber nicht zu einem Sympathisanten einer Partei.
Ich selbst wäre immer sehr vorsichtig mit solchen Urteilen. Wahrscheinlich bin ich nach diesem Artikel “Gegner” der Piratenpartei, Abonnent der Rheinzeitung und RTL-Stammzuschauer. Erst nachdenken, dann schreiben.


























Lars Wienand sagt:
Hallo Rob,
In jedem Fall ist das mein Eindruck. Vielleicht liege ich ja damit falsch – aber ist nicht schon die – mit unzweifelhaft viel Arbeit verbundene – Auswahl der Programm & Konzentration auf Musik-Videolänge ein sehr subjektiver Prozess? Ich muss mir auch oft Parteilichkeit nachsagen lassen, obwohl ich meine, dass ich es nicht war. Ich hatte überlegt, ob ich dazu noch einen Satz mehr verlieren soll – und wenn wir eine Zeitung in NRW wären, hätte ich das auch getan.
larswienand
May 06, 2010, 23:17auch wenn Du mir das absprichst: Ich habe mir was gedacht, als ich das geschrieben habe, nachdem ich die unterschiedlichen Videos angeschaut habe. Allerdings musst Du mir und den Besuchern Deiner Zeitung mal zeigen, wo ich etwas von “Pirat” geschrieben habe. Einen Eindruck kann sich ja jeder selbst unter http://www.rhein-zeitung.de/ma.....83765.html machen – dazu verlinke ich es dann mal, wie ich auch von unserer Seite auf Deine verlinkt hatte. Dort habe ich jetzt auch einen Nachtrag eingefügt, dass Du kein Pirat bist. Und dort ist auch zu lesen, dass Du nach meinem Eindruck “durchaus ernsthaft” die Programme der Parteien vorstellst. Ich finde es gut, dass Du zum Wählen aufrufst und wünsche Dir für kommende Wahlen noch viel mehr Resonanz. Vielleicht finde ich es ja sogar gut, dass Du nach meinem Eindruck “nicht ganz überparteilich” die Programme vorstellst.
Mit den Piraten haben wir im übrigen sehr früh unsere Erfahrungen gemacht http://blog.rhein-zeitung.de/?p=2657 und neigen nicht dazu, sie zu unterschätzen.
Noch ein abschließender Satz zur Abo-Frage: Ich denke, Du wärst mit unserer Zeitung, die ihre Stärken in der regionalen Ausrichtung hat, als Ostwestfale nicht so gut bedient. Da versuchen wir erst gar nicht, Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber wenn Du mal in der Koblenzer Gegend sein solltest, können wir uns gerne treffen und ich bringe ein Exemplar mit. Würde mich freuen.
Lars Wienand sagt:
Sorry, Text ist ja doch von Dir verlinkt. Habe ich eben nicht gesehen & hatte mich gewundert.
larswienand
May 06, 2010, 23:23Rob Vegas sagt:
Ich finde das ja durchaus nett und freue mich über Berichterstattung, aber dieser kleine Hinweis lässt das ganze Gebilde als unbrauchbar wirken. Zumindest kann dieser Eindruck schnell beim Leser entstehen. Ist der Wahl-O-Mat überparteilich?
Es geht mir einfach generell um solche kleinen Zusätze, welche viel Schaden anrichten können. Übrigens habe ich mich wirklich über den Artikel gefreut. Ich wehre mich nur immer wieder gegen solche Kleinigkeiten. Der Journalist vom Spiegel hat mit einem kleinen Patzer seinen ganzen Artikel damals aufgezogen.
Mache Dir also keine Sorgen. Ich habe schon deutliche schlimmere Dinge gelesen
Hoffe wir treffen uns wirklich mal auf einen Blick in die Zeitung! Grüße Rob
robvegas
May 06, 2010, 23:32