
Vor einiger Zeit habe ich mir im Supermarkt eine Flasche Apfelschorle gekauft. Die Hälfte Wasser und der Rest bester Apfelsaft. Keine Zuckerzusätze und keine Konservierungsstoffe. Hört sich doch nach einem echten Naturprodukt an, oder!?
Ein paar Tage und Schlücke später kaufte ich mir die Apfelschorle der Konkurrenz. Die Slogans auf der Flasche waren identisch, doch der Preis für den Liter um zehn Cent günstiger. Nur warum schmeckte diese Schorle mir viel besser? Der Grund war einfach. Zwar wurden den beiden Schorlen kein Zucker hinzugefügt, dafür aber jeweils Aromastoffe. Das zweite Aroma schmeckte mir wohl einfach “apfeliger”. Wie soll auch stets der unverkennbare Geschmack von Apfel ohne Aromen gewährleistet werden? Nicht jede Fuhre von Äpfeln kann gleich sein. Mancher Apfel ist sauer, der andere lag schon ein wenig länger und am Ende entsteht womöglich noch ein anderer Geschmack aus echten Äpfeln?
Ich bin kein Öko. Ich esse auch viel zu ungesund. Doch geht es mir langsam so richtig auf die Eier ein Mutant zu werden. Lachte man früher noch über Kinder, welche Bohnen aus der Dose lieber als die vom Bauern mochten, so ist Erdbeeraroma mitterweile in meinem Hirn “echter” als die frische Beere vom Feld.
Erst letztens wurde ich in Berlin zu einem sehr feinen Essen bei einem Italiener eingeladen. Ein Sternerestaurant samt Italo-Koch ließen mich schon am Eingang von der außerodentlichen Qualität der Speisen wissen. Doch kostete es fast ein wenig Überwindung sich an den frischen Geschmack derlei Köstlichkeiten zu gewöhnen. Der Geschmack von Lasagne aus dem Eisfach ist viel zu tief in den Geschmacksnerven verankert. Das ist doch verrückt.
Fernköstliche Speisen definieren sich bestenfalls noch durch ein wenig Currypulver und können dann aus China, Japan oder Indien kommen. Guter Käse “stinkt” und man vermisst den leichten Plastikgeruch der Packung. Die ist natürlich neuerdings wiederverschließbar.
Mag es wie eine Zukunftsvorstellung klingen, dass ein Gerät einem wie auf der Enterprise jedes Gericht auf Knopfdruck zubereiten kann, so würde ich wohl auch jetzt schon ein Stück saftige Presspappe mit Schnitzelaroma unter einen dicken Soße als lecker empfinden. Seit etlichen Jahren wird uns erzählt, dass die Qualität in den Discountern hoch und der Preis dafür klein ist. Eine nachvollziehbare Logik, weil man natürlich alles in riesigen Mengen einkauft. Doch ist Nahrung halt keine Universalfernbedienung für 7,99€, sondern ein Qualitätsprodukt. Wie soll eine Marmelade im Glas für 99Cent noch einen Berg von Kirschen beinhalten? Das Glas kostet ja schon mehr.
Immer mehr Menschen müssen gefüttert werden und die Versorgung dieser Menschen wird industriell betrieben. Ein Logo vom Institut XY und Siegerlogo im Test sind da doch mehr Marketing als Sorge um den Kunden. Nimmt dein Opa Massen an Medikamenten, die Frau von letzter Nacht die Pille und dein Nachbar Hormone, so dürften Sportler womöglich nicht einmal mehr Trinkwasser zu sich nehmen, weil da extreme Dopinggefahr bestehen kann.
Alles ist sicher. Das Trinkwasser sauber und die Discounter immer um die Qualität besorgt. Dieses Märchen macht uns immer mehr zu Mutanten. Aus wieviel Prozent Glutamat besteht dein Körper? Welche Medikamente für Schweine sind über die Jahre durch meinen Verzehr im Magen gelandet? Packen die wirklich Holz in die Pizza damit der Boden schön hart wird?
Ich kann mir mittlerweile eine Welt ohne Kirschen vorstellen. Gibt doch das Aroma! Warum also noch die Felder bestellen? Ein paar “lebenswichtige” Vitamine ins Müsli aus geraspelter Spanplatte und obendrauf eine Masse aus Zucker mit schwarzer Lebensmittelfarbe und Schokoaroma 190B. Diese Vorstellung schmeckt einem nicht? Dann einfach mit einer Cola samt Phosporsäure runterspülen. Der Magen ist dann auf jeden Fall gefüllt.
Nochmal. Ich bin kein Öko und liebe Fastfood. Unser Vertrauen in diese Industrie scheint mir nur über Jahre zu groß geworden zu sein. Viel zu groß.
Ich bin ein Glutant. Und Du?


























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