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Rob Vegas zu Gast bei Maybrit Illner

Kaum aus Berlin zurück steht nun schon wieder die Cebit an und ich selbst bin schon wieder an ganz neuen Themen dran.

Doch dank Euch und Euren Stimmen beim Voting zur Top-Zuschauerfrage des Jahres 2009 bei Maybrit Illner durfte ich nach Berlin reisen. Schon auf dem Weg zum Bahnhof sind mir fast die Füße eingefroren und ich hoffte, dass niemand auf meinem reservierten Platz sitzen würde. Man hat ja doch immer die kleine Hoffnung auf eine betörende Romanistikstudentin als Sitznachbarin zu stoßen, doch war dies auch dieses Mal nicht der Fall. Trotzdem war mein Platz frei und zum ersten Mal in der Geschichte meiner Bahnfahrten hatte ich mir Zeitschriften besorgt.

P.M. für geordnetes Halbwissen über die Atzteken und natürlich den Focus. Jetzt fehlen in Zukunft nur noch Kissen, Decke und Thermoskanne. Die Fahrt verging wie im Flug und kaum in Berlin am Hauptbahnhof angekommen, wartete dort auch schon der Fahrer des ZDF auf mich. Flink ging es zum Hotel und ich fühlte mich schon am Haupteingang wie Richard Gere vorm Waldorf Astoria. Das Westin Grand schien eine der nobelsten Adressen in ganz Berlin zu sein. Und ich machte Tage zuvor noch Scherze mit der Redaktion am Telefon, ob sie denn schon mein Zimmer im Adlon gebucht hätten!? Es war besser als das Adlon.

Ich hatte meinen Hut auf und komischerweise wirkte ich binnen Sekunden wie ein reicher Jungunternehmer mit Bluechips an der russischen Börse. Kleider machen Leute und gut gefälschte Chronographen den Rest. In dieser Suite hätte ich mich nicht einmal getraut am Fenster eine Zigarette zu rauchen. Also erkundete ich erst das Zimmer, um kurz darauf wieder vorm Hotel mit einer ersten Zigarette nach der Bahnfahrt zu stehen.

Ein reicher Russe stand mir gegenüber. Er fror sich wie ich den Hintern ab. Sucht macht im Gegensatz zur Kleidung keinen Unterschied, aber seine abgebrannte Cohiba sah im Aschenbecher doch eindrucksvoller als meine Marlboro aus.

Nur noch ein paar Stunden bis zur Show. Ich zog los und besorgte mir eine neue Krawatte und ein weisses Hemd. Zu so einem Anlass sollte man nicht im warmen Kapuzenpulli aufkreuzen. Meine angedachte Begleitung steckte zur gleichen zeit am Münchener Flughafen fest. Tragflächen vereist. Am Ende des Abends stellte sich heraus, dass auch ein geplanter Gast von Illner für den Talk in der gleichen Maschine ausharren musste. Stattdessen lud man kurzerhand einen Verteter der FDP ein. Die haben ja bekanntlich immer Zeit.

Noch zackig im Bad frisch gemacht, den Flachbildfernseher ausprobiert und ab in die Lobby. Immerhin will man nicht zu spät für den Fahrer sein. Was tun? Noch eine Fluppe anzünden? Da nutze ich doch besser die Zeit und lasse mir einen frischgepressten Orangensaft für 7,50€ bringen. Hätte ich das doch nur vorher gewusst!

Ich nippe kurz an meinem Edelgetränk und schon hängt mir eine ZDF Kamera samt Redakteur vor dem Gesicht. „Guten Abend Herr Vegas!“. Der Barkeeper kommt mit der „saftigen“ Rechnung und natürlich lasse ich mich vor der Kamera nicht lumpen und gebe gern noch 2€ Trinkgeld. Vom Saft habe ich nicht mehr viel, denn wir müssen los. Selten Luxus so schnell die Kehle runterfließen lassen. Ich scheine verschwenderisch zu werden in dieser noblen Umgebung.

Der 7er BMW bringt uns zwei Blöcke weiter zum ZDF. Auf der Piazza im Hof steht schon die Kulisse. Beeindruckend. Normal kennt man nur TV-Studios. Hier wird produziert, wo keine sechs Stunden später Cherno mit Turnschuhen das Morgenmagazin abtanzt.

Ich lege meinen Hut im VIP-Bereich ab und schnacke mit den Verantwortlichen. Schließlich will man im Gedächtnis bleiben. Kurz ist die Zeit für die Filmerei. Außerdem haben die Politiker etwas gegen Kameralinsen im VIP-Bereich. Man kann es sogar verstehen. Ursula von der Leyen huscht an mir mit Handy am Ohr vorbei. Bizarre Situation. Bislang war sie nur Feindbild im Netz und auf einmal sieht man die Dame in der echten Welt. Für ihr Alter erstaunlich fit und gut geschminkt.

Aufzeichnung! Wir müssen runter. Mein Platz im Publikum wird mir freigehalten. Im Trupp mit den ZDF-Leuten gehen wir an der Security vorbei und stehen auf einmal hinter den Gästen der Show. Vor mir steht auf einmal Kurt Beck und denkt wohl ich wäre ebenfalls Gast in der Runde. Muss mit meiner C&A Krawatte wie der Assistent von Westerwelle aussehen. Jeder mit einem Anzug kann bei der FDP anfangen. Er lächelt und zwinkert mir zu, als ob er mir und sich eine gute Sendung wünschen wollte. Ich kann mir das Lachen kaum verkneifen, aber bleibe wie von Zensursula gelernt Profi.

Der kommende Teil ist nicht sehr spannend. Die Sendung wird produziert. Viel spannender ist die Tatsache, dass die Gäste und Politiker sich vor dem harten Talk ziemlich offen über Karneval und Urlaub unterhalten. Das Licht geht an und man ist wieder Feind.

Hinter mir sitzen erzürnte Hartz4 Empfänger aus Berlin. Es gibt leise Zwischenkommentare, welche es aber nicht bis zum Podium schaffen. Vielmehr verhallen sie an meinem linken Ohr. War es für mich bestimmt? Ich fange an über das Klatschen nachzudenken. Immerhin wird das Publikum auch gerne gefilmt. Klatsche ich nun für Kurt Beck, so bin ich als Sozi gebrandmarkt!? Oder als Anhänger der FDP? Ich versuche meine Hände nur selten einzusetzen.

Technik ist sowieso interessanter. Einmal kracht der Kamerakran an die Aufhängung für die Scheinwerfer. Das kreisrunde Gestänge wackelt und Illner und Gäste fühlen sich mehr als nur einen Moment unsicher. Spannung liegt in der Luft! Kurt Beck von 20kg Scheinwerfer getroffen! Man hätte sich die Schlagzeilen gar nicht ausmalen wollen.

Die Show ist vorbei. Viele im Publikum wollen nun Fotos mit Maybrit ergattern. Auch von der Leyen ist beliebtes Motiv. Wir wandern stattdessen wieder in den VIP-Bereich. Der Hunger trägt die eingeschlafenen Beine zum Buffet. Schrimps, Kartoffeln und Schnitzel. Wer im Showbusiness arbeitet muss keinen Hunger erleiden. Irgendwo steht immer ein Buffet.

Ich entscheide mich bei der Kellnerin für ein Glas Rotwein. Im Plausch wird noch einmal die Sendung analysiert, Maybrit Illner sagt allen Gästen ihren Dank aus und nimmt sich sogar eine Minute für Herrn Vegas. Ein richtiges Interview in der Originalkulisse wäre spannender gewesen, doch wird hier schon für Cherno aufgebaut. Die ganze Zeit denke ich, dass gleich irgendwo „Mr. IchverstehedenSpaßvonZimmerFreinicht!“ mit seinen Tretern angerannt kommt.

Immerhin durfte ich neben der hübschen Maybrit stehen und ihr ein Kompliment für ihr Aussehen machen. Schnell ist sie auch wieder verschwunden. Der Abend neigt sich wie das Buffet dem Ende zu und der Redakteur führt mich noch ein wenig durch das ZDF. Man könnte sich ohne Navi sehr leicht verlaufen.

In mir kommt das Gefühl von Urlaub auf. Ich muss nichts machen, der Abend ist vorbei und zurück im Hotel bleibt sogar noch Zeit für eine ausgiebige Dusche.

Nicht mal das Video musste ich selber drehen. Wahrscheinlich ist dieser Hintergrundbericht auch spannender. Es hat Spaß gemacht. Ich habe dafür zu danken. Euch, dem ZDF, der Redaktion und Maybrit Illner. Das war toll und wer weiß? Vielleicht gibt es irgendwann einmal eine neue Netzdebatte und man erinnert sich an Mr. Vegas. Ich komme auf jeden Fall gerne wieder.

Besten Dank für alle fleißigen Stimmgeber und Unterstützer! Klasse!

Geschrieben von

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

Richtig unfassbar wird es erst hier...

  • Und hast Du Deine Frage nicht stellen dürfen?

    Vielleicht weil Dir niemand gesagt hat, dass strahlend weißes Hemd im TV nicht geht?

    Beim NDR ist das Buffet nicht so stark.

  • Wirklich ein schöner Bericht 😉

    Weiter so^^

  • Timo

    Toll geschrieben. Die sollen dich doch in die Sendungen einladen 😀

  • Immer wieder schön, thx.