Die neue Form der Piraterie

Nintendo Zelda

Selbst wenn man keine der aktuellen NextGen-Konsolen unter dem Fernseher stehen hat, so sind die Gameplayvideos und Trailer zu neuen Spielen mit der Vorfreude auf neue Kinofilme vergleichbar.

Als alter Freund der Nintendo-Klempner freue ich mich immer wieder auf ein neues Super-Mario Spiel und habe dafür auch meist die neuen Konsolen aus Nippon angeschafft. In letzter Zeit ist das aber gar nicht mehr nötig. Menschen spielen komplette Spiele auf YouTube durch und kommentieren sogar oft in lustiger Weise das Geschehen auf dem Schirm.

Hat man als Jugendlicher also kein Geld für eine Playstation 3 und möchte trotzdem auf dem Schulhof mitreden können, so schaut man sich einfach auf YouTube das Spiel als “Film” an. Man erlebt alle Überraschungsmomente, erkundet zusammen mit dem eigentlichen Spieler die neuen Welten und kann sogar mitfiebern.

Für die Spielehersteller ist es Werbung. So würde man das als User oder Dienst zumindest anpreisen. Ist es aber nur bedingt! Bei alten Klassikern wie Zelda für das N64 tut es Nintendo in diesem Falle wohl nicht mehr weh, aber ich selbst habe mir “Wii Sports Resort” in vielen Videos auf YouTube angesehen und kenne jetzt die komplette Insel. Es würde mir nicht mehr die gleiche Freude bereiten für das aktive Spielerlebnis noch einmal 50 € auszugeben.


Ist das nun eine neue Form der Film-Piraterie? Wird man bald Seiten ähnlich Kino.to für neue Spiele finden? Dort könnte man sich dann kurz nach dem Erscheinen von Assassin’s Creed II einfach den “Walkthrough” ansehen. In kleinen Häppchen schaut man sich immer mal wieder zehn Minuten das neue Level an und gewinnt sogar eine Art Beziehung zum Spieler.

Besonders spannend sind diese Videos mit einer festen Welt. Oder bei Spielen wie Super Mario wo es um Levels und eine feste Geschichte geht. Civilizsation oder SimCity sind dagegen Aufbauspiele und leben geradezu vom Charakter des Spielers. Ist man selber ein Spieler mit dem Fokus auf Frieden und Handel, so hat man wahrscheinlich weniger Spaß daran, wenn im YouTube Video stets neue Kämpfe ausgetragen werden und einem die erstellte Stadt nicht zusagt. Man selbst hätte sie komplett anders erschaffen.

Wie sollten aber nun Spielehersteller mit diesem neuen Trend umgehen? Natürlich ist es objektiv nur Werbung für das Spiel. Natürlich fehlt dem passiven Betrachter die Möglichkeit den Controller in die eigenen Hände zu nehmen und aktiv das Spiel zu erkunden. Doch warum gibt es dann noch Trailer? Um Neugier und Spannung zu wecken. Ersteller solcher Filme zu Spielen verraten aber auch den kompletten Handlungsstrang und schaden somit bei großen Abrufzahlen dem Hersteller. Eine sehr schwierige Situation.

Vergleichbar mit einem kostenlosen Hörbuch zu einem Buch. Vielleicht habe ich dort nicht den besten Sprecher und kann es nicht selbst lesen, doch bekomme ich den kompletten Inhalt kostenlos und spare mir dadurch den Kauf des Buches. Ich bin gerade erst in den Gedanken eingetaucht, doch wahrscheinlich müsste ich jetzt nur auf YouTube gehen und “Hörbücher” suchen. Da würde wahrscheinliche eine junge Romanistikstudentin aus Riga Tolstoi und Harry Potter vorlesen. In Videos von je zehn Minuten können sich damit Eltern die Einschlaf-Geschichte für die Kleinen sparen und das Macbook auf die Bettdecke legen.


Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier ein enormes Problem bekommen. Nicht wie Coldmirror auf YouTube, welche bestehenden Filmszenen von Harry Potter neue Synchros verpasst und dazu das Originalvideo nutzt. Hier ist die Rechtslage noch halbwegs deutlich. Aber was ist mit einem Buch? Wenn jemand Avatar nacherzählt? Wenn komplette Spiele einen Tag nach dem Erscheinungsdatum als Film im Netz kostenlos verfügbar sind und sogar aktuell weitergespielt werden? So kann ich mich als Nutzer jeden Tag auf ein neuen Level freuen und zahle dafür keinen Cent.

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2 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. Kai sagt:

    Danke für den tollen Bericht. Aber ich denke das würde nicht bei allen Spielen schaden. Zelda ist zum Beispiel solch eines. Niemals würde ich mir die Story als “Film” voher anschauen, bevor ich das Spiel nicht voher gespielt habe. Und ich glaube jeder Fan solcher Spiele denkt ähnlich bzw. gleich.

  2. Rob Vegas sagt:

    Genau! Aber Zelda ist ein gutes Beispiel, weil es eine feste Story hat. Man muss hier an die vielen Jugendlich denken, welche die 50 Euro nicht so locker haben und sich so das Spiel einfach ansehen können.

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