Stefan Raab war nicht vorbereitet

Stefan Raab hat es geschafft nicht mit der Hilfe der Bild-Zeitung bekannt zu werden. Infos zu seinem Privatleben reduzieren sich auf einen Eintrag bei Wikipedia und Gäste mit Fragen nach eben jenem Privatleben werden meist schneller bei TVTotal abgefertigt.

Ich bewundere Raab dafür, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht wie er das geschafft hat. Nun versucht die BILD mal wieder dem Moderator und Entertainer Raab einen Patzer unterzujubeln. Er hätte sich nicht auf das Gespräch mit Nora Tschirner und Til Schweiger vorbereitet. Er hätte abwesend gewirkt etc. !

Schaut man sich dagegen das Video auf tvtotal.de an, so versteht man den angeblichen SKANDAL nicht. Raab wirkt wie immer unvorbereitet und trotzdem ist das Interview lustig. Die Frage dahinter habe ich mir aber schon oft gestellt. Wie wichtig und sinnig ist eine gute Vorbereitung auf den Gast?

Man stelle sich einmal vor ich hätte morgen Schauspieler XY in der Show und müsste ca. fünf Minuten mit ihm reden. Ich bereite mich also gut vor, lese alle Kritiken, informiere mich über seine Vita und interessante Eigenheiten. Führt man nun dieses Interview, so wird es mit guter Vorbereitung sehr strukturiert verlaufen. Doch es ist Unterhaltung! Da will man nicht den gleichen Käse sehen, welchen man schon überall gelesen hat.

Es kann daher weitaus sinnvoller sein, sich nicht auf den Gast vorzubereiten und spontan auf ein völlig anderes Thema zu kommen. Trifft man mit Glück im Smalltalk auf ein lustiges Thema, so ist das ganze Interview auf einmal unterhaltsam, menschlich und der Gast kann seine volle Sympathie beim Publikum ausspielen. Harald Schmidt war noch zu Sat.1 Zeiten ein Meister darin und auch in amerikanischen LateNight Shows entsteht aus dem leichten Gespräch mitunter ein viel interessanteres Thema als die zähe Promotion für den neuen Film.

Was ist also besser? Die lückenlose Vorbereitung auf den Gast, oder eher das lockere Gespräch ohne zuviel Hintergrundwissen?

Wahrscheinlich sollte man einfach alles wissen, aber dennoch nicht zu versteift die Fragen abklappern, sondern einfach über alle möglichen Dinge reden. Nur nicht über den neuen Film! Und man sollte auch kein CD Cover ins Bild halten, Herr Raab! ;-)

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7 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. Peter sagt:

    Ich sag nur: Kurt Krömer. Der ist Meister von (scheinbar) unvorbereiteten und unkonventionellen Interviews. Es gibt nichts langweiligeres als die Vita des Gasts abzuhaken. Krömer ist es völlig egal, ob Politiker, Sportler oder Schauspieler da sitzt, es geht eh nur um ihn und um seine Gags. Den Gast sieht man aber auch mal in einem anderen Licht, was zusätzlich wirkt. Ganz klar: Stefan Raab darf das.

  2. Manuel sagt:

    Die Bild-Zeitung bringt also mal wieder Meldungen von vor-vorgestern “Stefan Raab war nicht vorbereitet”. Das ist doch nichts Neues. “Stefan Raab war vorbereitet!” – das wäre doch mal eine Schlagzeile.

    Aber woher soll der Mann sich auch Zeit nehmen, sich auf seine Labergäste vorzubereiten, wenn er doch fürs Turmspringen, Autofahren und die Wok-WM trainieren muss?

    Die Gäste sollen sich mal lieber vorbereiten und was interessantes zu erzählen ausdenken, davor werden sie ja eingeladen und bekommen als Dank einen Haufen Kinobesucher!

    Sagt Letterman auch immer, dass die Gäste auch was abliefern müssen, sonst kann man auf sie verzichten.

  3. Sascha sagt:

    Das lockere Gespräch bietet doch meistens mehr Möglichkeiten. Da man unvorbereitet auch mal die eine oder andere Albernheit macht, die man im „Seriösen“ Interview bestimmt nicht macht.

  4. Manuel sagt:

    Absolut. Wie man an meiner ui.-Radioshow sehen kann: http://www.uiuiuiuiuiuiui.de/c.....-radioshow

  5. Larß Riske sagt:

    Ich bin mir nicht mehr sicher, ob das Zitat von David Letterman oder Johnny Carson (oder sonst wem) stammt, aber es trifft das Problem: Wenn ein Mensch dreißig Jahre auf diesem Planet gelebt und keine drei guten Geschichten zu erzählen hat, dann hat er auch nichts in einer Late-Night-Show verloren.

    Die Gäste in den USA bringen ihre Geschichten mit – und nicht nur das Produkt, das sie promoten möchten. Dennis Miller ging sogar so weit, dass er sich seine Sprüche teilweise auf Karteikarten schrieb und diese ablas… Oder Chris Rock, der Conan während eines Einspielers sagte, dass er ihn nach dem Clip doch noch auf Jamie Foxx ansprechen sollte. Conan (wieder on air): “Was macht eigentlich Jamie Foxx?” Rock: “Hey, bist Du ein Rassist? Woher soll ich das wissen? Weil er auch schwarz ist?” Conan: “Du hast doch gesagt…” Rock: “Frage ich Dich nach Carrot Top?”

    Will sagen: Der Gast muss eine gute Story anbieten, damit es lustig wird.

    Noch ein Videotipp: Robert Morton, ehem. Producer der Late Show, spricht über seinen Job im Late-Night-Genre (u.a. auch über die Gäste) http://www.videojug.com/search.....ntNotFound

  6. Jullia sagt:

    braucht man sich da auch nicht vorbereiten denke ich..

  7. Till sagt:

    Ganz klar, es gehört einfach zu Stefan Raab, dass er unvorbereitet in Interviews geht. Trotzdem kommt aber meist brauchbarer und halbwegs witziger Mist dabei raus. Das muss man auch erstmal können.. ;)
    Für eine Unterhaltungssendung ist das -denke ich- eine gute Möglichkeit, durch Improvisation Witz zu generieren. Gibt schließlich nichts schlimmeres als einstudierte Gags, die dann nicht zünden (siehe Schmidt & Pocher).

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