Die politisch korrekte LateNight

Johnny CarsonEs gibt da einen sehr besonderen Clip auf YouTube aus einer alten Johnny Carson Show. Ich sehe ihn mir immer mal wieder an und habe neulich gemerkt, dass es einen großen Unterschied zu modernen Shows gibt.

Heute fahren so ziemlich alle LateNight Shows die “Ein Gast Strategie”. Raab kündigt den Star/Promi an, dieser Läuft die Showtreppe zur Musik hinab und nun sind ein paar Minuten für den Talk und Promo vorgesehen. Bei Schmidt taucht der Gast dagegen immer am Ende der Show auf und mit ihm zusammen steuert man dem Ende der Sendung entgegen.

Eine klare Formatierung. Doch warum?
Im gezeigten Clip sitzen alle Gäste nebenbeinander, haben Spass zusammen und quatschen in lustiger Runde mit Johnny Carson. Dean Martin sprengt sogar mit seiner Zigarette fast die komplette Show und macht den Talk zur Nebensache. Nebenbei macht nicht nur der Moderator Witze, sondern eine ganze Truppe belustigt so den Zuschauer.

Eine LateNight-Show ist immer auch das Gewissen eines Senders. Zu später Stunde darf einmal die Wahrheit gesagt werden. Da ist man politisch nicht korrekt, raucht, trinkt und hat keinen Stress mehr. Die aufgeregten Meldungen des Tages werden zusammengefasst und gute “Freunde” schauen beim Gastgeber vorbei.


Das wirkt für mich in der alten Zeit einfach viel stimmiger. Es wirkt geradezu wie die Vergrößerung des eigenen Wohnzimmers in die Flimmerkiste. Alle sind sie zu später Stunde in meinem Wohnzimmer und haben Spass. Heute dagegen nervt mich die feste Formatierung.

Ich sprach mit ein paar Leuten darüber und immer wieder kam dann der Hinweis auf Kerner. Da sitzen immer alle Gäste in einer Reihe und schalten sich weiter ein. Insofern ist Kerner fast gemütlicher als moderne LateNight Shows. Doch Kerner ist halt nicht als LateNight angelegt.

Es sollte auch wieder getrunken werden. Wenn Helmut Schmidt im deutschen Fernsehen raucht, so sollte man sich trauen sein Laster öffentlich zu zeigen. Ich vermisse geradezu den dichten Nebel im Presseclub. Da wird mittlerweile offen von Jeanette Biedermann über Masturbation geredet, aber Nikotin ist tabu? In einer richtigen LateNight sollte es Cocktails, Whiskey und Zigaretten geben. Diese Shows müssen und dürfen nicht politisch korrekt sein! Hier moderiert doch auch kein Lanz, Pflaume oder Geissen!?

Ab 22 Uhr müsste wieder mehr Anarchie im Fernsehen erlaubt sein.

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7 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. Manuel sagt:

    Dann lass uns das machen! Hätte evtl. sogar ein Theater für.

  2. Rob Vegas sagt:

    Fehlen nur noch tolle Gäste, Team, Studio und Zuschauer plus ein tragendes Geschäftsmodell ;-)

  3. Manuel sagt:

    Gäste kann ich besorgen. Mach Du den Rest.

  4. Larß Riske sagt:

    Amerikanische Late-Night-Shows haben auch weiterhin mehr als einen Gast – und das bei der allabendlichen Konkurrenz! Es entstehen allerdings nur selten solche Highlights wie oben erwähnt, aber sonst wären es ja auch keine!

    Ein weiteres tolles Beispiel ist Norm MacDonald, der eigentlich jede Show bereichert. Hier “zerstört” er ein Interview mit der bezaubernden Courtney Thorne-Smith:
    http://www.youtube.com/watch?v=GoLm-vD89SQ

    Trägst Du jetzt eigentlich immer Jackett & Krawatte? Ein kleiner Schritt in Richtung Late-Night-Genre…

  5. Rob Vegas sagt:

    Da gebe ich Dir Recht. Dieses Video ist ein Highlight, doch alleine schon die Anwesenheit weiterer Leute/gäste lockert die komplette Show deutlich auf und entlastet Carson.

    Hier in Deutschland sieht man solche Szenen höchstens Silvester bei Raab, wenn Bully, Herbst und Kavanian auf der Couch sitzen. Da ist die Show dann aber langatmig und duch Silvester bedingt gähnend langweilig.

    Seit dieser Norweger mit der Geige eine Weste auf der Bühne trug scheint sich da ein Trend anzubahnen. Ich mag das Jackett aber mittlerweile wieder lieber.

  6. Manuel sagt:

    Herr Riske, es geht darum, dass die ersten Gäste für die nächsten Gäste bleiben. Das ist auch in den heutigen US-Late-Night-SHows eher selten. David Letterman will das nicht und in den anderen Shows wird es manchmal gerne gesehen, manchmal nicht, allerding machen das viele Stars auch nicht mit. Möglichst kurzer Aufenthalt, Film promoten, raus, fertig.

  7. Larß Riske sagt:

    @Manuel

    Das habe ich schon verstanden. In den amerikanischen Shows gibt es das durchaus noch, dass der erste Gast einfach einen Platz nach links rutscht, wenn der nächste Gast kommt (z.B. regelmäßig bei Conan). Nach Prüfung in meinem Late-Night-Archiv muss ich allerdings zugeben: eher selten!

    Mein Eindruck ist, dass gerade Comedians und klassische Entertainer diese Möglichkeit nutzen, um das Publikum weiter zu unterhalten. Schauspieler haben nach ihrem Interview ihren Job erledigt und melden sich, selbst wenn sie auf der Bühne sitzen bleiben, nur noch selten zu Wort, um den nächsten Job “bei seinem Job” nicht zu stören.

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