Paid Content

Momentan spricht die Netzwelt oft vom “Paid Content”. Der Geburtsfehler des Internets sei der komplett kostenlose Zugriff auf Inhalte gewesen und nun wollen große Verlage und Betreiber diesen Umstand ändern.

Für mich lag und liegt der Fehler des Internets vielmehr in der Währung, dem Preis und im schwierigen Bezahlvorgang. Zudem lieben die Deutschen “Flatrates” und geben schon ca. 50€ im Monat für den bloßen Zugang zum Internet aus. Jetzt auch noch für die Inhalte zu zahlen kommt vielen Nutzern nicht gerade recht.

Generell wird es sich aber entwickeln. Man wird auf Dauer mehr Geld im Internet ausgeben und Menschen zahlen bereits jetzt schon für virtuelle Güter echtes Geld. Die meines Erachtens viel wichtigere Diskussion sollte sich um den Preis für Inhalte drehen. Soll ich wirklich für “News” zahlen mit denen ich an jeder Ecke und beim Warten in der U-Bahn bombardiert werde? Warum kostet eine Mp3 einen Euro und der ganze Film nur drei Euro? Und warum ist es so umständlich und unsicher im Netz kleine Beträge zu bezahlen?

Sofort muss ich meine Kreditkarte zücken und ein dreiseitiges Bestellformular ausfüllen. Schnell bezahlen und konsumieren – Fehlanzeige. Raab machte vor zehn Jahren mit Maschendrahtzaun einen riesiegen Reibach. Mit einer halben Million Hörer von Zensi, Zensa, Zensursula habe ich als Künstler keinen Cent verdient, sondern vielmehr Ausgaben gehabt. Es lag nicht im Vordergrund damit Geld zu machen, aber es ist nicht einmal möglich.

Wenn eine Mp3 0,99€ kostet, was ist dann eine Ausgabe meiner Show wert? Würden User bei einer einfachen Bezahlungsmöglichkeit gar 0,20 Cent ausgeben? Würde ich die Show an der Strasse machen, so würden wahrscheinlich einige Leute die kleine Münze als Dank in meinen Hut werfen. Im Netz dagegen ist es undenkbar. Vor allem gibt es einmalig aktuelle Inhalte für die man nicht so viel bezahlen möchte wie für eine Mp3, welche man auch in drei Jahren noch hören kann. Mit dem neuen Micropayment verdient der Produzent dagegen nur wenn riesige Massen im Netz für den Inhalt bezahlen.

Ich glaube nicht an den Geburtsfehler des Internets, sondern vielmehr an Versäumnisse der Betreiber. Wir brauchen eine globale Netzwährung, einen sicheren Geldtransfer und einen sehr sehr einfachen Bezahlungsvorgang. So können Babys wachsen und werden nicht schon bei der Geburt beerdigt.

Diesen Artikel empfehlen:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • MisterWong.DE
  • TwitThis
  • Technorati
  • Yigg
  • MisterWong
  • Wikio

Schlagworte: , , , , , , , , ,


2 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. Marek Ventur sagt:

    Ich habe mir vor einiger Zeit ein paar Gedanken dazu gemacht. Ich glaube, dass man entweder eine ganz einfache Micropayment-Möglichkeit braucht (Aus dem Grund ist iTunes und der AppStore so erfolgreich) oder das man ein Flatrate-Modell aufsetzt. Wie du schon sagtest: Zweiteres ist bei den Deutschen sehr beliebt ;-)

    Ich hab diesen Gedanken mal ein wenig weiterverfolgt und die Idee einer Internetweiten Verwertungsgesellschaft entwickelt. Sozusagen eine GEZ für’s Netz, bei der man jedoch nicht mitmachen muss. Die Contentanbieter bekommen keinen Festpreis, sondern einen Anteil der Monatsgebühr im Verhältnis zu der Verweildauer.

    Hier mein Artikel dazu: http://bblloogg.de/marek/die-i.....ellschaft/

  2. Stefan W mit Ö sagt:

    Du hast schon Recht, im Internet gibt es kein echtes, weit verbreitetes Micropayment-System und eine Kreditkarte hat nun mal nicht jeder.
    Andererseits wird aber auch gute Erfahrung mit einem freiwilligen Spendenbutton gemacht. Paypal ist weit verbreitet und es gibt genug Leute, die freiwillig bereit sind, für gute Inhalte zu zahlen.
    Das ein Bezahlsystem in den USA übrigens besser funktionieren wird als hier in Deutschland liegt übrigens an 2 Faktoren: 1. der “Deutsche” liebt alles, was umsonst ist und sieht es nicht ein zu zahlen
    2. die Zugangskosten in den USA sind deutlich billiger. Du hast selbst gesagt, dass man erstmal 50 Euro für einen Netzzugang ausgeben muss.

    Ich sehe jedoch noch ein anderes Problem: Die großen Medien-Konzerne haben Lücken in der Bilanz und wollen jetzt den Webmarkt schröpfen – sieht man zum Beispiel daran, dass einige Plattenfirmen den iTunes-Preis mindestens verdoppeln wollten um ihren Gewinnanteil deutlich zu erhöhen. Das Problem wird dann sein, dass es kaum noch kostenlose Inhalte geben wird und die kostenpflichtigen Inhalte überhöht teuer sind. Wenn ich aktuell beim Onlineangebot einer Zeitung einen Printartikel im Archiv nachlesen möchte, so kostet mich ein einiger Artikel 1,50 € – das ist einfach überzogen!
    Du hast da sehr recht, wenn du sagst, der Preis wird der Knackpunkt sein.
    Das Problem wird aber sein, dass die Medienkonzerne nicht bereit sind, sich auf Centbeträge einzulassen…

Eigenen Kommentar schreiben