Bombast Kino

Copyright: robvegas.de
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Schaue ich mir heute die Kinotrailer für die Filme von morgen an, so werde ich beinahe von digitalen Effekten, animierten Sumpfdotterbienen und perfekt nachempfundenden Welten erschlagen. „Bombast-Kino“ nennt man diese Gattung des Films gerne und jeder Produzent möchte mit seinem Film noch mehr Geld für Effekte aus dem Computer ausgeben.

Special Effects

Die neue Technik bietet dabei auch komplett neue Möglichkeiten. Vorher nie mögliche Kamerafahrten können nun im Rechner realisiert werden. Ein LKW kann bei einer Verfolgungsjagd über eine Rampe fahren, drei Loopings drehen und danach trotzdem wieder auf der Fahrbahn landen. Als Regisseur kann ich aus dem Lauf einer Pistole heraus eine Kugel filmen, welche dann noch im Körper des Opfers die linke Vene neben der Milz streift und dann links aus dem Rücken fliegt, um erst dann an der Wand abzuprallen. Toll!

Und wisst Ihr was? Mich langweilt das! Filme werden immer unrealistischer. Die neuen Möglichkeiten werden meist nicht dazu genutzt kleine Highlights zu setzen, sondern übertünchen die fade Story, den lausigen Schauspieler und einen oftmals schlechten Schnitt. Am Ende wird im Interview mit dem Schauspieler nur noch über die Effekte und nicht mehr über den Film geredet.

Endlose Möglichkeiten?

Bei „Herr der Ringe“ konnte man sich noch über die neuen Möglichkeiten freuen. Ohne den Rechner wäre die Geschichte wahrscheinlich nicht so einfach zu erzählen gewesen. Insofern habe ich nichts gegen den Computer auf der Kinoleinwand, aber mir fehlt der handwerklich groß inszenierte Film.

Erst gestern sah ich „Die Brücke von Arnheim“ auf DVD. Damals gab es noch keinen Computer und man hat einfach hunderte von Statisten vor die Kamera geschickt. Mit Uniformen, echten Panzern, echten Explosionen und einer ganzen Garde an hochklassigen Schauspielern wird da eine Militäroperation mit „bombastischen“ Ausmaßen erzählt. Der Schnitt ist brilliant, die Musik großartig gesetzt und im Film überwiegen die Charaktere und nicht die Explosionen.

Filmkunst

Was ich sagen will? Anstatt nur große Filme mit digitalen Statisten im Hintergrund zu drehen möchte ich wieder „echtes“ Kino erleben. Ich will einen Film bei dem ich die menschliche Arbeit im Hintergrund spüren kann. Wo wirklich noch Benzin in den Autos steckt und die Wagen nicht aus Pixeln bestehen. Tolle Stunts! Ich möchte mal wieder tausend Statisten für eine gewaltige Szene sehen. Echtes „Bombast-Kino“ halt. Mit fünf Flugzeugen anstatt drei kopierten Comuter-Helikoptern.

Stattdessen muss ich mir dann anhören wie schwierig es war die hundert Aliens zu animieren und welche Programme dafür verwendet worden sind. Hätte man E.T. heute noch so lieb wenn er damals nur digital auf der Leinwand erschienen wäre? Ein rein virtueller DeLorean?

Ein gut inszenierte Ohrfeige kann oft mehr beim Publikum be“wirken“ als 100 nukleare Explosionen aus dem Rechner. Mich nervt der neumodische Pixel-Schrott da einfach nur noch.

[hr]

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Geschrieben von

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

Richtig unfassbar wird es erst hier...

  • Mal vom Inhalt des Artikels abgesehen (dem ich Zustimme, denn die eigentliche Geschichte gerät oftmals in den Hintergrund), prüfst du die Rechtschreibung vor dem Posten? 😉

  • Hehe! Ich prüfe die immer vor der Veröffentlichung, aber durch die ganzen Codes und Tags sieht man es besser im fertigen Post. Jetzt ist er berichtigt 😉

    Viel schlimmer ist aber ein neuer Fehler! Habe ich bei der Korrektur erst bemerkt! Da steht „Eigenen Kommetar“ abgeben und seit Monaten hat diesen Fehler niemand bemerkt! Unglaublich.

  • Doch, doch, ich habe nur angenommen, dass es sich um Kunst handelt. 😉
    BTW: Irgendwo muss noch mein Wichtelgeschenk bei dir herumfliegen. 🙂

  • Da fragt man ihn so oft und er hat immer was zu tun und nun will er das Wichtelzeugs! Wann trinken wa nen Kaffee in der Uni?

  • BTW: Du lenkst hier von einem Artikel ab! Das liegt mir am Herzen!

    Zurück zum Thema!

  • Eigentlich hatte ich den Hinweis auch nicht wirklich ernst gemeint. Wenn du dich in die FHM bequemst… 😉
    Oder wir gehen dann einfach zum Miners.

    Du wirst lachen, an der FHM hat man wirklich zu tun. Jetzt stehen wieder vier Klausuren an und danach Praktikum.
    Aber das werde ich in Bielefeld machen. (siehe Xing)

  • Dir liegt es am Herzen, wenn ich ablenke? 😉
    So schlimm ist der Artikel nun auch nicht. Wie erwähnt gebe ich dir Recht. Die Effekte sollten Mittel zum Zweck zum Geschichtenerzählen sein und kein Selbstzweck.

  • Hmm… jetzt stehen hier sieben Kommentare und niemand wird mehr Bezug auf den Artikel nehmen. Das ist so im Web 2.0 . Furchtbar!

  • Das Problem dieser CGI-lastigen Actionfilme ist, dass sie die Schauspieler zu Statisten der Actionszenen degradiert.

  • Greta

    So ein schwarz-weiss-sehen ist doch Quatsch, damals wie heute gibt es gute und schlechte Filme. Das schlechte FX gleich auffallen, liegt daran, weil es schwer ist, Natürlichkeit in künstliche Bewegungen hineinzubringen und dann ist meist die Handlung auch noch schlecht. Ist halt ein schlechter Film. Es gibt aber auch jede Menge computeranimierter Filme, die einfach begeistern und ihre Fans haben.
    Niemand wird Schauspieler arbeitslos machen, nur weil man sie mit vergleichsweise hohen Aufwand in 3d modellieren kann. Das rechnet sich schonmal garnicht, zumal die Produktionskosten für Effekte um einiges höher sind als eine normale Szene.

    Dann gibt es auch genug Fans, die explodierende 3d Helikopter sehen wollen, dafür werden Filme mit explodierenden 3d Helikoptern gemacht.

    Schaust du denn nie Alarm für Cobra 11? Das sind doch richtige Schrottautos, die dort zerschellen und explodieren. Sowas gibts doch bestimmt auch als Spielfilm.

    Ich denke mal, für jeden ist irgendwo was dabei, da muss man dann nicht meckern, wenn andere was anderes sehen wollen.

    Ich schau solche Zerstörungsfilme überhaupt nicht, egal ob virtuell oder handgemacht, ich reg mich aber auch nicht auf, dass der Thorax von dem Verkehrsunfall in meiner Lieblingsserie Greys Anatomie aus Silkon oder Wackelpudding oder 3d ist.

  • Wer sieht hier schwarz/weiss ?

    Es gibt nur leider keine Filme mehr mit rein menschlichen Großinszenierungen.

    Alarm für Cobra11 ist dabei nicht einmal handwerklich gut gemacht. Da sieht man ja jede Rampe 😉

  • Ich pflichte Rob bei. Es wird Actionszenen mit CGI-Effekten mehr und mehr Raum und Zeit eingeräumt, die es den Schauspielern allein vom Drehbuch her gar nicht mehr ermöglichen, einen exzellenten Charakter zu entwickeln. Und leider gerät dank der rasanten Computerentwicklung das Niveau der Story immer weiter ins Hintertreffen. So monierte der US-Starkritiker Roger Ebert, dass bei „Pearl Harbor“ die Kosten für das Catering die Produktionskosten von Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ überstiegen. Nicht die Kosten erzeugen hier einen epischen Film, sondern das Drehbuch und die Inszenierung.

    Aber es gibt Ausnahmen, auch bei Actionfilmen. So zum Beispiel Guillermo del Toros erster Teil von Hellboy. Der Director’s Cut ist wirklich sehenswert. Ron Perlman haucht der Comicfigur mehr Leben ein als Tobey Maguire in der gesamten „Spiderman“ Trilogie. Was nicht am Unvermögen Maguires liegt, doch aber am recht kindlich gehaltenen Anspruch der Filme. Der Director’s Cut von „Watchmen“ ist auch ein gutes Beispiel. Dennoch muss ich hier bemerken, dass bei diesem Film die verschiedenen Handlungsstränge nicht wirklich aufgehen und einfach zu viel des Guten versucht wurde. Nicht jeder ist halt ein Robert Altman (Short Cuts) oder P.T. Anderson (Magnolia).
    Auch Robert Downey Jr. hat in Jon Favreaus „Iron Man“ Ansätze einer guten Charakterstudien aufblitzen lassen können, was aber leider zum Ende hin völlig Hollywood-verhunzt wurde. Apropos Favreau: Unbedingt „Swingers“ und „Made“ ansehen, aber besser nur im Original.

    Dennoch gibt es sogenannte Nischenfilme, die sich vornehmlich auf die „reine menschliche Großinszenierung“ konzentrieren. So zum Beispiel einige neuere Filme mit Philip Seymour Hoffman: „Doubt“, „The Savages“, „Synecdoche, New York“ (Selbst Roger Ebert hat sich den Film dreimal angesehen. Einfach irre, was Charlie Kaufman hier inszniert hat) und besonders gelungen „Before the Devil knows you’re dead“ (der wird Euch die Socken samt Schuhe ausziehen!!!). Ansonsten ist noch zu empfehlen: „The Wrestler“, „Powder Blue“ und ein wenig zurückliegend P.T. Andersons fast schon episch inszniertes Meisterwerk „There will be Blood“.
    Das ist jetzt aber nur eine kleine Auswahl und ich denke, dass sich diese Liste noch erweitern ließe. Bin mal gespannt, was den anderen ergänzend noch einfällt.