6 Aug, 2009

Bombast Kino

Schaue ich mir heute die Kinotrailer für die Filme von morgen an, so werde ich beinahe von digitalen Effekten, animierten Sumpfdotterbienen und perfekt nachempfundenden Welten erschlagen. „Bombast-Kino“ nennt man diese Gattung des Films gerne und jeder Produzent möchte mit seinem Film noch mehr Geld für Effekte aus dem Computer ausgeben.

Special Effects

Die neue Technik bietet dabei auch komplett neue Möglichkeiten. Vorher nie mögliche Kamerafahrten können nun im Rechner realisiert werden. Ein LKW kann bei einer Verfolgungsjagd über eine Rampe fahren, drei Loopings drehen und danach trotzdem wieder auf der Fahrbahn landen. Als Regisseur kann ich aus dem Lauf einer Pistole heraus eine Kugel filmen, welche dann noch im Körper des Opfers die linke Vene neben der Milz streift und dann links aus dem Rücken fliegt, um erst dann an der Wand abzuprallen. Toll!

Und wisst Ihr was? Mich langweilt das! Filme werden immer unrealistischer. Die neuen Möglichkeiten werden meist nicht dazu genutzt kleine Highlights zu setzen, sondern übertünchen die fade Story, den lausigen Schauspieler und einen oftmals schlechten Schnitt. Am Ende wird im Interview mit dem Schauspieler nur noch über die Effekte und nicht mehr über den Film geredet.

Endlose Möglichkeiten?

Bei „Herr der Ringe“ konnte man sich noch über die neuen Möglichkeiten freuen. Ohne den Rechner wäre die Geschichte wahrscheinlich nicht so einfach zu erzählen gewesen. Insofern habe ich nichts gegen den Computer auf der Kinoleinwand, aber mir fehlt der handwerklich groß inszenierte Film.

Erst gestern sah ich „Die Brücke von Arnheim“ auf DVD. Damals gab es noch keinen Computer und man hat einfach hunderte von Statisten vor die Kamera geschickt. Mit Uniformen, echten Panzern, echten Explosionen und einer ganzen Garde an hochklassigen Schauspielern wird da eine Militäroperation mit „bombastischen“ Ausmaßen erzählt. Der Schnitt ist brilliant, die Musik großartig gesetzt und im Film überwiegen die Charaktere und nicht die Explosionen.

Filmkunst

Was ich sagen will? Anstatt nur große Filme mit digitalen Statisten im Hintergrund zu drehen möchte ich wieder „echtes“ Kino erleben. Ich will einen Film bei dem ich die menschliche Arbeit im Hintergrund spüren kann. Wo wirklich noch Benzin in den Autos steckt und die Wagen nicht aus Pixeln bestehen. Tolle Stunts! Ich möchte mal wieder tausend Statisten für eine gewaltige Szene sehen. Echtes „Bombast-Kino“ halt. Mit fünf Flugzeugen anstatt drei kopierten Comuter-Helikoptern.

Stattdessen muss ich mir dann anhören wie schwierig es war die hundert Aliens zu animieren und welche Programme dafür verwendet worden sind. Hätte man E.T. heute noch so lieb wenn er damals nur digital auf der Leinwand erschienen wäre? Ein rein virtueller DeLorean?

Ein gut inszenierte Ohrfeige kann oft mehr beim Publikum be“wirken“ als 100 nukleare Explosionen aus dem Rechner. Mich nervt der neumodische Pixel-Schrott da einfach nur noch.

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Rob Vegas

Seit 2003 aktiv im Web. Vorher nur bei Napster mit ISDN-Flatrate. Kenne noch Disketten. Blogger, Autor und Moderator. Twittere nebenbei als falscher Harald Schmidt unter @bonitotv. Führe wichtige Telefonate noch per Festnetz.

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