Piratenpartei

Die Piratenpartei beherrscht momentan die politische Berichterstattung im Netz. Erst vor kurzem startete die Business-Plattform XING eine Webseite rund um die anstehende Bundestagswahl und rief zu einer Umfrage auf. Die Piratenpartei war aber nur unter “sonstige Parteien” gelistet und so entfachte sich ein Sturm der Entrüstung auf Twitter und Co. . Meines Erachtens ist das weniger ein Fehler als vielmehr großartiges, virales Marketing. Wer die Piraten nicht einlädt, die neue Partei nicht ernst nimmt, oder sich gar lustig über die politischen Seeräuber macht, darf sich über enorme Aufmerksamkeit der Netzgemeinde freuen!

Im Onlinewahlkampf hat die Piratenpartei dagegen jetzt schon alle klassischen Volksparteien abgehängt. Spieler plakatieren mittlerweile sogar die von der CDU verhassten “Killerspiele” mit Plakaten innerhalb der digitalen Spielewelt und auf studiVZ und Co. gehört sie zu den stärksten Gruppierungen.

Dabei ist die Partei an sich gar nicht einmal so wichtig. Sie ist eine aktuelle Randerscheinung in der Politik und hat sich auf ein zentrales Thema eingeschossen. Während andere Parteien gerne das Netz im deutschsprachigen Raum kontrollieren und damit meist überwachen möchten, wollen die Piraten die Freiheit der Internetnutzer bewahren und zeigen oft genug die Inkompetenz der großen Politker in Sachen Internet.

Kompetenz ist meiner Meinung nach das passende Stichwort. Das Internet ist mittlerweile ein echtes Thema innerhalb der Bevölkerung. Jeder nutzt das Netz, wenn auch für die verschiedensten Anlässe. Viele wissen auch gar nicht was diese “Piraten” eigentlich wollen, verstehen nicht einmal den Grund für die Gründung dieser Partei.

Und doch ist es wichtig eine solche Partei zu haben. Sie hat wenigstens Ahnung vom Netz und seinen Strukturen. Peter Struck weiß nicht einmal was ein Browser ist, für Westerwelle ist ein Computer mit einem Hammer vergleichbar und Christian Ströbele hat zwar eine Webseite, aber um diese Seite kümmern sich zu seinem Glück die jungen Mitarbeiter.

Waren es früher die Grünen um Joschka Fischer mit einer neuen Bewegung in Sachen Ökologie, so steht eine Piratenpartei heute für einen neuen Lebensbereich der Deutschen. Heute ist Solarenergie auch ein Thema bei der SPD und jede große Partei “will auch was für die Umwelt tun.”. In zehn Jahren wird die Piratenpartei sicher nicht in einer großen Koalition vertreten sein, aber alle Parteien werden sich bis dahin mit dem Thema Internet, Computer und dem Leben der Deutschen im Netz in ihren Wahlprogrammen auseinandersetzen.

Und allein dafür ist es gut endlich eine solche Partei in Zukunft zu haben. Die momentane Diskussion, die medialen Prügel und Ansichten zur jungen Partei sind da langfristig eher Nebensache. Es geht um das neue Thema, eine neue Kompetenz in der politischen Landschaft.

Diesen Artikel empfehlen:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • MisterWong.DE
  • TwitThis
  • Technorati
  • Yigg
  • MisterWong
  • Wikio

Schlagworte: , , , , , , , , ,


11 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. CFahrenbach (Christian Fahrenbach) sagt:

    RT @RobVegas New blog post: Piratenpartei http://www.robvegas.de/2009/08/11/piratenpartei/ (unaufgeregt und sehr wahr)

  2. alvar_f (Alvar Freude) sagt:

    RT @CFahrenbach:RT @RobVegas New blog post: Piratenpartei http://www.robvegas.de/2009/08/11/piratenpartei/ (unaufgeregt und sehr wahr)

  3. Andyhesse (Andy) sagt:

    RT @CFahrenbach:RT @RobVegas New blog post: Piratenpartei http://www.robvegas.de/2009/08/11/piratenpartei/ (unaufgeregt und sehr wahr)

  4. Zapikolo sagt:

    Endlich mal ein vernuenftiger Artikel, auf diesen von eher Spaß getriebenen, Seiten.

    Weiter so.

  5. Rob Vegas sagt:

    Spass und ernste Artikel sollten sich die Waage halten. Hier gibts halt Rob Vegas!

    Mir ist diese Diskussion um die Piraten einfach zu absurd geworden. Ein ziemlich normaler und meines Erachtens wichtiger Vorgang in einem demokratischen System.

  6. odessa2 (Daniel G) sagt:

    http://www.robvegas.de/2009/08/11/piratenpartei/ ->@robvegas über die Piratenpartei…

  7. ClipHead (-) sagt:

    Upps, total verpasst: @RobVegas schreibt über die #Piraten+: http://tinyurl.com/mkp8tl

  8. hehe sagt:

    sowas könnte man “schleichende verblödung” nennen;)

  9. narf sagt:

    sehr guter artikel ^^ verstehe nicht warum es sowas z.b. auf spon gibt^^

    mfg

  10. narf sagt:

    *auf spon NICHT gibt. sorry

  11. Raphi sagt:

    Moin Rob,

    danke für den Artikel, immer gut zu lesen. Ich denke auch, dass es grundsätzlich gut ist, so eine Partei zu haben. Das Internet ist momentan wie Berlin. Günstig zu haben, eine große Baustelle und nach oben ist theoretisch alles möglich, wenn man es schlau genug anstellt – das ganze in dem Falle aber Global. Ich weiß nicht, wie lange es gut gehen kann, wenn die Politische Klasse eines Landes solch einer Entwicklung mit derart viel Gleichgültigkeit gegenübersteht. Hier werden die Weichen zu zukünftigem, wirtschaftlichem Wohlstand gestellt. Nicht ausschließlich, aber auch.

    In diesem Sinne: Ja, die Piraten sind wichtig, als Weckruf gewissermaßen. Sie werden dafür sorgen, dass sich die Politische Klasse mit diesem Thema befassen muss.

    Was die Piraten Inhaltlich propagieren allerdings, ist teils brandgefährlich, selbst im Bereich ihrer Kernkompetenz. Deregulierung in einem an sich schon vielerorts rechtsfreien Raum…Aufweichung bis zur Aufhebung des Urheberrechts…würde man das, was die Piraten in ihrem Programm stehen haben 1zu1 umsetzen, so würde die Großzahl der Freischaffenden in diesem Land in kürzester Zeit verarmen. Dort zeigt sich eine himmelschreiende Kurzsichtigkeit, die das mangelnde Werteempfinden, welches einem allerorten im Internet begegnet, quasi in Hardwareform aufs Parteipapier bringt.

    Und nicht zuletzt müssen sich die Piraten den Schuh, den sie den anderen Parteien an den Kopf werfen auch selbst anziehen lassen. Politik besteht aus einer Vielzahl an Feldern. So Aktiv, wie sie im Bereich IT sind, so laienhaft sieht es in den traditionellen Politischen Feldern aus. Über ein (Berlin-typisches) ungefähres “Dagegensein” ohne ernsthaften Alternativplan geht es selten hinaus. Den Bereich Umweltschutz mal ausgenommen, da hat man einfach ein bisschen von den Grünen abgeschrieben.

    Letztere sind in der Tat ähnliche Wege gegangen, haben aber ihre Hausaufgaben gemacht, sind sich treu geblieben, über die Jahre aber gereift und eben nicht mehr eine Nischenpartei sondern eine rundum kompetente Partei mit ökologischer Ausrichtung. Eine Partei in ihren besten Jahren und einem aktuell guten Momentum gewissermaßen.

    Vielleicht werden die Piraten dort irgendwann ebenfalls einmal ankommen, wer weiß. Bis dahin gäbe es aber noch viel zu tun.

Eigenen Kommentar schreiben