Der Bundestagswahlkampf 2009 ist auch für Komödianten ein gefundenes Fressen. Die SPD sucht verzweifelt nach einem Thema, Merkel bietet sowieso genügend Angriffsfläche und natürlich kann alles einen Bezug zu Herrn Obama aus Amerika haben. So scheint es zumindest, doch die Realität für politische Comedy sieht leider etwas anders aus.
Bestes Beispiel ist die frisch gestartete Kampagne für den neuen Film von Hape Kerkeling. Horst Schlämmer soll via Kinofilm in die Politik gehen und im ersten Anlauf am besten gleich das Kanzleramt mit Trenchcoat besetzen. Natürlich wird für die PR-Kampagne auch auf Facebook, Twitter, YouTube, Blog etc. gesetzt. Politiker “versuchen” sich bisweilen ebenfalls daran. Doch scheint es die junge Zielgruppe nicht wirklich zu interessieren.
Auf YouTube dümpelt der erste Teaser vom Kanzlerkandidaten aus Grevenbroich noch immer unter der 1000er Marke herum und selbst die große Erwähnung des vermeintlichen Twitter-Profils von Schlämmer bei Harald Schmidt (BonitoTV) konnte Horsti nur ca. 1000 Verfolger bescheren. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der gute Hape dort nicht selber twittert und sein Fake eben jenen genialen Humor aus Grevenbroich nicht kopieren kann.
Nun kann sich das natürlich noch bis zum Kinostart ändern und wird es auch, doch Politainment scheint besonders die Jungwähler und YouTube-Zuschauer nicht so richtig vom Hocker zu hauen. Die ARD versucht sich aktuell auch an WebTV Formaten für das Netz und scheitert im ersten Anlauf schon kläglich. Anstatt zu versuchen die Themen der Jugend zu behandeln, faselt man über Twitter und Facebook und was sich die Politiker als letzten Artikel bei amazon bestellt haben. Für die junge Generation ist das Internet mit seinen Social Networks und Diensten aber Standard und keine Diskussion mehr wert. Die Diskussion und die Unterhaltung wird erst spannend, wenn man nicht nur alte “Experten” über “Killerspiele” reden lässt, sondern die jungen Leute auch zu Wort kommen lässt.
Man kann darüber sicherlich ein Buch schreiben und ich könnte wohl jeden Sender beraten, aber man muss sich ja einfach nur die politischen Talkshows ansehen. Da drücken selbst die nicht mehr ganz so jungen Moderatorinnen den Altersdurchschnitt in der Runde schon um mindestens 15 Jahre. Junge Menschen werden gar nicht erst neben einen Politiker gesetzt, weil er vielleicht nicht vorher abgesprochene Fragen stellen könnte. Bei Hart aber Fair wird dann Gülcan Kamps eingeladen und soll die Jugend repräsentieren – Auweia, Herr Plasberg!
Bei Maybrit Illner habe ich das Publikum mit einer kleinen Frage zum Lachen und Schmunzeln gebracht. Man muss da keine eigenen Formate für das Web erfinden. Vielmehr sollte man die jungen Leute ernster nehmen und auch eine Piratenpartei nicht bloß als “Partei der Raubkopierer” abstempeln. Dabei ist mir die Partei und ihr Porgramm in diesem Artikel nicht so wichtig wie die Aufmerksamkeit der jungen Leute für diese Bewegung.
Beim Raab sitzen kurz vor der Bundestagswahl im Herbst wieder die Spitzenkandidaten und werden über Bildung, das tolle Internet und die jungen Leute im Land palabern. Danach rühmen sich alle Teilnehmer auch einmal Gast einer Unterhaltungsshow gewesen zu sein und damit viele junge Leute erreicht zu haben. Stattdessen sollten Sender und Politiker einmal darüber nachdenken Formate zu machen, welche nicht übertrieben “clippig” wie ein Musikvideo geschnitten sind, sondern junge Leute mit Politikern und besonders politischen Themen zusammenbringen.
Fernsehen macht Politik für alte Leute mit alten Leuten und regt sich gleichzeitig in diesen Sendungen über die Politikverdrossenheit der jungen Generation auf. So kann es einfach nicht funktionieren…
Ärgert mich halt.



























Ben Onetree sagt:
Die Problematik der politischen Diskussion in der Jugendkultur liegt wohl auch darin verankert, dass deren mediale Zugpferde à la Pocher, Barth oder auch ein Popliterat Stuckrad-Barre nicht gerade für ihre politische Meinung bekannt sind, sondern lieber Witze über ihre Freundinnen machen. Ferner ist es schwer, Politik mit Comedy zusammenzubringen. Das politische Kabarett ist zwar noch nicht Tod, aber es müffelt schon. Der Altersdurchschnitt dieser Comedy-Randgruppe liegt bei gefühlten 50plus. Da hilft es auch nicht, wenn ein Michael Mittermeier auf sein Politikstudium verweist und ab und zu eine Comedy-Exkursion gen Politik wagt. Vielleicht liegt es auch einfach an den schlechten Berufsaussichten junger Politiker, gepaart mit dem Image, das Politiker umgibt. Nicht zu Unrecht gehört der Beruf des Politikers zu den schlechtesten in Deutschland, selbst hinter dem des Journalisten.
Jul 10, 2009, 13:37LeonNoe (Erich Kersting) sagt:
Kompliment an @RobVegas . Solche Posts brauchen wir, damit das Gehirn nicht verblödet: http://www.robvegas.de/2009/07/10/politainment/
Jul 10, 2009, 21:19Bernd sagt:
Wann sehen wir dich bei Illner auf dem Stuhl neben Müntefering? Bin stark dafür.
Jul 10, 2009, 13:19Volker sagt:
Ich kann mir nicht Helfen aber wolltest Du nicht öfters in der WOCHE eine neue Folge Online Stellen?
Seit Wochen ist hier aber immer noch Zensursela als letzter Beitrag.
Gibt es doch keine Regelmäßige Show mehr?
Nette Grüße Volker
Jul 10, 2009, 12:59Rob Vegas sagt:
Bei Twitter und Schmidt habe ich drei Monate geschwiegen. Das gehört manchmal einfach dazu!
Nach Zensi Zensa haben sich aber auch viele Leute gemeldet und auch Wochen danach muss ich noch Interviews geben.
Anfangs waren drei Folgen die Woche geplant, doch habe ich das schnell verworfen, weil es im Netz auf die Schlagzeilen und großen Themen ankommt. Das Video zur Schweingrippe ist dagegen immer noch aktuell.
Kann Dich aber beruhigen. Es kommt in Kürze neues Material
Freut mich aber sehr, dass Du Dir schon Sorgen machst!
robvegas
Jul 10, 2009, 13:09metafakten // metalinks am 1. August 2009 sagt:
[...] Politainment – "Fernsehen macht Politik für alte Leute mit alten Leuten und regt sich gleichzeitig in diesen Sendungen über die Politikverdrossenheit der jungen Generation auf." Treffend formuliert. Rob Vegas schreibt. [...]
Jul 10, 2009, 17:10