Bahn Bordbistro

Ich mag die Bahn einfach nicht, weil ich viel zu gern in ein Auto steige und mir meine Fahrspur selber wähle. Im Auto hat man ein Gaspedal, Lenker, Radio und die Möglichkeit laut zur Musik mitzusingen. Mein Navi bekommt Strom über den Zigarettenanzünder und ich bin beschäftigt.

In der Bahn dagegen kann ich nur warten. Der einzige Witz liegt beim Sprecher der Durchsagen, welcher den Deutschen Insassen alle Anschlusszüge aufzählt und den ausländischen Fahrgästen nur noch eine gute Reise wünscht. Comedypreis! Von einem guten Buch bekomme zumindest ich in der Bahn schnell Kopfschmerzen und für das Notebook gibt es am eigenen Platze sowieso keinen Strom. Allein schon das Wort “Sitzplatzreservierung” löst mentalen Terror bei mir aus, weil garantiert jemand auf Deinem! Platz sitzt und seit vier Stunden pennt.

Bahn BordbistroWarum ich dennoch ab und zu in einen Waggon der deutschen Bahn einsteige? Weil es ein Erlebnis ist! Und weil man zumindest im Kopf die Vorstellung hat eine schöne Romanistikstudentin mit hohem Flirtfaktor als Nachbarin zu bekommen. In den seltensten Fällen hat man in dieser Lotterie der Sitzplatzreservierung aber Glück. Entweder ist es die alte Oma, oder man hat so einen nervigen Typen, welcher einem das Ohr abkaut, mit seinem Blackberry lautstark Geschäfte macht, oder die verheiratete, leicht verbrauchte Büroangestellte mit Lesebrille im Gepäck. Bislang habe ich diesen Umstand gerne ertragen, doch trieb es mich vor kurzem längere Zeit in das Bordbistro der Bahn.

Völlig überteuerte Lebensmittel sorgen in diesem Bereich des Zuges zumindest für eine gewisse Leere an den zu hart gepolsterten Plätzen. Wahrscheinlich ist die Polsterung so hart, damit bloß niemand länger dort sitzen bleiben mag. Pustekuchen! Im Bordbistro sieht man die armen Schlucker, die 1.Klasse Typen mit iPhone und Falten im Anzug und trifft meist irgendwo zwischen Göttingen und Frankfurt ein paar nette Gesprächspartner. Da fehlt zur guten Stimmung nur noch ein Flachbildfernseher mit N24 auf dem Schirm und man könnte es glatt länger in der Bahn aushalten!

Wen ich kennengelernt habe? Eine junge Dame, welche mich wegen der Frage an die Bundeskanzlerin erkannt hatte, einen reichen Geschäftsmann für medizinische Geräte und eine ältere Dame. Das kann einem das Auto nicht bieten und wenn man ein wenig kommunikativ veranlagt ist, so kann so eine Fahrt in der Bahn schon ein Erlebnis werden. Die sexuell-aufgeschlossene Romanistikstudentin auf Rundreise durch Deutschland muss man sich halt denken

Bildquelle: DB AG

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Ein Kommentar bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. Stefan sagt:

    Sehr schoen geschrieben. :D
    Sowas ist mir auch schon mal fast passiert, man trifft immer wieder nette, aber auch nervende Leute beim Bahn fahren. Aber ist immer wieder lustig und macht auch Spass.

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